Erstellt am 16. Dezember 2015, 04:13

von Robert Knotz und Manuel Mattes

Wirbel um Nazi-Vergleich. In der Gemeinderatssitzung flogen die Fetzen: Einem "Hoit den Schlapfen" des Bürgerlisten-Obmanns folgte ein verbaler Ausrutscher des SP-Gemeinderats Helmut Gruber.

SP-Gemeinderat Helmut Gruber konterte mit einem derben Vergleich.  |  NOEN, Archiv

In der vergangenen Gemeinderatssitzung kam es zu einem verbalen Schlagabtausch zwischen SP und Opposition. Der eigentliche Eklat ereignete sich jedoch erst nach der Sitzung, als SP-Gemeinderat Helmut Gruber die Bürgerliste mit dem Ausdruck „Nazi-Buam“ bedachte. Aber alles der Reihe nach: Es sollte über einen Mietvertrag für eine gemeindeeigene Wohnung abgestimmt werden.

Zwei Flüchtlingsfamilien, die bis dato privat untergekommen waren und jetzt zu wenig Platz haben, sollen dort beherbergt werden. Bürgerlisten-Obmann Paul Ebhart fragte SP-Bürgermeister Ludwig Deltl nach dem Status der Flüchtlinge. Dieser erklärte: „Weiß ich nicht. Ich vermute, dass einige Personen bereits anerkannte Flüchtlinge sind.“

Dann die nächste Frage Ebharts: „Und welche Religion haben die?“ Ein Raunen ging durch den Sitzungssaal und Deltl stellte die Gegenfrage: „Sortieren wir die Flüchtlinge jetzt nach Religion?“ Daraufhin stelle Ebhart den Antrag, dass die Gemeinde primär Christen als Flüchtlinge aufnehmen solle. Gruber entrüstet: „Das sind Kriegsflüchtlinge – und wir sortieren nach Religion?“ Ebhart konterte mit einem „Hoit den Schlapfen“, was Gruber noch mehr in Rage versetzte. Er brachte einen Antrag ein, in dem er den Rücktritt des Bürgerlisten-Obmanns forderte.

SP-Mandatar mit einer verbalen Entgleisung

Zurück zu Ebharts Antrag: Dieser wurde abgelehnt. Nach der Sitzung kam es laut Bürgerlisten-Gemeinderat Georg Dawoud zu einem weiteren Eklat. Gruber soll den Bürgerlisten-Obmann als „Nazi-Bua“ und Dawoud als Rassisten bezeichnet haben. Gruber teilte der NÖN diesbezüglich mit, dass er „Sie treten auf wie die Nazi-Buam“ gesagt hatte, und das nicht nur zu Ebhart, sondern in Richtung dessen ganzer Fraktion.

Weitere Wortgefechte gab es beim Budgetvoranschlag für 2016. Grünen-Mandatar Gerhard Haitzer kritisierte die hohen Ausgaben der Gemeinde. Er fragte nach den Preisen für ein „Essen auf Rädern“-Menü. „Vier Euro“, antwortete SP-Vize Walter Vock. Haitzer entrüstet: „Nur vier Euro? In jedem Gasthaus kostet das mehr.“ Dies war ihm zu günstig. Den Hinweis Vocks, dass es sich um eine Sozialleistung der Gemeinde handle, kommentierte Haitzer mit den Worten: „Is‘ mir wurscht.“