Erstellt am 02. Dezember 2015, 05:03

von Markus Lohninger

16 minderjährige Asylwerber nehmen an Unterricht teil. Nicht weniger als 16 ohne Eltern gekommene minderjährige Asylwerber aus der Herberge in Neu-Nagelberg werden außerordentliche Schüler am Schulzentrum.

16 junge Afghanen starten ab Mitte Dezember auf freiwilliger Basis im Schulzentrum.  |  NOEN, Lohninger
Zuerst war da die Idee, fünf ohne Eltern nach Österreich gekommene minderjährige Afghanen am Vorbereitungs-Lehrgang für tschechische Schüler auf den Einstieg in die Handelsakademie teilnehmen zu lassen. Aus dem kleinen Schritt wurde ein großer Sprung: Ab Mitte Dezember werden nicht nur fünf, sondern 16 Flüchtlinge mitmachen – und das nicht in einem Lehrgang, sondern am normalen Unterricht im Schulzentrum.

Als außerordentliche Schüler können die als „minderjährige unbegleitete Flüchtlinge“ in der Jugendherberge Neu-Nagelberg durch Kidsnest betreuten Burschen das komplette Programm mitmachen, werden aber nicht benotet. Aufgeteilt werden sie in Absprache mit den zuständigen Landesschulinspektorinnen jeweils zu zweit auf acht der insgesamt 20 Klassen.

Unterricht für eigene Schüler bleibt wie zuvor

Mitmachen hätten alle 24 in Neu-Nagelberg untergebrachten Flüchtlinge wollen, sagt deren Heimleiter Reinhold Klauner zur NÖN. „Die haben einen anderen Zugang zur Bildung als viele unserer Jugendlichen“, erklärt er: „Unter den Taliban waren viele von ihnen in Afghanistan von jeder Bildung ausgeschlossen. Wenn die das Wort Bildung hören, dann leuchten ihre Augen.“ Er erzählt von einem Jungen, der sich das Lesen und Schreiben in Afghanistan eigenständig anhand des Studiums von Zeitschriften beigebracht habe – die kognitiven Fähigkeiten einiger seiner Schützlinge hält er für sehr groß.

Da die 16- bis 17-Jährigen aus der Neu-Nagelberger Herberge nicht mehr schulpflichtig sind, kann die Aktion nur dank der Bereitschaft des Schulzentrums realisiert werden. Dessen Direktorin Jutta Göschl betont, dass der Unterricht für die ordentlichen Schüler „entsprechend der vorgegebenen Lehrinhalte und Ziele“ unverändert wie bisher stattfinden wird. „Da sie bereits im Rahmen der Betreuung regelmäßig Deutschkurse haben, sehen wir unseren Beitrag in erster Linie als Hilfe zur Integration und Unterstützung für einen geregelten Tagesablauf der Jugendlichen“, sagt Göschl.

Genau das erhofft sich auch Betreuer Reinhold Klauner. Der freiwillige Einstieg der Flüchtlinge in den Schulalltag solle sie, wie er erklärt, zusätzlich motivieren, Kontakte erweitern helfen und so die Integration vorantreiben. Zwischen Schule und den Betreuern in Neu-Nagelberg soll ein regelmäßiger Austausch die konstruktive Zusammenarbeit sichern.