Erstellt am 23. Januar 2016, 05:13

von Markus Lohninger

Moorbad in Großpertholz wird 50. Vom ersten anerkannten NÖ Heilmoor und der Einsamkeit des Waldes: Der größte Gästemagnet und Arbeitgeber der Gemeinde feiert.

Zwei der hölzernen Badewannen aus den ersten Tagen des Kurhotels existieren auch 50 Jahre später noch, dienen allerdings nur noch als Ausstellungsstücke. Geschäftsführer Harald Vogler und Direktorin Gabi Lechner blicken zuversichtlich dem Jubiläumsjahr entgegen.  |  NOEN, privat

Als Ort der gesundheitlichen Genesung hat der Bezirk Gmünd vor allem durch das Gesundheits- und Rehabilitationszentrum Moorheilbad Harbach Bekanntheit erlangt, das älteste Moorbad wird aber in der Nachbargemeinde betrieben: Das Kurhotel Bad Großpertholz feiert heuer sein bereits 50-jähriges Bestehen.

Das Jubiläum wird Mitte Juni als großer Festakt mit einem Tag der offenen Tür, einem Klassikkonzert im Feststadel und einem Radio-Frühschoppen gefeiert, örtliche Vereine wollen ihre Veranstaltungen im Lauf des Jahres in einen Bezug zum Thema Moor setzen und teils auch bei der Jubiläumsfeier mitmachen. Bürgermeister Harald Vogler (ÖVP) spricht von einer „hohen Identifikation der Gemeindebürger“ mit dem Haus, das mit 64 Mitarbeitern auch größter Arbeitgeber der Marktgemeinde ist. Nicht nur das. „Wir haben hauptsächlich dank des Kurhauses immer noch eine in allen Bereichen funktionierende Nahversorgung im Ort. Viele Betriebe sind als Zulieferer eng mit dem Haus verbunden, und die Gäste beleben durch Einkäufe unsere Wirtschaft“, sagt Vogler. Er ist als Bürgermeister auch handelsrechtlicher Geschäftsführer des Kurhotels.

„Man kann in den Wäldern zwei Stunden 
gradausgehen und trifft keinen einzigen Menschen.“
Gründer Hans Margreiter 1966 zum Zauber des Kurhauses

Dieses ging nämlich nach dem Tod des Gründers Hans Margreiter 1977 ins Eigentum der Gemeinde über. Margreiter, ein Frauenarzt aus Zell/See mit Praxis in Pertholz, hatte früh den Wert des Heilmoores für Rheuma, Ischias oder Frauenbeschwerden erkannt – und mit dem Wert der Abgeschiedenheit kombiniert. „Man kann in den Wäldern zwei Stunden gradausgehen und trifft keinen einzigen Menschen“, sagte er kurz vor Eröffnung der Anlage im Jahr 1966 den Salzburger Nachrichten: Die Ruhe sei während der Kur „unbedingt erforderlich“.

Nach 15 Jahre langem Kampf durch die damals schon wuchernde österreichische Bürokratie hatte er mit 14 Betten und drei hölzernen Badewannen begonnen. Im Gemeinde-Eigentum wurde das Haus unter Bürgermeister Heinz Weichselbaumer bis 1981 auf 30 Betten erweitert, seit 1983 heißt die Marktgemeinde offiziell „Bad“ Großpertholz. 1990 und 1995 wurde die Anlage auf 60 und schließlich 99 Betten mit 80 Zimmern in drei Häusern aufgestockt – dabei blieb es. Aufgewertet wurde die Anlage seither durch einen neuen Wellness-Bereich (2003) und zuletzt die Modernisierung von Therapie und Rezeption (2010).

Heute erzielt das Kurhotel bei etwa 94-prozentiger Auslastung gut 3,1 Millionen Euro Umsatz pro Jahr, 2014 wurden fast 30.000 Nächtigungen von Gästen vor allem aus Wien, Ober- und Niederösterreich erzielt.

Ein weiterer Ausbau ist nicht mehr geplant, wie Vogler erklärt. „Wir sind dank unserer Kleinstrukturiertheit und überschaubaren Größe sehr flexibel, können relativ einfach auf Veränderungen zum Beispiel bei Versicherungen reagieren“, sagt er: „„Wir sind in einer Nische, die sehr geschätzt wird.“ Dem schließt sich auch Hoteldirektorin Gabi Lechner an. Sie spricht einerseits von einem in dieser Größe noch „familienähnlichen Betriebsklima, in dem einander alle Mitarbeiter kennen“, und zugleich von einer konstant hohen Zahl an Stammgästen.

Gäste, die mit dem Haus älter geworden sind

„Etliche Kurgäste sind mit den Häusern mitgewachsen“, sagt Lechner: „Sie können noch aus der Zeit erzählen, als es nur ein Haus gab, der Eingang noch vis-á-vis der Schulen lag und die kleine Rezeption dort war, wo heute die Ordination des Gemeindearztes ist.“ Das Hallenbad sei beispielsweise mit jedem Neubau mit übersiedelt, im Stammhaus befindet sich heute am Ort des ersten Bades der Vortragssaal. Die Originaldecke des Bades erinnert dort heute noch an den langen Weg von Großpertholz zu Bad Großpertholz.