Erstellt am 23. Dezember 2015, 05:03

von Markus Lohninger

Auf die Stärken setzen. Schuldnerberater Kaufmann sieht gute Chancen für Herzstücke des Traditionsbetriebes. Verkauf läuft normal weiter.

Die »Ignaz Pilz' Söhne GmbH« in Gmünd mit ihrer mehr als 200-jährigen Geschichte steckt in einem Sanierungsverfahren  |  NOEN, Maximilian Köpf

Gegen Ende eines außergewöhnlich sanften Wirtschaftsjahres ereilte den Bezirk Gmünd am 21. Dezember doch eine üble Nachricht: Die auf eine mehr als 200-jährige Geschichte blickende „Ignaz Pilz‘ Söhne GmbH“ meldete am Landesgericht Krems ihre Insolvenz an – und reichte den Antrag auf ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung ein. Der Arbeitgeber von 71 Beschäftigten am Firmensitz Gmünd sowie bei elf Nahversorgern in fünf Bezirken ist mit etwa zwei Millionen Euro überschuldet.

Geschäftsführung und auch Masseverwalterin Martina Withoff verwiesen auf NÖN-Nachfrage an Leopold Kaufmann von der Steuer- und Unternehmensberatungs-Kanzlei WWV. Kaufmann versucht zunächst, zu beruhigen. „Das Unternehmen läuft weiter. Der Handelshof mit Großhandel und C&C-Markt ist absolut nicht gefährdet, Abnehmer können weiter auf die volle Lieferfähigkeit vertrauen“, betont er.

Auch in allen Filialen kann bis mindestens Silvester eingekauft werden. Aber: „Das Konzept des Nahversorgers in Ortschaften funktioniert nicht mehr, Filialen gefährden das positive Hauptgeschäft.“ Daher soll im Sanierungsverfahren – im Einvernehmen mit der Sanierungsverwalterin – festgelegt werden, welche Maßnahmen in Filialen zu setzen sind.

Laufende Ansprüche der Mitarbeiter gesichert

Dass jene in Alt-Nagelberg per Jahresende geschlossen wird, hatte die NÖN schon mehrfach berichtet. Wo sonst bald die Lichter ausgehen könnten, das will Kaufmann noch nicht andeuten. „Was wir retten können, um das werden wir kämpfen. Der Rest muss geschlossen werden, um den Fortbetrieb des Unternehmens zu sichern“, sagt er:

Er wolle einen Großteil der Arbeitsplätze erhalten und rund um den wirtschaftlich starken Handelshof wieder Gewinne erzielen, die künftig wieder Investitionen ermöglichen. Seitens der Hauptbanken gebe es für das bisherige Sanierungskonzept positive Signale.

Der Handelshof versorgt etwa 600 Großhandels-Kunden von Feuerwehren, Vereinen, Hotel- & Gastrobetrieben bis zu Fleischern und Bäckern. Mit der Rückgabe-Option für Überschuss etwa bei Festen ist er im Bezirkkonkurrenzlos. – Laufende Ansprüche der Mitarbeiter sind, wie Kaufmann betont, gesichert.


Ignaz Pilz‘ Söhne

  • Die Firmengeschichte startete im Jahr 1811, als Ignaz Pilz eine Mühle und einen Agrarhandel in Gmünd übernahm. 1966 wurde in Schrems die erste Einzelhandelsfiliale eröffnet, danach wurden im Wald- und Weinviertel zeitweise bis zu 15 Filialen betrieben. 1976 wurde in Gmünd ein Zustell-Großhandel mit C&C-Markt errichtet, der 1989, 1997 und 2000 massiv erweitert wurde. Bis zum 21. Dezember führten die Brüder Martin und Herbert Pilz das Unternehmen als 50:50-Gesellschafter.

  • Hauptstandort in der Litschauer Straße 56 in Gmünd mit Großhandel und Cash & Carry-Markt. Filialen in Alt-Nagelberg, Amaliendorf, Brand, Harbach (Bezirk Gmünd), Windigsteig, Pfaffenschlag (Waidhofen), Traunstein, Schwarzenau, Göpfritz (Zwettl), Guntersdorf (Hollabrunn), Stronsdorf (Mistelbach)

  • Zum Sanierungsverfahren:
    - Aktiva laut Eigenantrag: 793.000 Euro; unbesicherte Passiva: etwa 2,8 Millionen Euro mit Forderungen von etwa 110 Gläubigern, denen eine Mindestquote von 20 Prozent angeboten wird -
    Abstimmung über den Sanierungsplan am 9. März