Erstellt am 24. Mai 2016, 10:50

von Nina Wieneritsch

Verbot für Vogel-Fallen?. Verein deckt nach Wildtier-Sterben in Zistersdorf den nächsten angeblichen Skandal im Norden des Bezirks auf. Jetzt wird ein Verbot für Lebendfallen in Hohenau gefordert.

Sogenannte »Nordische Krähenfänge« werden vom NÖ Landesjagdverband unter anderem mit dem »negativen Einfluss der Rabenvögel auf ihre Beutetiere« gerechtfertigt.  |  NOEN, Shutterstock/tomatto

Nach vermeintlich illegalen Treibjagden in einem Hohenauer Jagdrevier und dem Dahinraffen von Wildtieren durch Giftköder in einem Waldstück bei Zistersdorf (die NÖN berichtete mehrmals) deckten Tierschützer nun einen nächsten möglichen Skandal auf: Die Jagd mit sogenannten Lebendfallen.

Madeleine Petrovic, Klubobfrau der NÖ Grünen und Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins (WTV), spricht von einer „unsagbaren Barbarei“ und sich deshalb für ein Verbot solcher Lebendfallen aus.

Derzeit kommen derartige Fallen in ganz NÖ zum Einsatz. Ein aktuelles Beispiel sei laut WTV ein sogenannter „Nordischer Krähenfang“ in einem Jagdrevier auf Hohenauer Gebiet.

In solch einer Vorrichtung dürfen mittels Köder oder lebender Lockvögel Krähen gefangen werden. „Fehlfänge“, sprich das Fangen anderer Vogelarten, sind verboten. Zudem dürfen Krähen in NÖ nur außerhalb der Brutzeit bejagt werden.

Die Praxis sieht – zumindest laut WTV – aber anders aus. „Die Falle in Hohenau ist in der Schonzeit nicht so abgesichert, dass Kleinvögel abgehalten werden.

Auch die Gitterbespannung ist nicht so grobmaschig, dass Kleinvögel durchschlüpfen können“, so die Tierschützer. Rechtlich untragbar sei auch die Absicherung der Einflugspalte mittels langer Nägel: Jeder Fluchtversuch eines Tieres ende mit schweren Verletzungen.

"Es kommt immer wieder zu Fehlfängen"

„Zudem kommt es in der erlaubten Fangperiode immer wieder zu Fehlfängen, auch von streng geschützten oder ganzjährig geschonten Vogelarten“, sagt Hans Frey, WTV-Vorstandsmitglied und Leiter der Eulen- und Greifvogelstation Haringsee.

Der WTV erstattete bereits im November Anzeige wegen Tierquälerei. Die Stellungnahme der zuständigen Bezirkshauptmannschaft Gänserndorf kam nun Mitte Mai und bescheinigte, „dass die Sachlage vor Ort aus jagdfachlicher und tierschutzrechtlicher Sicht begutachtet wurde.

Aus beiden Befunden ergab sich, dass weitere Maßnahmen notwendig sind, sodass der gesetzmäßige Zustand wieder hergestellt wird. Die sich aus dem bisherigen Verhalten ergebenden Rechtsfolgen werden ebenso aufgegriffen und zur verwaltungsstrafrechtlichen Beurteilung geführt.“

Für Petrovic aber keine befriedigende Antwort – die Stellungnahme berücksichtige weder die rechtswidrige Öffnung im vermorschten Holz, durch die es zu Fehlfängen kommen kann, noch die langen, rostigen Nägel, an denen sich Tiere verletzen bzw. aufspießen könnten.

Peter Lebersorger vom NÖ Landesjagdverband gegenüber der NÖN: „Die Bauart der Falle ist genau geregelt. Durch die Lebendfangfalle, bei der die Tiere unversehrt gefangen werden, ist ein Fehlfang durch Freilassen eines Vogels reparabel.“

Soll heißen: Ist die Falle so gebaut, wie vom NÖ Landesjagdverband festgelegt, könne es zu keinen Verletzungen kommen. Der WTV beharrt dennoch auf seiner Verbots-Forderung.

Übrigens: Das Wildtier-Sterben in Zistersdorf betreffend, fand laut Peter Lebersorger gestern, Dienstag, nach Redaktionsschluss ein Treffen von Bezirkshauptmannschaft und NÖ Landesjagdverband statt, bei dem man weitere Schritte besprach.