Zistersdorf

Erstellt am 05. April 2017, 05:46

von Nina Wieneritsch

Müllverbrennung: Umwelt-Prüfung für die Tonne?. 2009 erreichten Kritiker, dass die Abfall-Menge 130.000 Tonnen pro Jahr nicht überschreiten darf. Ein Wert, der seither offenbar unbemerkt nach oben korrigiert wurde.

In der FCC-Müllverbrennungsanlage in Zistersdorf werden Kommunal-, Gewerbe- und Industrieabfälle verwertet.  |  privat

130.000 Tonnen pro Jahr – so viel Abfall durfte in der von FCC betriebenen Müllverbrennungsanlage ursprünglich maximal verwertet werden. Nur 30 Prozent davon (39.000 Tonnen) – das wurde 2009 von einer Bürgerinitiative im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) erreicht – dürfen per Lkw angeliefert werden, der Rest muss per Bahn transportiert werden.

Doch die Freude über die UVP-Erfolge währte nicht lange: „In den letzten Jahren häuften sich Beschwerden von Anrainern über zunehmenden Lkw-Verkehr“, sagt Grünen-Gemeinderat Helmut Aigner.

Grünen-Gemeinderat Helmut Aigner ärgert sich über zu viel Müll und zu viele Lkw.  |  Grünen

Und tatsächlich: Eine offizielle Anfrage der Grünen ans Land ergab, dass die Kapazität der Anlage in den Jahren 2010, 2012 und 2014 stückchenweise erhöht worden sei. Mittlerweile werden dort jährlich 164.500 Tonnen statt der ursprünglichen 130.000 entsorgt, wie es im Antwort-Schreiben heißt.

„Das ist eine Steigerung von 26,5 Prozent“, ärgert sich Aigner. Und: „Im Jahr 2014 erreichte die FCC nicht nur eine weitere Kapazitätsausweitung, sondern zusätzlich, dass nur noch 30 Prozent mit der Bahn transportiert werden müssen, nämlich 115.750 statt 39.000 Tonnen“ – also das Dreifache.

Die NÖN fragte beim Unternehmen nach: Von dort heißt es, dass sich alles im gesetzlichen Rahmen bewege. Die Grünen überlegen indes, wie sie weiter vorgehen können. „Diese Entwicklung stellt den Sinn jeglichen Bürgerbeteiligungsverfahrens und den Zweck jeglicher Umweltverträglichkeitsprüfung infrage. Wozu das Ganze, wenn die Vereinbarung so lange aufgeweicht werden kann, bis sie obsolet ist?“, fragt Aigner.