Erstellt am 09. Juni 2016, 09:45

von Ulla Kremsmayer

Syrer baden in Donau. NÖN-Reportage: Ulla Kremsmayers Alltag mit vier Flüchtlingen.Dieses Mal: Wasserratten und Schwimmflügel für Erwachsene.

Wie echte Touristen: Ein Foto mit dem Fahrrad wird rasch an die Familien in der Ferne geschickt.  |  NOEN, privat

Endlich ist er da, der Sommer. Wir finden ein aufblasbares Planschbecken im Schuppen, Abdul und Aladin planschen im eiskalten Wasser und jauchzen. Die Luft ist bald wieder draußen, es ist ein älteres Modell.

Wir können doch eigentlich auch schon in die Lobau baden gehen, das Wasser dort ist sicher schon wärmer als das aus dem Gartenschlauch. Aber – betretenes Schweigen: Schwimmen können die beiden, sie sind immerhin zehn und zwölf Jahre alt, nicht.

Aleppo liegt nicht am Meer. Aber ja, es gibt ein Flussbad, Assad habe es gebaut, erzählen sie. Doch da gibt es mehrere Stufen, über das seichte Kinderbecken sind sie nicht hinausgekommen – auch die Väter nicht. Also, unsere Schwimmflügel sind jedenfalls nicht mehr zu gebrauchen.

x  |  NOEN, Privat

Das Geschäft im Stadtl, das alles hatte, gibt’s nicht mehr. Im Sportfachhandel erfahren wir, dass Schwimmflügel nur für kleine Kinder geeignet sind und maximal 30 Kilo tragen, Schwimmscheiben seien da angesagt – leider nicht lagernd. Doch zufällig hat es der Diskonter vor Ort im Angebot, also auf zum Wasser.

Bei uns lernen Kinder im Vorschulalter schwimmen, erkläre ich, „ihr müsst das schnell nachholen. Ich zeig es euch“. „Gehst du auch schwimmen?“, fragen mich da die Kinder basserstaunt, mit großen Augen. Ja natürlich, also auf. Und hinein ins – schon noch recht frische – Wasser. Ich schwimme kräftig, damit mir warm wird.

Mama gehe nie mit ihm schwimmen, sagt Abdul hernach – Frauen baden nur im Haus. Die Väter ziehen sich schnell diskret zurück: Sie müssen plötzlich noch etwas einkaufen gehen, haben aber wohl schlicht ein wenig Angst, gemeinsam zu baden und dabei hilflos im Wasser herumzustehen.

Wir werden auch für sie Schwimmreifen besorgen. Sie freuen sich, auch wenn sie eigentlich andere Sorgen haben.