Strasshof an der Nordbahn

Erstellt am 18. August 2016, 01:55

von Erwin Nussbaum

Skandal: Paragrafenjäger wütet. Droht den beliebten Festen im Heizhaus das Aus? Laut Schutzvorschrift dürfen Eisenbahnanlagen aus Sicherheitsgründen nur von geschultem Personal betreten werden.

Im Rahmen der Ferienaktion erkundeten 52 Kinder vergangenen Mittwoch bei einer Rätselrallye das Eisenbahnmuseum. Sie erfuhren im Heizhaus Interessantes über die kleinen und großen Eisenbahnen und lernten, warum bei den alten Lokomotiven Dampf aus dem Schonstein kommt. Die Kids besichtigten das Heizhaus, die Drehscheibe, den Wasserturm und den Kohlenaufzug und sie durften – als besonderes Highlight – mit dem Schienenbus fahren. Das Heizhaus ist in erster Linie Unterstand und Werkstätte für betriebsfähige Lokomotiven, daher kommt es in diesem lebendigen Museum häufig vor, dass die Besucher zusehen können, wie an den Loks gearbeitet wird.  |  Gemeinde

Droht den beliebten Events im Eisenbahnmuseum das Aus? Laut Eisenbahnschutzvorschriften dürfen österreichische Eisenbahnanlagen nur von speziell geschulten Personen betreten werden. Das Benutzen von Straßenbahnremisen, Eisenbahn-Heizhäusern und natürlich Schienen ist de facto verboten. Ausnahmen gibt es, allerdings ist dafür eine Erlaubniskarte notwendig. Dafür muss eine mehrstündige, kostenpflichtige Schulung absolviert werden.

Diese Regelung klingt nach einer juristischen Spitzfindigkeit, hat aber bei dem im Juni im Südbahnmuseum Mürzzuschlag veranstalteten „Internationalen Nostalgiefest“ zu einer ersten Anzeige geführt.

Der Anzeiger, offenbar ein Ex-Polizist, der sich selbst als „Gummiparagrafenjäger“ bezeichnet, hatte sich bei einer österreichischen Tageszeitung gemeldet. Er kündigte an, dass auch die beliebten Feste im Strasshofer Eisenbahnmuseum von einer Anzeige betroffen sein werden, wenn die dortige Anlage noch als Bahngrund gewidmet ist. Könnten die Heizhaus-Events wegen einer Gesetzeslücke bald der Vergangenheit angehören?

Museums-Kurator Rupert Gansterer findet im NÖN-Gespräch beruhigende Worte: „Wir kennen den Mann bereits aus diversen Eisenbahn-Foren im Internet als Querulant. Wir haben natürlich vor, unser Museum auch in Zukunft so zu führen, wie wir es in den letzten 30 Jahren geführt haben.“

Und Gansterer weiter: „Als wir das Grundstück von den Bundesbahnen gekauft haben, hatten wir auch einen Sachverständigen des Landes NÖ bei uns, der das Gelände abgenommen hat. Und es ist ja auch nicht so, dass unsere Gäste auf dem Gleiskörper verweilen dürfen, sondern sich im Normalfall in speziellen Bereichen aufhalten.“

Sollte bei einer Großveranstaltung wirklich ein riesiger Gästeansturm kommen, so seien über 100 geschulte Mitarbeiter vor Ort, um auf die Besucher Acht zu geben. Generell setze man, so Gansterer, auf Eigenverantwortung: „Wir haben gut sichtbar unsere Hausordnung ausgehängt und lassen die Entwicklung auf uns zukommen.“