Erstellt am 14. Oktober 2015, 05:02

von Thomas Schindler

Tagesklinik: Sanis sauer. Gänserndorfer Sanitäter ärgert, dass sie mit Notfall-Patienten immer wieder ins Landesklinikum Mistelbach weitergeschickt werden. Dort versteht man die Aufregung nicht.

Immer wieder kommt es vor, dass scheinbar einfache Verletzungen in der Gänserndorfer Tagesklinik nicht behandelt werden und Sanis mit ihren Patienten nach Mistelbach fahren müssen.  |  NOEN, Schindler

Bei vielen Rotkreuz-Sanitätern ist die Stimmung getrübt. Grund: Immer wieder kommt es vor, dass sie im „Medizinischen Zentrum Gänserndorf“ (MZG) nicht aufgenommen und mit ihren Notfall-Patienten ins Mistelbacher Krankenhaus, dem Mutterhaus des MZG, weitergeschickt werden.

Die Sanis fragen sich, ob sie die Gänserndorfer Tagesklinik überhaupt noch anfahren sollen: „Wir sehen ein, dass das MZG für schwere medizinische Notfälle nicht eingerichtet ist, aber warum werden wir auch bei Platzwunden und offenbar einfachen Knochenbrüchen weitergeschickt?“

Selbst wenn nicht einmal klar sei, ob der Arm oder das Bein des Patienten gebrochen oder nur verstaucht ist, so die Sanis, werden sie nach Mistelbach dirigiert: „In der Tagesklinik gibt es doch ein Röntgen, mit dem man das sofort abklären könnte, und einen Gipsraum.“

Lutzky: "Diensthabender Arzt soll Entscheidung treffen"

Gänserndorfs Rotkreuz-Leiter Otmar Lutzky sieht die Situation nicht so tragisch wie seine Sanis: „Ich bin vorsichtig, was eine schnelle Vorverurteilung betrifft. Wenn ein Patient gestürzt ist und sich dabei den Fuß gebrochen hat, geht es nicht nur um die Fraktur, sondern auch um den Grund für den Sturz.“ Und dieser müsse mitunter internistisch abgeklärt werden.

Somit ist es für Lutzky nachvollziehbar, wenn Notfall-Patienten ins Schwerpunkt-Krankenhaus Mistelbach gebracht werden sollen. „Es ist nicht unsere Aufgabe, hier Entscheidungen zu treffen. Das soll einzig und allein der diensthabende Arzt in der Tagesklinik tun.“ Lutzky fordert seine Sanis auf, konkrete Fälle zu nennen: „Wenn ich Daten und Fakten habe, kann ich diese mit dem ärztlichen Leiter der Tagesklinik besprechen.“

Was sagt eigentlich das Krankenhaus Mistelbach zur Aufregung unter den Gänserndorfer Sanitätern? „Das oberste Prinzip ist immer die bestmögliche und dem Stand der Wissenschaft entsprechende Versorgung der Patienten, über die ein dafür qualifizierter Arzt entscheidet.“

Die Beurteilung des Schweregrades eines Knochenbruchs bedürfe einer eingehenden Untersuchung, die Entscheidung über eine Verlegung sei immer dem behandelnden Arzt vorbehalten: „Um dem Patienten länger dauernde Schmerzen oder Schwellungen, die eine mögliche operative Einrichtung des Bruches verzögern würden, zu ersparen, ist eine Überstellung ins Schwerpunkthaus oft unumgänglich.“

Auch scheinbar einfache Verletzungen, wie zum Beispiel Platzwunden, bergen in manchen Fällen Risiken und bedürfen dann zusätzlicher Untersuchungen in Mistelbach.