Erstellt am 07. Juli 2016, 05:00

von Robert Knotz und Thomas Schindler

Kriminelle Masche: Frau durchschaute Trick. Eine Unbekannte erzählte Strasshoferin am Telefon, ihre Söhne seien befreundet – dabei ist jener der Angerufenen seit Jahren tot. Diese wittert nun Betrug.

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Um die Mittagszeit läutete das Telefon der Strasshoferin Brigitte K. (Name der Redaktion bekannt). Eine Dame mit ausländischem Akzent fragte: „Haben Sie einen Sohn?“ Auf die Rückfrage, was sie das anginge, erklärte die Anruferin: „Ihr Sohn ist mit meinem Kevin befreundet.“ Letzterer sei angeblich verschwunden.

Die Angerufene vermutete, dass es sich bei dem Anruf um einen Trickbetrug handelte, und sagte zu der Frau: „Ich kenne diese Spielchen – lassen Sie mich damit in Ruhe. Wenn Sie nochmals anrufen, schalte ich die Polizei ein.“ Dennoch erhielt sie im Anschluss wieder einen Anruf, den sie allerdings nicht entgegennahm. Kurz darauf ging eine SMS mit dem Hinweis ein, dass der angeblich vermisste Sohn der Unbekannten seit zwei Tagen abgängig sei. Trauriges Detail am Rande: Der Sohn von Brigitte K., der angeblich mit dem vermissten befreundet sein soll, ist bereits vor sechs Jahren verstorben.

Die Strasshoferin fragte beunruhigt in der NÖN-Redaktion nach, ob es sich bei dem Anruf um eine Art des weitverbreiteten Telefonterrors handle. Dabei erkundigen sich Unbekannte via Telefon nach Familienangehörigen, mit denen sie vor vielen Jahren angeblich befreundet sind und verwickeln die Angerufenen in lange Telefongespräche. Handelt es sich nun um einen Trick, oder wird da tatsächlich jemand vermisst?

Polizei-Chefinspektor Gerald Reichl hat mit der Frau gesprochen und vermutet, dass sich hinter den Anrufen der berüchtigte Enkel- oder Neffentrick verbirgt. „Die Betrüger versuchen durch mehrere Anrufe, eine Vertrauensbasis aufzubauen, um schließlich die Opfer zu überreden, ihnen Geld zu borgen, das sie natürlich nie zurückbezahlen. Leider fallen immer wieder Leute darauf rein. Die Strasshoferin hat richtig reagiert“, so Reichl.