Erstellt am 25. Februar 2016, 12:04

von Edith Mauritsch

Volksbank-Umbau im Gange. Volksbank Marchfeld stimmte gegen Einbringen der Geschäfte in Verbund: Nächste Sitzung im Frühjahr. Andere Volksbanken im Bezirk unter Dach und Fach.

Derzeit scheinen die Volksbankenfilialen im Bezirk vorerst gesichert, wie lange ist allerdings unklar. Die Zukunft wird zeigen, ob Regionalbezogenheit speziell im ländlichen Raum bei knallharten Kostenrechnungen eine Überlebenschance hat.  |  NOEN, Mauritsch

Sehr unauffällig gehen derzeit die Zusammenschlüsse der Volksbanken vonstatten. Die NÖN befragte die in der Region relevanten Institute über den Status quo und die Auswirkungen auf den Bezirk.

Die Volksbank Weinviertel sieht dem Prozedere mit Ende Juli entgegen. Die Hauptanstalt ist in Mistelbach beheimatet, von den neun Filialen liegen fünf im Bezirk Gänserndorf, das sind Auersthal, Groß-Schweinbarth, Hohenau, Hohenruppersdorf und Zistersdorf. Ein Sozialplan sieht einen Kündigungsschutz bis 2018 vor, Mitarbeiter aus den internen Abteilungen verstärken künftig die Filialen, einige werden in der zweiten Jahreshälfte als Pendler ihren Arbeitsplatz in Wien haben.

Filialnetz soll wie bisher weiterbestehen

Geschäftsleiter Johannes Fleischer am NÖN-Telefon: „Wir haben bis jetzt sehr gut gearbeitet und wollen auch in Zukunft Regionalitätsbezogenheit leben. Der jetzige Vorstand wird als Regionalleiter sogar mit einer noch höheren Eigenkompetenz als bisher ausgestattet.“ Man werde alles daran setzen, das Filialnetz im bestehenden Umfang aufrechtzuhalten, eine Schließung oder Zusammenlegung von Bankstellen sei derzeit nicht in Planung, ebenso wenig wie die Kündigung von Mitarbeitern.

Bereits abgeschlossen ist die Einbringung des Bankgeschäftes bei der ehemaligen Volksbank Obersdorf-Wolkersdorf-Deutsch-Wagram. Die drei Bankstellen firmieren nun unter Volksbank Wien.

Etwas differenzierter ist die Situation bei der Volksbank Marchfeld. Bei der außerordentlichen Generalversammlung 2015 stimmten die Eigentümer zwar grundsätzlich für den Verbundvertrag, jedoch gegen die Einbringung des Bankgeschäftes. Nachdem ein Alleingang seitens der Behörden – gelinde gesagt – nicht goutiert wird, kommt das Thema im Frühsommer nochmals auf den Tisch. Die Bank ist die meist präsente Volksbank im Bezirk, von den elf Filialen sind zehn über das Marchfeld verteilt.

„Derzeit sind weder Mitarbeiterabbau 
noch Filialschließungen geplant, 
speziell nicht in dieser Region.“
Volksbank-Pressesprecher Wolfgang Layer

Im Interview verteilte Pressesprecher Wolfgang Layer von der Volksbank Wien Beruhigungspillen: „Derzeit sind weder Mitarbeiterabbau noch Filialschließungen geplant, speziell nicht in dieser Region.“ Garantie könne er aber keine abgeben. „Wir wollen eines nach dem anderen machen, wenn die Zusammenlegungen abgeschlossen sind, Marktanalysen geben, wo sich Standorte rechnen“, antwortet Layer, angesprochen auf die Tatsache, dass Mitbewerber Raiffeisen im Bezirk letztes Jahr einige Filialen geschlossen hat.

Aus rechtlicher Sicht handelt es sich nicht um eine Fusion, sondern um die Einbringung des Bankgeschäftes. Die einzelnen Genossenschaften als juristisches Konstrukt bleiben bestehen, beschäftigen sich aber nur noch mit der Verwaltung der Anteile. Zum Hintergrund: Das Spitzeninstitut, die Österreichische Volksbanken AG, geriet in finanzielle Schieflage. Die Zusammenschlüsse waren auch auf Druck der Finanzmarktaufsicht notwendig, um die grundsätzlich gesunden einzelnen Volksbanken erhalten zu können, die bislang keine Filialen des Spitzeninstitutes waren, sondern deren Eigentümer.

Argumentiert werden Standortschließungen im Bankbereich gerne mit abnehmender Kundenfrequenz aufgrund des Trends hin zum Internetbanking – eine Entwicklung, die von den Banken in der Vergangenheit allerdings gezielt forciert wurde, um damit Kosten zu sparen.