Untersiebenbrunn

Erstellt am 22. April 2017, 02:31

Gefährlicher Hund: Bewohner leben in Angst. Ausgerissener Kangal verletzte bereits zweimal seine Artgenossen. Besitzer darf das Tier behalten, muss aber Hundeführerschein und sichere Verwahrung nachweisen.

Symbolbild  |  Shutterstock/HSBortecin

Die Gemeindebürger fürchten sich vor einem Kangal, der kürzlich – und dies nicht zum ersten Mal – vom Grundstück einer Baufirma ausgerissen war. Der türkische Hirtenhund attackierte jüngst einen Jagdhund durch ein halb geöffnetes Autofenster und verletzte ihn so schwer, dass dieser noch am Unglücksort verstarb.

Bereits im Dezember musste ein Vierbeiner in der Tierklinik behandelt werden, weil er von besagtem Kangal angegriffen worden war (die NÖN berichtete über beide Vorfälle).

Strafe von bis zu 7.500 Euro bei Fahrlässigkeit

Wie können die Anrainer und Passanten vor dem gefährlichen Hund geschützt werden? Amtstierarzt Holger Herbrüggen erklärt: „Da der Kangal einem anderen Tier schweres Leid und den größtmöglichen Schaden, nämlich den Tod, zugefügt hat, besteht ein Verwaltungsstrafbestand nach dem Tierschutzgesetz. Dafür ist die Bezirkshauptmannschaft zuständig.“ Und weiter: „Da der Besitzer den Hund nicht aufgehetzt hat, handelt es sich um Fahrlässigkeit bei der Haltung. Dafür kann eine Geldstrafe von bis zu 7.500 Euro verhängt werden.“

Das Tier werde nun von der Gemeinde nach dem NÖ Hundehaltegesetz als „auffälliger Hund“ deklariert. Gegen diesen Feststellungsbescheid könne der Besitzer jedoch noch Rechtsmittel ergreifen. Er müsse aber jedenfalls eine ordnungsgemäße Anmeldung und sichere Verwahrung – diese kann vom Amtstierarzt durch einen unangemeldeten Besuch überprüft werden – nachweisen.

Spezial-Auflagen für „auffälligen Hund“

Was sagt SP-Bürgermeister Reinhold Steinmetz zu dem Zwischenfall? „Der Gemeinde war bis zu der Begebenheit im Dezember des Vorjahres keine Hundehaltung auf dem besagten Grundstück bekannt. Unmittelbar nach dem ersten NÖN-Bericht wurde eine amtstierärztliche Kontrolle durchgeführt. Weiters forderte die Bezirkshauptmannschaft den Tierbesitzer auf, die Hundeanmeldung vorzunehmen, sofern die Tiere ständig auf dem Betriebsareal gehalten würden.“

Steinmetz weiter: „Aufgrund des zweiten Vorfalls – zu diesem Zeitpunkt war der Kangal bereits bei der Gemeinde angemeldet – wurde von der Polizei gemäß des Hundehaltegesetzes die Auffälligkeit des Tieres festgestellt. Die Gemeinde hat dem Hundebesitzer vergangenen Mittwoch einen entsprechenden Bescheid zugestellt.“

Durch den oben genannten Bescheid ist der Halter eines „auffälligen Hundes“ verpflichtet, innerhalb von sechs Monaten die besondere Sachkunde zum Halten derartiger Vierbeiner (Hundeführerschein) nachzuweisen und eine höhere Haftpflichtversicherung abzuschließen. Zudem darf er maximal zwei dieser Hunde gemeinsam halten. Das Tier darf die Liegenschaft in Zukunft nur angeleint und mit Beißkorb verlassen.

Das Gesetz besagt weiters, dass die Einfriedigung so hergestellt sein und instandgehalten werden muss, dass der Vierbeiner das Grundstück nicht aus eigenem Antrieb verlassen kann. Menschen und andere Tiere dürfen nicht gefährdet oder unzumutbar belästigt werden.

„Muss betonieren, um den Rüden zu sichern“

„Wenn der Kangal abermals ungesichert die Liegenschaft verlässt, wird ein Strafverfahren eingeleitet. Sollte sich erweisen, dass der Halter nicht in der Lage oder willens ist, das Tier ordnungsgemäß zu halten, kann auch ein Verbot der Hundehaltung verhängt werden“, ergänzt Herbrüggen.

Auf dem Grundstück der betroffenen Baufirma werden der Kangal-Rüde und eine Kangal-Hündin gehalten. Besitzer Mehe S. hat nun Angst, seine beiden Tiere zu verlieren. Nach dem ersten Vorfall habe er reagiert, die Hunde seien seit diesem Zeitpunkt ganztägig im Zwinger eingesperrt.

Doch da die Straße nicht asphaltiert sei, habe sich das Tier durchgraben können. Im Notfall müsse er selbst den Boden bei seiner Einfahrt betonieren, damit kein Hund mehr ausreißen könne.