Erstellt am 09. März 2016, 05:04

von Stefan Havranek

„Sind Sie denn geimpft?“. Am "Biotechnologie-Campus Orth" gab es einen Festakt anlässlich des Jubiläums der Produktion des lebensrettenden Serums.

Robin Rumler, Roman Prymula, Moderator Armin Fidler, Maria Paulke-Korinek, Canna Ghia, Nikolaus Franke, VP-Landesrat Karl Wilfing, Paul Duffy, VP-Bürgermeister Johann Mayer und Martin Dallinger (von links) bei der Festveranstaltung »40 Jahre FSME-Impfstoff in Österreich«.  |  NOEN, Havranek

Einen Grund zu feiern gab es in der Vorwoche in Orth: Am Baxalta/Baxter-Gelände ging ein hochkarätig besetzter Festakt anlässlich des Jubiläums „40 Jahre FSME-Impfstoff in Österreich“ über die Bühne.

Nach der Eröffnung und Begrüßung der Ehrengäste durch Moderator Armin Fidler erklärte „Science Buster“ Werner Gruber via Video-Wall den Produktionsprozess des Impfstoffs und vermittete interessante Fakten zum durch Zecken übertragenen Virus (siehe Infobox).

2014 übernahm Pfizer die Impfstoff-Produktion

Robin Rumler, Geschäftsführer der Pfizer Corporation Austria, gab einen Einblick in die Entwicklung des Impfstoffs in Österreich: Startschuss war 1976 durch die Firma Immuno, die später von Baxter übernommen wurde. 2014 übernahm der Pharma-Riese Pfizer die FSME-Impfstoff-Produktion und beschäftigt nunmehr 230 Mitarbeiter in Orth.

Danach war die Politik am Wort: Ebenfalls per Video-Botschaft gratulierte Landeshauptmann Erwin Pröll zum „mit dem Land NÖ verbundenen Erfolgsweg“. Auch Landesrat Karl Wilfing lobte die „rot-weiß-rote Erfolgsgeschichte“ und unterstrich: „Ich bin einer der größten Fans, denn ich weiß, Impfen spart enorme Kosten im Gesundheitswesen.“

Ausflug in die Vergangenheit und Diskussion

Einen Ausflug in die Vergangenheit machte dann Bürgermeister Johann Mayer, der als Kind noch am damals verlassenen Gelände der ehemaligen Sperrholz-Fabrikspielte, wo heute der „Biotechnologie-Campus Orth“ steht: „Auch bei der Gründung des Firmenstandorts wäre niemand auf die Idee gekommen, dass dieser Standort einmal zu einem international tätigen Pharmakonzern gehören wird und dadurch weltweit anerkannt ist.“ 1982 startete man mit 35 Mitarbeitern in Orth, heute darf er sich über den größten Betriebsstandort im Bezirk, einen großen Arbeitgeber und einen „warmen Regen an Steuereinnahmen für die Gemeinde“, freuen.

Es folgte eine Experten-Diskussionsrunde mit Martin Dallinger (Pfizer Manufacturing Austria), Nikolaus Franke (WU Wien), Maria Paulke-Korinek (Ministerium für Gesundheit) und Roman Prymula (Direktor Universitätsklinik Hradec Kralove in Tschechien) und der abschließenden Frage: „Sind Sie denn geimpft?“

 


Geschichte FSME

  • 1920: Unbekanntes Krankheitssymptom bei Waldarbeitern rund um Wr. Neustadt entdeckt.

  • 1956: Das die Krankheit verursachende Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus (FSME-Virus) wird aus fünf Zecken in der Region Neudörfl isoliert.

  • 1973: Österreichischer Virologe Christian Kunz entwickelt mit „Neudörfl“-Stamm ersten Versuchs-Impfstoff. „Mein Mitarbeiter und ich haben uns gegenseitig geimpft und warteten ab, wie die Tests ausgehen würden.“

  • 1976: Beginn der industriellen Produktion des FSME-Impfstoffs.

  • Seit 1979: Weiterentwicklung der Produktionstechnologie des Impfstoffs.

  • 1981: Start der FSME-Informationskampagne und seither jährliche Impfaktion.

  • 2002: Einführung einer eigenen Kinderdosierung.

  • 2014: Pfizer übernimmt FSME-Impfstoffproduktion in Orth.

  • 2016: 40 Jahre FSME-Impfstoffproduktion in Österreich. Aktuell wird in Orth Wirkstoff für rund 10 Millionen Impfdosen pro Jahr produziert. In Österreich sind etwa 85 Prozent der Bevölkerung durch Impfung geschützt.