Erstellt am 02. Juni 2016, 09:44

von Markus Lohninger

„Halber Gmünder“ ÖBB-Chef. Christian Kern machte als Nachfolger von Bundeskanzler Werner Faymann den Platz an der Spitze der ÖBB-Holding frei. Der Interims-CEO Matthä wuchs in Gmünd auf.

Andreas Matthä verbrachte zwölf Jahre seines Lebens in Gmünd.  |  NOEN, ÖBB/Sabine Hauswirth

Einer der derzeit mächtigsten Manager Österreichs ist ein „halber Gmünder“: Nach dem Wechsel von Christian Kern ins Bundeskanzleramt wurde der bisherige Infrastruktur-Vorstand der ÖBB, der in Gmünd aufgewachsene Andreas Matthä, vorige Woche zum interimistischen CEO der Bundesbahnen gekürt.

Matthä, 1962 in Villach geborene, hat die Bahn praktisch im Blut. So verdankt er auch seinen intensiven Kontakt zur Waldviertler Bahnhauptstadt den magischen zwei Gleisen: Bereits als Zweijähriger war er mit den Eltern in den Eisenbahner-Hotspot Gmünd-Neustadt übersiedelt, weil sein Vater innerhalb der ÖBB den Job gewechselt hatte. Matthä Senior war – wie zuvor auch schon dessen Vater – bis dahin in Kärnten im Kraftwerksbau bei den Bundesbahnen tätig gewesen.

Vater beim Neubau des Gmünder Bahnhofes beteiligt

Zwölf Jahre lang lebte Andreas Matthä schließlich in Gmünd, besuchte hier Volks- und Hauptschule (Letztere unter anderem mit dem heutigen Glashütten-Besitzer Kurt Zalto). Sein Vater war in der Zeit unter anderem mitverantwortlich für den Neubau des Gmünder Bahnhofes, ehe die Zelte im Waldviertel wieder abgebrochen wurden: Der Vater übernahm eine neue Stelle als Bau-Chef beim ÖBB-Busbetreiber, der Junior wechselte 1976 an eine Wiener HTL.

Die Debatten um die Zukunft der Bahn ins Waldviertel nimmt Matthä auch aus Wien wahr. Zunächst stuft er das Fahrgastaufkommen auf der Franz-Josefs-Bahn über St. Andrä-Klosterneuburg auch schon vom Waldviertel aus als „hoch und unersetzbar“ ein.

Bezüglich seit Jahren geforderter Verbesserungen für Pendler an der FJB verweist er auf die bis Sommer laufende Machbarkeitsstudie von Land, Bund und ÖBB (die NÖN berichtete darüber): „Wichtig ist hier aber das Abwägen der finanziellen Mittel – sie müssen angemessen sein und einen entsprechend großen Nutzen für möglichst viele Menschen stiften.“ Auch die Kritik an fehlendem WLAN-Ausbau und lückenhaftem Handynetz an der FJB kennt er. Man sei dabei auf das Service der Mobilfunk-Betreiber angewiesen, versuche aber dennoch, hier Lösungen zu finden.

Manche Kontakte nach Gmünd blieben aufrecht

Manche Kontakte nach Gmünd blieben bis heute, betont der nun verheiratete Vater einer Tochter. Ihm sei zudem schon in frühen Kinder- und Jugendtagen mit auf den Weg gegeben worden, dass man „als Mitarbeiter der ÖBB ein gewisses Maß an Veränderungsbereitschaft mitbringen muss.“ Diese hat Andreas Matthä vorübergehend an die Spitze des Konzerns geführt – im Juli könnte er dort dauerhaft installiert werden.