Erstellt am 04. Mai 2016, 05:04

von Edith Mauritsch

Volksbank Marchfeld: Nein zu Verschmelzung. Auch bei der ordentlichen Generalversammlung der Volksbank Marchfeld wurde die notwendige Dreiviertelmehrheit für einen Zusammenschluss nicht erzielt.

Die Enttäuschung über das Abstimmungsergebnis zur Verschmelzung mit der Volksbank Wien war so groß, dass sogar ein gemeinsames Foto verweigert wurde.  |  NOEN, Mauritsch

Die Volksbank Marchfeld lud zur ordentlichen Generalversammlung. Die bei einer solchen Veranstaltung gängigen Tagesordnungspunkte schienen die Mitglieder allerdings wenig zu interessieren, stand doch – wieder einmal – die Verschmelzung mit der Volksbank Wien im Zuge der Strukturänderungen im Volksbankenverbund zur Abstimmung an.

Zunächst schien die Stimmung im Vergleich zu den sehr hitzigen Debatten bei den vorigen Versammlungen ins Positive zu schwenken, wenngleich der Antrag des Mitglieds Gerhard Schönner auf geheime Abstimmung seitens der Gremien mit gemischten Gefühlen gesehen wurde. Präsentation der Bilanz, Lagebericht des Vorstandes, Bericht des Aufsichtsrates – all das winkte die Eigentümerversammlung durch.

Die Zentralorganisation Volksbank Wien bot diesmal neben Generaldirektor Gerald Fleischmann und Vorstand Josef Preissl sogar Aufsichtsratsvorsitzenden Heribert Donnerbauer auf, der die Mitglieder von der Notwendigkeit einer Zustimmung zu überzeugen versuchte. Ebenso gaben Aufsichtsrat und Vorstand der Marchfelder ihr Bestes zu diesem Thema.

Ablehnung kleiner, aber trotzdem keine Mehrheit

Dann schritt man zur Abstimmung über die Änderung des Verbundvertrages und der Verschmelzung mit der Volksbank Wien. Betretene Gesichter bei Vorstand und Aufsichtsrat nach Vorliegen des Ergebnisses – wenn auch die Ablehnung zu beiden Punkten nicht mehr ganz so stark ausfiel wie noch vor einigen Wochen, von der notwendigen Dreiviertelmehrheit war das Ergebnis sehr weit entfernt.

Die Volksbank Marchfeld ist nun der Gnade der Europäischen Zentralbank ausgeliefert und wie diese weiter zu verfahren gedenkt, ist vollkommen unklar. Vom Weg in die Selbstständigkeit, der mit Sicherheit ein steiniger ist, bis hin zum anderen Extrem – der Abwicklung – reicht die Bandbreite.

Wie Aufsichtsratsvorsitzende Andrea Seidl referierte, geht eine Rechtsauffassung der Aufsichtsbehörde sogar soweit, dass das Veto auch nur einer Volksbank österreichweit die Auflösung des gesamten Verbundvertrages begründen könnte. Ob das nur ein Schuss vor den Bug war oder ob die Behörde wirklich dermaßen restriktive Einschnitte in die österreichische Bankenlandschaft riskiert, bleibt abzuwarten.

Schönner: "Kleine und mittlere Betriebe unterstützen"

Fix ist, der interimsmäßige Verbundvertrag läuft mit Ende Juni aus. Sehr viele der regionalen Volksbanken sind bestens mit Kapital ausgestattet, liquide und machen gutes Geschäft – wie eben auch die Volksbank Marchfeld. An den Eigenmitteln sollte die Selbstständigkeit also nicht scheitern.

Schönner bringt es auf den Punkt: „Wir brauchen eine regionale Bank, die kleine und mittlere Betriebe unterstützt. Zentralisierungen haben so noch nie was gebracht. Es wäre besser, die Vorschriften zu durchforsten und die kleineren Banken aber auch Betriebe nicht mit überbordender Bürokratie zu belasten, die nur für Konzerne notwendig sind.“ Ob die Aufsichtsbehörde diesen Wünschen folgt, wird man sehen.