Erstellt am 17. Oktober 2015, 06:12

von Karin Pollak

Übergabe von Immobilien wird teurer. Durch Änderungen bei Grunderwerbs- und Immobilienertragssteuer werden Besitzübergaben ab 1. Jänner 2016 teurer. Experten bieten Infos an.

Notar Bernhard Distlbacher, Gmünd  |  NOEN, privat

Besitzer von Häusern und Grundstücken stehen jetzt vor der „Qual der Wahl“. Durch die Änderungen mit 1. Jänner 2016 bei der Grunderwerbssteuer und der Immobilienertragssteuer kann das Übertragen eines Besitzes teurer werden – in einigen Fällen kommt es auch zu Vergünstigungen. Was also tun?

Die NÖN fragte bei Notaren, Rechtsanwälten und auch beim Gericht nach. Alle sind einer Meinung: Wer sich mit dem Gedanken trägt, in nächster Zeit sein Haus oder Grundstück übergeben zu wollen, der sollte noch heuer dazu Erkundigungen anstellen und eventuell dieses Vorhaben auch noch umsetzen. Aber: Die Zeit drängt!

In den Notariaten von Bernhard Distlbacher in Gmünd und von Norbert Schneider in Weitra ist ein Anstieg bei den Immobilienübertragungen zu verzeichnen. „Erhöhungen hat es immer schon gegeben. Dass aber neun Monate vorher alle Änderungen bekannt gemacht wurden, ist einzigartig. Die Auswirkungen kann man nicht abschätzen“, betont der Weitraer Notar Schneider.

Sein Gmünder Kollege Distlbacher sieht das ähnlich: „Man merkt die Verunsicherung. Beratung ist daher sehr wichtig und erst dann sollte man sich entscheiden, ob man sein Haus oder sein Grundstück noch heuer übergibt.“

Ein undurchdringbarer „Dschungel“

Auch Rechtsanwälte können dabei behilflich sein. Einer davon ist der Heinrichser Andreas Pascher, der sich mit seiner Rechtsanwaltskanzlei in Wien und Zweigstelle in Weitra auf das Immobilienrecht spezialisiert hat.

Für die meisten Laien sind die geplanten Änderungen bei Grunderwerbs- und Immobiliensteuern, bei Einheitswert und Verkehrswert ein undurchdringbarer „Dschungel“, das weiß auch Pascher und gibt deshalb ein Rechenbeispiel: Der Vater schenkt seiner Tochter ein saniertes Wohnhaus samt großem Grundstück. Der Einheitswert beträgt 28.000 Euro. Bei einer Übertragung heuer liegt die Grunderwerbssteuer bei 1.680 Euro (entspricht dem dreifachen Einheitswert Mal zwei Prozent im Familienverband). Ab 1. Jänner 2016 würde der Verkehrswert des Hauses von 290.000 Euro für die Berechnung der Grunderwerbssteuer herangezogen werden. Diese beläuft sich im Endeffekt auf 2.050 Euro.

„Fragen dazu können Rechtsanwälte, Steuerberater oder Notare beantworten, die die steuerlichen Auswirkungen berechnen“, erklärt Pascher. „Die dafür notwendigen Unterlagen wie Einheitswertbescheid, Grundbuchsauszug, Quadratmeterpreise für Wald, Wiese, Acker, bebaute und unbebaute Grundstücke können wir bereitstellen.“

Wird der Übergabevertrag noch heuer unterfertigt, dann gilt die bisherige Steuerberechnung, auch wenn das Grundstück noch nicht im Grundbuch auf den neuen Besitzer eingetragen ist. „Wir bemerken dazu noch keinen Anstieg“, betont Amtsdirektor Günter Binder vom Bezirksgericht Gmünd. „Wir wissen aber, dass sich bei den Notaren und Rechtsanwälten dazu einiges tut.“