Erstellt am 18. März 2016, 11:54

von APA/Red

Tiere in Zistersdorf vergiftet. Die von Vier Pfoten geführte Eulen- und Greifvogelstation (EGS) Haringsee schlägt Alarm: Im Raum Zistersdorf (Bezirk Gänserndorf) wurden und werden laut einer Aussendung vom Freitag Tiere vergiftet.

 |  NOEN, EGS/Stefan Knöpfer

Höchstwahrscheinlich sei Carbofuran verwendet worden, ein EU-weit streng verbotenes Gift. Allein am Donnerstag seien zwei Katzen, drei Füchse, drei Marder, sechs Mäusebussarde, ein Rotmilan, zwei Kolkraben und noch eine Menge weiterer Skelettreste gefunden worden.

"Der traurige Höhepunkt war dann eine mit einem Holzpfahl aufgespießte Ente", berichtete der wissenschaftliche Leiter der EGS, Hans Frey. "Außerdem stießen wir auf mit rotem Pulver bestreute Köder." Vor einigen Tagen wurde bereits ein toter Seeadler entdeckt. Am Freitag waren es Frey zufolge vorerst ein toter Milan und ein in einer Falle verhungerter Fuchs.

Grausamer und langsamer Tod durch Gift

Das seit Jahren in der EU verbotene Carbofuran "führt nachweislich zu einem äußerst grausamen langsamen Tod", so der wissenschaftliche Leiter der EGS. "All diese Tiere sind qualvoll verendet." Sehr wahrscheinlich gehe es hier um die Vernichtung von "Jagdkonkurrenz", also um das Töten von Tieren, die wiederum eine potenzielle Gefahr für andere Tiere im Revier der Jäger sind.



Indra Kley, Leiterin des Österreich-Büros von Vier Pfoten, appelliert nun an die Jäger selbst: „Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, hoffen wir auf ein strenges Urteil des Ehrensenats der Jägerschaft. Die Jäger sollten größtes Interesse daran haben, solche Menschen aus ihren Reihen zu verbannen, denn sie haben massiv gegen das Jagdgesetz verstoßen.“

Laut Kley wünscht sich Vier Pfoten „mehr ökologisches Basiswissen bei der Jagdausbildung und auch strengere Kriterien für die Erlangung der Jagdkarte“. 

Stark gefährdete Greifvögel vergiftet

„Der Verlust jedes einzelnen, gefährdeten Greifvogels stellt bereits eine massive Beeinträchtigung der gesamten Population dar. Im Falle des Rotmilans trägt Europa die Hauptverantwortung zum Erhalt dieser Vogelart.“ warnt Gabor Wichmann, Greifvogelexperte und stellvertretender Geschäftsführer von BirdLife Österreich. Generell befinden sich die Bestände des Rotmilans in einem sehr schlechten Erhaltungszustand. Klimawandel, Lebensraumverlust, Verfügbarkeit von Nahrung und auch die illegale Verfolgung setzt dem seltenen Greif zu.
 
Die Fälle rund um illegale Verfolgung  häufen sich in Österreich – erst im Oktober letzten Jahres wurden 37 Rohrweihen im Laaer Becken illegal geschossen