Zistersdorf

Erstellt am 21. Juli 2016, 05:00

von Nina Wieneritsch

„Dürrkatastrophe“ in Zistersdorf . Ende des Jahres wird der Dürr-Konzern die Produktion in Zistersdorf einstellen. Das hiesige Werk ist seit Längerem defizitär. 86 Mitarbeiter sind betroffen.

Der Zistersdorfer Produktionsstandort des deutschen Dürr-Konzerns wurde 1970 errichtet. Dürr-Vorstandsvorsitzender Ralf Dieter erklärt die Umstände, die zur Schließung des Standorts führten.  |  NOEN

Nach längerer Dürrezeit ist es nun traurige Realität: Der deutsche Maschinen- und Anlagenbaukonzern Dürr plant, seinen Fertigungsstandort in Zistersdorf zu schließen. Dort produzieren 86 Mitarbeiter Anlagenkomponenten für Automobil-Lackierereien sowie Abluftreinigungssysteme.

60 Prozent der Produktion nach China

Rund 60 Prozent der Produktion werden aus Zistersdorf nach China geliefert, dem mittlerweile größten Einzelmarkt des Dürr-Konzerns. „Die zunehmende Verlagerung der Nachfragemärkte, Veränderungen in der Produktpalette sowie verschärfter Kosten- und Wettbewerbsdruck führen dazu, dass der Zistersdorfer Betrieb nicht mehr wirtschaftlich aufrechterhalten werden kann“, informiert Vorstandsvorsitzender Ralf Dieter. Die bisher in Zistersdorf hergestellten Komponenten sollen zukünftig vor allem in China und damit marktnäher produziert werden.

„Die Schließung ist nun unausweichlich“

„Wir haben lange versucht, das Werk in Zistersdorf auszulasten und dem Kostendruck durch Effizienzsteigerungen entgegenzuwirken. Angesichts der schwierigen Ertragssituation ist die Schließung nun aber unausweichlich“, erklärt Dieter.

Um allzu viele „Dürreschäden“ zu vermeiden, soll der Abbau der Arbeitsplätze „so sozialverträglich wie möglich“ gestaltet werden. Hierzu werden, so der Plan, entsprechende Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern aufgenommen.

"Mittlere Katastrophe für die Stadt"

Für die Stadt ist die Schließung eines solchen Arbeitgebers eine „mittlere Katastrophe“. VP-Bürgermeister Wolfgang Peischl zeigt sich im NÖN-Gespräch dementsprechend betroffen: „Die ausbleibende Kommunalsteuer würde ich verkraften, aber ich denke an die Familien der Mitarbeiter – da hängen locker 200 bis 300 Personen dran.“ Bei den Angestellten handle es sich hauptsächlich um Facharbeiter, viele bereits über 50 Jahre alt. Wo diese unterkommen sollen, ist fraglich.

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Peischl weiter: „Man wundert sich, wie das möglich ist. Es wurde stets hochgelobt, wie effizient am Zistersdorfer Standort gearbeitet wird, immer wieder wurden Teile auch zur Nachbearbeitung hierher geschickt.“ Nachsatz: „Dürr war immer eine Vorzeigefirma.“

Am Standort befindet sich auch das Ausbildungszentrum des Arbeitsmarktservice (AMS) Gänserndorf, von wo Dürr immer wieder Lehrlinge aufnahm. Die Mitarbeiter sind bei Dürr angestellt, die fachliche Ausbildung liegt beim Bildungsinstitut Wifi. Das AMS finanzierte die Ausbildungsstätte. Gänserndorfs stellvertretender AMS-Chef Ernst Gugler: „Derzeit laufen Gespräche, ob zum Beispiel das Wifi das Zentrum weiterführen wolle. Weil aber alles noch so frisch ist, kann man noch nichts Konkretes sagen.“

Die Kündigungsfrist für die Mitarbeiter betrage jedenfalls ein Jahr. Mit Schließung des Dürr-Standorts hat Zistersdorf nur noch den Standort von Pittel+Brausewetter in vergleichbarer Größenordnung.

 

Der Konzern

  • Der deutsche Dürr-Konzern zählt zu den weltweit führenden Maschinen- und Anlagenbauern. Er hat seinen Hauptsitz in Bietigheim-Bissingen (Baden-Württemberg, Deutschland).
  • Rund 60 Prozent des Umsatzes entfallen auf das Geschäft mit Automobilherstellern und -zulieferern. Weitere Abnehmerbranchen sind zum Beispiel der Maschinenbau, die Chemie- und Pharmaindustrie und – seit der Übernahme der Homag Group AG im Oktober 2014 – die holzbearbeitende Industrie.
  • Dürr verfügt über 92 Standorte in 28 Ländern. Im Jahr 2015 erzielte der Konzern mit knapp 15.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 3,77 Milliarden Euro.