Erstellt am 19. November 2015, 06:38

von Thomas Weikertschläger

„Um jeden Fisch gekämpft“. Leichtere Karpfen, aber kaum Ausfälle wegen Rekordhitze. Raubfische jedoch um bis zu 50 Prozent zurückgegangen. Fischotter fraßen kleine Teiche leer.

Karpfen  |  NOEN, Shutterstock/Frantisek Czanner
Die große Hitze und die Zunahme der Fischotterpopulation machten das Jahr 2015 für die heimische Teichwirtschaft zu einem problematischen. „Keine Frage: 2015 war für die Teichwirtschaft im Waldviertel ein Jahr mit unterdurchschnittlichen Ergebnissen“, bilanziert Willibald Hafellner, Obmann des Waldviertler Teichwirteverbandes.

Durch die hohen Temperaturen im Sommer sei die Gewichtszunahme pro Fisch unter den Durchschnittswerten geblieben. Hafellner: „Die Fische haben 15 Prozent weniger zugenommen als normal. Bei Karpfen ergibt das um 10 bis 20 Dekagramm pro Fisch weniger.“ Dass es kaum Verluste bei den Stückzahlen gebe, sei dem Arbeitseinsatz der Kollegen geschuldet: „Die haben um jeden Fisch gekämpft“, so Hafellner. Der Arbeitsaufwand, um die Belüftung der Teiche in der Hitze aufrecht zu erhalten, war enorm.

Otterschaden: Einer von tausend Karpfen blieb

Ähnlich sieht Markus Schlosser, der mit Franziskus Seilern-Aspang die Schlossfischerei Litschau führt und in 39 Teichen mit 130 Hektar Karpfen, Zander, Hechte, Schleien und Weißfische züchtet, die Situation. In ihrem Betrieb sind 90 Prozent der Abfischarbeiten bereits durchgeführt. Während Karpfen die große Hitze „halbwegs“ überstanden haben, sei die Situation bei Raubfischen schlecht: „Da gibt es Ausfälle von 50 Prozent“, so Schlosser.

Wesentlich mehr als die Hitze habe aber der Otter den Fischen zugesetzt. Schlosser: „Ganz schlimm ist es bei kleinen Teichen. Da beträgt der Ausfraß bis zu 100 Prozent.“ In einem kleinen Teich, in dem vor zwei Jahren tausend Karpfen eingesetzt wurden, sei gerade ein einziger Karpfen abgefischt worden! In einem anderen, in dem im April 500 Stück eingesetzt wurden, verringerte sich der Bestand auf 230. Schlosser: „Das ist Wahnsinn.“ Alternative sei lediglich, kleine Teiche künftig nicht mehr zu bewirtschaften.

Jetzt sei die Politik gefordert, eine Lösung für die Teichwirtschaft zu finden. Das Ende Oktober im Landtag gelockerte Jagdverbot für Fischotter (die NÖN berichtete) hält Schlosser für keine Lösung: „Die Otter werden jetzt ja nicht abgeschossen. Wo schonen wir den Otter nur hin?“ Werde ein Schaf von einem Wolf gerissen, komme der große Aufschrei, wenn Otter der Teichwirtschaft schaden, laufe das unter Naturschutz.
Entschädigungen nützen wenig, denn: „Wenn ich Kunden zufriedenstellen will, muss ich Produkte anbieten können. Da helfen Entschädigungszahlungen gar nichts.“

Dass ab 2016 dank Sonderrichtlinien wieder Flächenprämien für ökologisch naturnahe Teichwirtschaften aus Mitteln des Bundes und des Landes möglich sind, wertet Hafellner aber als „beruhigend für die kommenden Jahre“.