Erstellt am 06. April 2016, 05:54

von Markus Lohninger

Autobahn von Linz quer durchs Waldviertel?. VP-Bürgermeister fordert Verbindung der Waldviertler Großräume durch Verlängerung der S10 in Richtung Polen! Verkehrsplaner winkt tendenziell ab.

Mögliche Schnellstraßen-Verbindung durch das Waldviertel  |  NOEN
Mitten in die in vielen Jahren aufgebaute Tristesse um das Thema „Verkehrsinfrastruktur im Waldviertel“ streut St. Martins Bürgermeister Peter Höbarth (ÖVP) eine kühne neue Forderung: Er sieht eine Fortsetzung der Schnellstraße S10 von Linz und Freistadt in Richtung Weitra, Gmünd, Vitis, Allwangspitz und Raabs als perfekte internationale Verbindung des südwestlichen Europas via Tschechien mit Polen und dem Baltikum.

Finanziert werden solle das „Europaprojekt“ – auf das ihn angebliche Pläne aus Polen in Richtung Waldviertel und Linz brachten – vor allem auch aus EU-Geldern. Mit einer solchen Verbindung sei Wirtschaft und Einwohnern gedient.

Nutzen für viele Groß-Räume im Waldviertel

„Ein großer Anteil unserer Produkte geht in den Westen, zugleich würden die Räume Horn, Waidhofen-Vitis, Gmünd- Schrems und auch Zwettl profitieren“, sagt Höbarth: „Wir hätten endlich unsere Autobahn im Waldviertel – und die hätte dann sogar Sinn!“
Durch den S10-Ausbau bis Freistadt rückte der Großraum Linz deutlich näher ans Waldviertel, bringt aber auch mehr Verkehr. Mit mehr Verkehr rechnet Höbarth auch durch Ausbaupläne für die Anbindung Zwettls in den Bezirk Gmünd und nach Freistadt. Seine und die Nachbargemeinden plagen sich aber allesamt noch mit zweispurigen Trassen inklusive Ortsdurchfahrten…

1.200 zusätzliche Autos pro Tag aus Polen?

Und dann sieht Höbarth langfristig noch 1.200 weitere Fahrzeuge pro Tag auf die Region zurollen: In der Exportnation Polen solle der Wunsch nach einer Transitroute mit drei oder gar vier Spuren durch Tschechien und Österreich – eben durch die Räume Raabs, Göpfritz, Vitis, Gmünd, Weitra und Freistadt – Richtung Frankreich herrschen.

Höbarth beruft sich auf den Hoheneicher Altbürgermeister Roland Wallner, der davon unter Berufung auf ein Gespräch mit dem damaligen Landesverkehrsplaner Friedrich Zibuschka erzählt habe. Zibuschka ist mittlerweile im Ruhestand. Sein Nachfolger Werner Pracherstorfer hört durch die NÖN zum ersten Mal davon.

Die Verkehrsverlagerung aus dem Süden in Richtung Gmünd und Zwettl müsse vor allfälligen Reaktionen im Auge behalten werden, sagt er einerseits. Und aus dem Norden kenne er nur ein bereits abgeschlossenes EU-gefördertes Projekt, nach dem von tschechischer Seite Interesse am Ausbau der Verbindung des Kreises Vysocina über Raabs zum Allwangspitz bekundet worden. „Wir sahen dafür aber keinen Bedarf“, sagt er: „Kleinräumige EU-Projekte gab und gibt es hoffentlich auch weiterhin. Jedoch sind wir da weit weg von einer transeuropäischen Achse – eine Solche ist sicher nicht geplant.“

„Gmünd-Zwettl ist kein Schritt nach vorne“

Roland Wallner bestätigt aber seine Aussage über die Pläne in Polen auch gegenüber der NÖN. Und Peter Höbarth? Auch der wirft die Flinte nach Pracherstorfers Dementi nicht ins Korn. „Die Verbindung Gmünd-Zwettl ist in Wirklichkeit kein Schritt nach vorne. Wir müssen größer denken! Wir müssen die europäische Verbindung durch das Waldviertel fertig denken“, erneuert er seine Forderung sogar.

Mehr dazu in der aktuellen Kaufzeitung der Gmünder NÖN.