Bad Großpertholz

Erstellt am 23. Juli 2016, 06:50

von Karin Pollak

Ausflugsziel Fassldorf ist Geschichte. Aus für Ausflugsziel Das „Fassldorf“ soll nach dem Verkauf nur noch privat genutzt werden. Der ehemalige Besitzer Walter Hahn sucht nun auch Käufer für den Hahn-Buam-Hof.

Walter und Paula Hahn im Hahn-Buam-Hof. Als Erinnerung an ihr „Fassldorf“ bleiben jetzt nur mehr die Prospekte und Ansichtskarten des einst besonders beliebten Ausflugszieles zwischen Pertholz und Abschlag.  |  NÖN, Karin Pollak

Ein über Jahrzehnte hinweg beliebtes Ausflugsziel im Gmünder Bezirk gibt es in der bisherigen Form nicht mehr: Das „Fassldorf“ wurde verkauft und soll künftig nur mehr privat genutzt werden. Für den Gründer und Betreiber Walter Hahn war der Verkauf die letzte Konsequenz nach einer Reihe an Hindernissen – er will sich jetzt auch nach einem Käufer für seinen Gasthof in Pertholz, den „Hahn-Buam-Hof“, umsehen.

„In erster Linie war die Registrierkassenpflicht das I-Tüpfelchen für diese Entscheidung“, sagt Hahn mit Tränen in den Augen. „Das Fassldorf war ein Paradies. Aber die Politik hindert dich mit Auflagen, Gesetzen und Vorschriften am Arbeiten. Zwei Registrierkassen fürs Gasthaus sind genug, ich hätte für das Fassldorf eine Dritte anschaffen müssen. Das wollte ich nicht“, erklärt Hahn seine Beweggründe für den Verkauf. Mit mittlerweile 76 Jahren sei es ihm außerdem erlaubt, etwas kürzer zu treten.

Bürgermeister Vogler: „Schade für Gemeinde“

„Wegen den Eisenbahnschwellen, die ich 1997 eingebaut habe und die auch genehmigt waren, bekam ich sogar einen Abbruchbescheid.“

Walter Hahn

Vor 20 Jahren starb seine erste Frau Annemarie. Er wollte für sie eine Art Gedenkstätte errichten und kaufte das erste Fassl, das ihren Namen erhielt. Danach wurde sein Grundstück zwischen Pertholz und Abschlag immer größer. „Insgesamt habe ich 36 Grundstücke gekauft und zum Fassldorf gemacht“, blickt der gelernte Maurer zurück.

Es folgten noch sechs Fassln, jedes mit dem Namen seiner Kinder versehen. Dann baute er das Märchenschlössl dazu, erst dann kam der Name „Fassl-dorf“, der weit über die Region hinaus bekannt ist.

Bis vor fünf Jahren war es ein Publikumsmagnet. Unter anderem Waterloo, Wilfried, Karl Moik, Harry Prünster, Arnulf Prasch, Politiker wie Erwin Pröll und Johanna Mikl-Leitner gaben sich die Klinke in die Hand. „Dann ging es mit den Schikanen los. Wegen den Eisenbahnschwellen, die ich 1997 eingebaut habe und die auch genehmigt waren, bekam ich sogar einen Abbruchbescheid“, sagt Hahn. Auch die NÖVOG habe ihm Prügel vor die Füße geworfen. „Früher wurden 40 Minuten beim Fassldorf Halt gemacht, zuletzt waren es nur mehr fünf. Die haben die Fahrgäste lediglich für einen Klobesuch nützen können. Konsumiert wurde da nichts mehr.“

Der neue Besitzer, Baggerunternehmer Franz Janusko aus Luftenberg, wird das Fassldorf dem Vernehmen nach privat nutzen (er konnte von der NÖN für ein Statement nicht erreicht werden). Er soll bereits damit beschäftigt sein, alle behördlichen Auflagen zu erfüllen und entfernt schon die Bahnschwellen im Fassldorf.

„Es ist schade für die Gemeinde. Ein begehrtes Ausflugsziel ist weg“, betont Bürgermeister Harald Vogler (ÖVP) angesichts dessen: „Aber man kann niemandem vorschreiben, wer wem etwas verkauft und was der neue Besitzer daraus macht.“

Das sieht man auch in der NÖVOG so. „Das Fassldorf war eine Attraktion. Aber ich verstehe auch Walter Hahn mit seinen 76 Jahren“, sagt Herbert Frantes. Die Haltestelle der Schmalspurbahn bleibt, soll aber in „Abschlag“ umbenannt werden. Frantes zur Kritik über kurze Halte: „Die Erstellung kundenorientierter Fahrpläne brachte die kürzeren Halte mit sich. Nicht jeder wollte ins Fassldorf, darauf muss man reagieren.“

„Mein ganzes Herzblut hängt daran, der Verkauf tut sehr weh. Der neue Besitzer ist ganz nett, das tröstet. Aber die Öffentlichkeit hat nichts mehr davon“, blickt Walter Hahn auf das traurige Ende der Erfolgsstory „Fassldorf“ zurück. Mit seiner jetzigen Gattin Paula bleibt ihm der „Hahn-Buam-Hof“. Wie lange noch? Dazu will sich der singende Wirt und Musikant nicht festlegen. Auch die drei seiner sechs Kinder, die über eine umfangreiche Ausbildung im Gastronomiebereich verfügen, wollen den Betrieb nicht übernehmen. „Auch daran sind die Schikanen Schuld.“