Erstellt am 23. September 2015, 11:33

von Robert Knotz

Slama wirft Handtuch. Die Gemeinderätin wirft Bürgerlisten-Obmann Ebhart eine Menge Verfehlungen vor. Dieser kontert: „Sie will sich bei ihrem Arbeitgeber beliebt machen.

Brigitte und Martin Slama kehren der Strasshofer Bürgerliste den Rücken.  |  NOEN, Knotz

Die Gemeinderätin Brigitte Slama soll der Bürgerliste den Rücken gekehrt haben.

„Dafür gibt es mehrere schwerwiegende Gründe“, berichtet sie im NÖN-Exklusivinterview. Begonnen habe alles auf der Marchfeldmesse. Wie die NÖN bereits berichtete, soll Bürgerlisten-Obmann Paul Ebhart dort in alkoholisiertem Zustand randaliert haben.

„Ich habe von diesem Vorfall durch den Artikel erfahren und war entsetzt, dass Paul Ebhart keine Silbe darüber verloren hat. Während des Maibaumfestes stand ich neben Ebhart, als ihn der damalige SPÖ-Vorsitzende Peter Schischkofsky in der Öffentlichkeit angesprochen hat und ihm sagte, dass sein Benehmen eines Gemeinderats nicht würdig sei.“ Und weiter: „Als ich fragte, warum ihn dieser so schroff anging, antwortete Ebhart, dass er es nicht weiß – möglicherweise habe Schischkofsky getrunken“.

In diesem Moment sei ihr klar geworden, dass er ihr gegenüber zu diesem Ereignis keine Stellung nehmen möchte. Sie habe da zum ersten Mal überlegt, die Liste zu verlassen, weil so ein Verhalten nicht tolerierbar sei.

Slama wollte als Kassierin tätig sein

Um der Liste Ebhart noch eine Chance zu geben, habe Slama darauf bestanden die Funktion des bis dato nicht vorhandenen Kassiers zu übernehmen. „Obwohl ich Ebhart direkt angesprochen habe, hat er sich nicht dazu geäußert, wie hoch die Einnahmen und Kosten bei seinen Veranstaltungen sind.“

Den Vorschlag, eine Buchhaltung zu führen, habe Ebhart abgelehnt, da laut seiner Aussage die Veranstaltungen sowieso nur kostendeckend seien, und somit brauche er auch keinen Kassier. „Meiner Rechnung nach, und die war mit hochwertigen Zutaten gerechnet, sollte ein deutlicher Gewinn aus den Getränkeverkäufen und aus den Losverkäufen für die Tombola übrig bleiben“, so Slama.

Weiters soll Ebhart seine Mandatare bereits bei einem der ersten Gespräche angewiesen haben, gegenüber dem Finanzamt keine Äußerungen über Parteienfinanzierungen zu machen und auf ihn persönlich zu verweisen. „Warum, wenn es eh nix zu erzählen gibt?“

Was Slama noch sauer aufstößt, ist, wie der Bürgerlisten-Obmann mit den Problemen in der Gemeinde umgeht. „Wenn er etwas gesehen hatte, stellte er sich hin, machte ein Foto und schickte es den Medien.

Ich selbst habe einmal eine wegstehende Schraube am Spielplatz der Gemeinde gemeldet und bereits am nächsten Tag war das Problem beseitigt. Kein Wunder, dass seine Anliegen nicht gehört werden, wenn er nur über die Medien ausrichten lässt, anstatt direkt zu kommunizieren. Aber es ist halt leichter, öffentlich anzuprangern, als zu handeln“, so die Gemeinderätin.
 

Wie wenig Respekt vor anderen Gemeinderatsmitgliedern vorhanden sei, zeige auch der Aspekt, dass „Ebhart lieber zu spät zu den Sitzungen kommt, um möglichst zu vermeiden, den anderen die Hand schütteln zu müssen“, so die Gemeinderätin kopfschüttelnd.

Brigitte Slama ist nun parteilose Gemeinderätin, sie kann sich eine weitere Zusammenarbeit unter diesen Umständen nicht vorstellen und will in den Sitzungen nicht an der Seite der Bürgerliste sitzen.

Besonders dreist findet sie, dass Ebhart zu ihrem Mann, Martin Slama, der auf der Liste der nächste Kandidat ist, gesagt haben soll, dass, falls er selbst in den Gemeinderat will, Ebhart Mittel und Wege finden wird, dass sie den Sitz freimacht.

„Verrat wird geliebt – niemals die Verräterin“

Der Bürgerlisten-Obmann sieht das naturgemäß anders: „Der Verrat wird geliebt – aber niemals die Verräterin. Sie hat bis jetzt nur in einem E-Mail mitgeteilt, dass sie diesen Schritt unternehmen wird.“ Von Haus aus habe sie schon mit den Roten gepackelt und habe als ÖBB-Bedienstete vermutlich dem Druck ihres Arbeitgebers nachgegeben. „Es könnte auch sein, dass sie sich bei ihrem Dienstgeber beliebt machen wollte. Ich habe mich von ihrem vorgetäuschten Hass auf die Roten blenden lassen“, meint Ebhart. Ja, er habe ihrem Gatten das Mandat angeboten, jedoch nur wenn dessen Frau darauf verzichtet – ansonsten bliebe es nicht in der Familie.

Die Aussage, gegenüber dem Finanzamt keine Angaben machen zu dürfen, rechtfertigt der Bürgerlisten-Obmann damit, dass er seine Mandatare in einem Gespräch informierte, welche Möglichkeiten zur Absetzung von Werbungskosten es gibt und die Finanzen der Bürgerliste Chefsache seien.

„Slama forderte in einem Gespräch vor unserem Sommerfest, dass alle ehrenamtlichen Mitarbeiter ihre Speisen und Getränke selbst bezahlen sollen. Als ich dies ablehnte, weil ich es absurd finde, ist sie aufgesprungen, hat mein Haus verlassen und ward nie mehr gesehen.“

Slama sei hinter seinem Rücken zur Familie Dawoud gefahren und dort habe man ihr bestätigt, dass mit den Finanzen alles in Ordnung ist. „Ich verstehe das nicht – gerade mir wirft sie vor, dass es Ungereimtheiten in der Kasse gibt. Dabei habe ich insgesamt an die 20.000 Euro Privatgeld in die Bürgerliste gesteckt.“ Und weiter: „Was will sie mit ihren mickrigen neun Vorzugsstimmen? Andere Kandidaten haben bei der Gemeinderatswahl mehr erreicht.“

Bezüglich der Finanzgebarung bei Festen meinte Ebhart: „Scheinbar ist die Dame zu naiv, um zu sehen, dass in der Kasse ein Zettel mit der Aufschrift ,100 Euro Wechselgeld‘ befand.“