Erstellt am 16. Oktober 2015, 06:12

von Johannes Bode

40 Jahre unterwegs. Der aus Graz in den Großraum Heidenreichstein gezogene „Mr. Fingerpicking“ feierte Doppeljubiläum.

Peter Ratzenbeck und sein Schüler Christoph Schellhorn, mittlerweile gefragter Studiomusiker, brachten bei Ratzenbecks »Geburtstagskonzert« in Pürbach Nummern von schnulzigem Pop bis rauen Blues.  |  NOEN, J. Bode

40 Jahre sei er unterwegs gewesen, sagte Peter Ratzenbeck beim Geburtstags-Konzert zum 60er im Hoftheater. Wer auf die Homepage des Musikers schaut, erkennt schnell, dass er auch heute noch viel unterwegs ist, die Tour-Daten sind bis Dezember 2016 eingetragen. „In den meisten Jahren komm‘ ich auf 60 bis 70 Konzerte“, so Ratzenbeck im Gespräch mit der NÖN. Dazu kommen um die 30 Seminare im Jahr, die „Mr. Fingerpicking“ in ganz Österreich gibt.

Nicht nur, dass der in Graz geborene Ratzenbeck Autodidakt ist – auch zur Gitarre ist er eher zufällig gekommen, und zwar über seinen Lehrer im Kunstturnen-Unterricht. „Ich hab‘ zwei bis drei Stunden in der Woche Turnen trainiert. Doch als ich mit 16 die erste Gitarre bekommen hab‘, dachte ich nicht mehr ans Turnen.“ Um sich ganz dem Gitarrespielen widmen zu können, gab er alles andere auf – auch die Schule. In den 1970ern reiste Ratzenbeck nach Irland und Schottland, komponierte erste Stücke und verdiente sein Geld als Straßenmusiker. 1976 gab er in Bregenz sein erstes Konzert – von da an ging es mit der Karriere bergauf.

Ratzenbeck spielte seither mit Austropop-Stars wie S.T.S., Wilfried oder Boris Bukowski. Bei zahlreichen Reisen – mit Schottland, Irland und Nordengland ist Ratzenbeck bis heute eng verbunden – knüpfte er rasch Kontakte mit Musikern, wie mit dem Singer-Songwriter Andy Irvine, der auch beim Konzert in Pürbach mit dabei war. Später spielte Ratzenbeck auch für Reinhard Mey, der, so Ratzenbeck im Hoftheater, gesagt haben soll: „Peter, du hast keine Stimme, aber dieselbe hat Charakter.“ Jetzt traut sich Ratzenbeck auch, bei manchen Nummern zu singen.

Wohnort: „In der Nähe des Wackelsteins…“

Nun wurde der Gitarrist quasi offiziell in die „Hall of Fame“ aufgenommen: Seit 2014 gibt es ein eigenes Peter-Ratzenbeck-Gitarren-Modell der Firma Martin Guitars. Solche „Signature Modelle“ – die Labels am Boden der Gitarren wurden von Ratzenbeck signiert – gibt es von Größen wie Eric Clapton oder Joan Baez. Der Trubel ist ihm dennoch fremd. Nicht umsonst zog er 1985 ins obere Waldviertel: „Aufs Land wollt‘ ich sowieso“, erzählt er. Initialzündung war nicht nur der Besuch beim Musikfest in Waidhofen, sondern auch eine Geburtstagsfeier mit Bluespumpm: „Meiner Frau und mir hat die Gegend um Heidenreichstein gefallen.“ Seitdem lebt Ratzenbeck, wie er sagt, „in der Nähe vom Wackelstein“.

Auch wenn die Tour mittlerweile bis Frankreich führt und schon bis 2017 geplant wird, ist Ratzenbeck sein eigener Chef geblieben: „Ich bin froh, alles ohne Management auf die Beine zu stellen. So hab‘ ich alles selber unter Kontrolle und kann auch bei den Konzerten spielen, was ich will – das ist herrlich!“

Die breite Masse sei ihm egal: „Da hätte ich viel früher Konzessionen machen müssen.“ Deshalb habe er auch ein ganz spezielles Publikum – jenes, dass man sich eben über die Jahre erspielen muss.