Erstellt am 24. August 2016, 13:44

von Stefan Havranek

Gänserndorf: Wirbel um „Skandal-Act“. Weil Andreas Hirsch auf der Sommerszene mit Windeln und Kreuz auftrat, wittert die FPÖ Blasphemie. Der Künstler verweist auf einen Monty-Python-Film.

In diesem Outfit performte Andreas Hirsch alias „Extremhirsch“ auf der Sommerszene den Eric-Idle-Hit „Always look on the bright Side of Life“.  |  Facebook

Die Gänserndorfer FPÖ rotiert – weil Andreas Hirsch beim Karaoke-Abend im Rahmen der Sommerszene in Windeln mit einem Kreuz den Eric-Idle-Hit „Always look on the bright Side of Life“, bekannt aus dem Monty-Python-Film „Das Leben des Brian“, performte. Der Gastronom aus Gänserndorf (er betreibt das Lokal „Extremhirsch“ auf der Bahnstraße) tritt als Künstler unter dem Namen „Extremhirsch“ auf.

In einem Facebook-Posting schimpfen die Blauen: „Wie wir festgestellt haben, hat am Karaoke-Abend im Rahmen der Sommerszene ein Pseudokünstler mit Namen Extremhirsch einen unnützen, widerlichen Auftritt geliefert. Er trat als Jesus am Kreuz mit Windelhosen auf der Bühne auf!“

FP: „Blasphemie unter Deckmantel der Kunst“

Aber damit nicht genug: „Ein solches blasphemisches Verhalten unter dem Deckmantel der künstlerischen Freiheit ist schamlos und eindeutig zu verurteilen. Als FPÖ Gänserndorf werden wir gegen solche Arten von Auftritten entschlossen vorgehen“, heißt es weiter in dem Social-Media-Kommentar. In den Reaktionen zu dem Posting entbrannte eine rege Diskussion zwischen Befürwortern der FPÖ-Meinung und Verteidigern des Auftritts von Hirsch.

Aber auch der singende Gastronom ist um eine Antwort – ebenfalls via Facebook – nicht verlegen: „Wie so oft bei Anhängern Ihrer Partei ist Ihnen auch diesmal Ihr massives Bildungsdefizit bei der vorschnellen Bildung einer Meinung über ein komplexes Thema zum Verhängnis geworden. Es handelt sich nämlich nicht um Jesus, sondern um Eric Idle, den ich da auf der Bühne darstelle. Der ist wiederum der Mann hinter ,Brian‘ aus der Kreuzigungsszene aus dem Film ,Das Leben des Brian‘.“

Hirsch setzt fort: „Würden Sie und Ihre geifernden Mitläufer über Englischkenntnisse verfügen, könnten Sie sich über diese Szene und den unglaublichen Humor, der ihr zugrunde liegt, wahrscheinlich genauso freuen wie jeder anständige Österreicher. Zumindest sind Sie in ihrer Ewiggestrigkeit diesmal nur 37 Jahre zurück ...“

Unterstellung einer strafbaren Handlung?

Der Künstler lässt Auszüge aus dem Wikipedia-Eintrag des Monty-Python-Films (siehe Infobox) folgen und überlegt sogar rechtliche Schritte: „Nachdem die FPÖ mir eine strafbare Handlung im Sinne des § 188 StGB öffentlich unterstellt, habe ich nur noch eine Frage: Haftet bei einer etwaigen Klage die Partei direkt oder haften die Funktionäre?“

Hirsch weiter: „Sie unterstellen mir eine strafbare Handlung, die mit bis zu sechs Monaten Freiheitsentzug geahndet wird ... Blasphemie!“ Der Beitrag schlug derart hohe Wellen, dass sogar der Groß-Enzersdorfer Grünen-Stadtrat Andreas Vanek sich dazu äußerte: „Wenn die FPÖ von ,christlichen Werten‘ spricht, kommt mir immer das Kotzen. Das Kreuz von Jesus hatte keine Haken.“

Infos zum Film:

Das Leben des Brian (Originaltitel: Monty Python’s Life of Brian) ist eine Komödie der britischen Komikergruppe Monty Python aus dem Jahr 1979. Der naive und unauffällige Brian, zur selben Zeit wie Jesus geboren, wird durch Missverständnisse gegen seinen Willen als Messias verehrt. Weil er sich gegen die römischen Besatzer engagiert, findet er schließlich in einer Massenkreuzigung sein Ende. [...]

Obwohl der Vorwurf der Blasphemie von praktisch allen Seiten entkräftet wurde, ist die Satire nach wie vor bei Christen umstritten und gilt aufgrund ihrer rezeptionsgeschichtlichen Bedeutung als Paradebeispiel für die Reibungspunkte zwischen künstlerischer Meinungsfreiheit und Religionstoleranz. [...] Das Abschlusslied „Always look on the bright Side of Life“ wurde weit über den Filmkontext hinaus bekannt.