Spannberg

Erstellt am 02. Juli 2016, 06:00

von Nina Wieneritsch

Im Gespräch mit „Hundeschweiger" Bernhard Kainz. „Hundeschweiger“ Bernhard Kainz arbeitet mit vermeintlichen „Problemhunden“ – und das ganz ohne sprachliche Kommandos. Die NÖN traf den Spannberger zum Gespräch.

Ein Leben für die Vierbeiner. „Mein Vorteil ist, dass ich das ,Wesen Hund‘ verstehe“, sagt Bernhard Kainz.  |  privat

Hunde brauchen klare sprachliche Anweisungen und werden bei Gehorchen mit Leckerlis belohnt – alles falsch, geht es nach dem Spannberger „Hundeschweiger“ Bernhard Kainz. Sein Credo: „Nur ohne reden kann man den Hund richtig wahrnehmen.“

Seit etwa 25 Jahren beschäftigt sich Kainz mit „Problemhunden“ und resozialisiert sie. „Vertrauen und Respekt – das ist das Erste, wie ich den Tieren begegne“, so Kainz, der auch mit Paco arbeitete, jenem Rüden, der mit einem Steinsack um den Hals in der March ertrinken sollte.

 „Ich gehe zu jedem vermeintlich aggressiven Hund in den Zwinger."

„Hundeschweiger“ Bernhard Kainz 

NÖN: Sie bezeichnen sich selbst als „Hundeschweiger“ – wie funktioniert Ihre Methode?

Kainz: Ich verzichte auf die Stimme als Befehlsgeber. Auch Leinenrucke, Zwangs- und Hilfsmittel – zum Beispiel Metallbänder oder Kopfhalfter –, die sich auf den Hund negativ auswirken, benötige ich nicht. Es braucht hauptsächlich positive Führungsenergie, über die ich mit dem Hund kommuniziere.

Wichtig ist die emotionale Ebene, sie ist der stärkste Kommunikationskanal. Sprache ist für einen Hund uninteressant, weil sein Gehör vergleichsweise schwach ausgebildet ist.

Sie arbeiten mit sogenannten „Problemhunden“. Wie schaffen Sie es, einen Zugang zu diesen Tieren zu finden?

Kainz: Mein Vorteil ist, dass ich das „Wesen Hund“ verstehe. Vertrauen und Respekt – das ist das Erste, wie ich ihm begegne. Ich gehe zu jedem vermeintlich aggressiven Hund in den Zwinger und nehme schwierige zum Teil mit nach Hause, um sie zu resozialisieren. Für mich hört Erziehung dort auf, wo physische oder psychische Negativ-Einwirkung anfängt.

Wie funktioniert die Resozialisation „schwieriger“ Hunde genau?

Kainz: Ich lebe ihnen richtiges Verhalten vor und die Hunde ahmen es nach. Dafür brauche ich Respekt die notwendige Kompetenz im Rudel. Das bedeutet aber nicht, dass ich der „Rudelsführer“ bin. Nur dort, wo es hapert, verschaffe ich mir Kompetenz. Welche das konkret ist, hängt vom Hunde-Typ ab. Ein Jagdhund richtet sich zum Beispiel nach demjenigen, der im Rudel die höhere Nahrungskompetenz besitzt. Sogenannte „Problemhunde“ verlassen sich nur auf sich selbst und auf ihre Zell-Informationen. Wenn man weiß, wie diese funktionieren, kann man darauf reagieren.

Wo haben Sie die Arbeit mit den Tieren gelernt?

Kainz: Ich habe jahrzehntelang naturnah in Tierparks von Wolfsfamilien gelernt und mit Experten zusammengearbeitet. Zwischen Grau-Wolf und Haushund besteht eine genetische Differenz von nur 0,22 Prozent, – sie sind einander also sehr ähnlich. Daneben habe ich mittlerweile viel Erfahrung gesammelt und sehr viel gelesen – die Methoden, die in den Büchern beschrieben werden, mussten sich in meiner Arbeit aber alle erst bestätigen.

Bernhard Kainz ist der „Hundeschweiger“. Der Spannberger hat selbst drei ehemalige „Problemhunde“ zuhause und arbeitet mittlerweile hauptberuflich als Hundepsychologe. In seiner Arbeit berät er auch Polizei, Tierparks, Organisationen und private Hundehalter bei Problemen rund um die Vierbeiner.  |  Nußbaum

Apropos Lesen: Kainz hat bereits zwei Bücher herausgebracht, im Sommer erscheint das nächste. Und wer den „Hundeschweiger“ live erleben möchte, hat Möglichkeit dazu: Kainz hält immer wieder Vorträge bzw. Seminare in ganz Österreich und ist mit seiner Hunde-Comedy-Show unterwegs. Infos: www.hundeschweiger.at.