Erstellt am 09. Juni 2016, 10:31

von Markus Lohninger

Schicksal schlug doppelt zu. Der Familienvater verstarb, die Witwe wurde zum Pflegefall – nun muss die Tochter das Haus behindertengerecht umbauen: Gemeinde startet Spendenaktion.

Der Jugendtraum von Margit Huber (links, mit Pflegerin Maria Iaros und ihrer Tochter Marlene) platzte: Ihr Gatte verstarb 2010, nach einem Schlaganfall ist die Epileptikerin auf den Rollstuhl und 24-Stunden-Hilfe angewiesen. Zum Restkredit für den Hausbau kommt nun die Notwendigkeit für einen barrierefreien Umbau.  |  NOEN, Markus Lohninger

Innerhalb weniger Jahre wurde in Albrechts eine Familienidylle zerstört. Als der Familienvater Christian Huber 2010 43-jährig einem Herzleiden erlag, hinterließ der Tischler einen Restkredit für das Eigenheim, drei minderjährige Kinder und seine im Hilfswerk voll berufstätige Gattin Margit. Letztere ist ein Pflegefall, seit sie 2014 einen Schlaganfall erlitten hatte und Anfang April vermutlich beim Sturz über die Kellertreppe Epilepsie ausgelöst wurde.

Jetzt kann sie kaum mehr lesen, schreiben, rechnen und reden. Körperlich ist sie, weil halbseitig stark bewegungseingeschränkt, auf den Rollstuhl und eine 24-Stunden-Betreuung angewiesen, zur Abwicklung des in dieser Phase enormen bürokratischen Aufwandes benötigt sie die Hilfe ihrer Tochter Marlene.

Die heute 23-Jährige hat das Haus einige Monate nach dem Tod ihres Vaters mit dem Ziel übernommen, es für sie und ihren Lebensgefährten auszubauen und aufzustocken. Der Schlaganfall der Mutter durchkreuzte die Pläne: Plötzlich geht es nicht mehr darum, die halbfertige Baustelle abzuschließen – vordringliches Anliegen ist jetzt die barrierefreie Umgestaltung des Hauses für Margit Huber, die das Wohnrecht dafür hat.

„Wir schaffen das alleine nicht mehr.
Wir müssen um Hilfe bitten.“
Marlene Huber (23)


Das beginnt bei der nötigen Asphaltierung der geschotterten Zufahrt und dem dringend notwendigen barrierefreien Zugang zur Haustür, die derzeit nur über fünf steile Stufen erreichbar ist – ein regelmäßiger Kraftakt für die Rettungskräfte. Auch der Zugang in den Garten ist nur über mehrere Stufen möglich.

Tochter Marlene sagt es nicht gerne, kann aber nicht mehr anders. „Wir schaffen das alleine nicht mehr. Wir müssen um Hilfe bitten“, berichtet sie von schlaflosen Nächten wegen ihrer Sorgen und den Herausforderungen: Die Mutter muss von ihrer geringen Pension noch die Raten für den Hauskredit abstottern, im Vorjahr musste sie für die Anschaffung eines 7.000 Euro teuren Therapiegerätes den Kredit sogar noch aufstocken. Und Marlene selbst sitzt auf den Schulden des Zubaus, muss der Mutter unter die Arme greifen und daneben ihrem Job in der Agrana nachgehen.

„Die Arbeitskollegen unterstützen mich aber stark, holen mich immer wieder runter“, sagt sie. Auch der Arbeitgeber nehme, wo irgendwo möglich, auf ihre aktuellen Bedürfnisse Rücksicht.

Bürgermeister richtete Spendenkonto ein

Auch die Gemeindeführung will helfen: Bürgermeister Alois Strondl (ÖVP) richtete vorige Woche gemeinsam mit Amtsleiter Franz Körner in der Waldensteiner Bankstelle der Raiffeisenbank Oberes Waldviertel ein Spendenkonto auf den Namen Margit Huber ein (IBAN: AT 87 3241 5000 0201 1617). „Manchmal schlägt das Schicksal beinhart zu. Die Hubers waren zwei junge Leute, die mitten im Leben standen“, sagt Strondl dazu: „Christian war immer für andere im Ort da, wenn er benötigt wurde, seine Kinder sind im Alter meiner Kinder – ich kann mich in ihre Situation hin ein versetzen.“

Strondl garantiert maximale Transparenz der Spendenaktion: Einzahlungen und Kontostand sollen jederzeit für jeden einsehbar sein, das Spendenergebnis soll in einigen Wochen auch veröffentlicht werden.