Erstellt am 13. August 2016, 06:18

von Markus Lohninger

Wer eine Reise tut…. Sommerlicher Hochbetrieb sorgt für volle Züge der Waldviertelbahn: Alleine am 3. August reisten 700 Bahngäste. Manche sahen die Loks jedoch nur von hinten.

Waldviertelbahn: Die Strecke Gmünd - Litschau feiert 115. Geburtstag.  |  NOEN, NÖVOG/weinfranz.at

Wer eine Reise tut, der kann bekanntlich was erzählen. Zwei Bahn-Fans aus Erfurt brachten aus dem Waldviertel eine besonders ungewöhnliche Geschichte mit in den Freistaat Thüringen.

Und die geht so: Zwei Männer – die selbst beide bei deutschen Bahnen arbeiten – verbringen einige Urlaubstage in eské Bud jovice (Budweis), um in Tagesausflügen die nostalgischen Schmalspurbahn-Strecken in Südböhmen und im Waldviertel zu erkunden. Dann fährt ihnen ausgerechnet in Groß Gerungs und tags darauf auch noch in Alt-Nagelberg die Waldviertelbahn der NÖVOG vor der Nase davon – obwohl sie ihrer Empfindung nach pünktlich sind.

In Gerungs sollen sie demnach drei Minuten vor Planabfahrt am Bahnhof gewesen sein, in Alt-Nagelberg sollen sie von Litschau aus kommend nach einem Fotostopp nicht mehr mitgenommen worden sein. Jedenfalls mussten sie offenbar beidemale ein Taxi zurück nach Gmünd nehmen, von wo es mit dem Auto retour nach Budweis ging. Sie hätten bisher mit rechtzeitig oder zu spät abfahrenden, aber noch nie mit zu früh abfahrenden Zügen zu tun gehabt, erzählten sie in Gmünd.

Die NÖVOG bedauert die Unannehmlichkeiten. Pressesprecherin Annegret Zwickl hält auf NÖN-Nachfrage aber fest, dass der betreffende Zug „pünktlich um 17 Uhr in Groß Gerungs abgefahren ist. Auch am folgenden Tag ist die Bahn weder zu früh noch zu spät aus Alt-Nagelberg losgefahren. Personen, die den Zug zum Fotografieren verlassen haben, sind dem Zugpersonal nicht aufgefallen.“

Gruppe in Alt-Nagelberg: kein Zug, kein Mahl

Am 3. August hat indes auch der Bahnausflug einer sechsköpfigen Gruppe, die von Heidenreichstein aus via Alt-Nagelberg und Gmünd zum Mittagessen nach Groß Gerungs fahren wollte, verfrüht geendet. Ihr Pech war, dass das als Paralleleinfahrt geplante Zusammentreffen der Bahn des Schmalspurbahnvereins (WSV) aus Heidenreichstein mit der aus Litschau kommenden Garnitur der Waldviertelbahn nicht zustande kam – als der WSV-Zug in Alt-Nagelberg eintraf, war die Waldviertelbahn bereits abgefahren.

Man warte im Interesse jener Kunden, die beide Bahnen nutzen möchten, gerne auf das Zusammentreffen beider Garnituren und tausche sich regelmäßig über Verspätungen aus, betont NÖVOG-Sprecherin Zwickl: Am 3. August sei die Waldviertelbahn aber in Gmünd von einer 140-köpfigen Gruppe erwartet worden, die nach Gerungs fahren wollte, „daher war es uns nicht möglich, den verspäteten Zug abzuwarten.“ Da der einzige örtliche Wirt mittwochs nicht öffnet, haben die sechs Reisenden das Mahl in Gerungs jedenfalls kurzerhand gegen eine Wanderung zum Hinterpocher eingetauscht und danach den letzten Zug retour in die Burgstadt genommen.

Die Waldviertelbahn erfreut sich derzeit übrigens sommerlichen Hochbetriebes: Alleine am 3. August reisten etwa 700 Fahrgäste, am 7. August war auch die Parallelfahrt mit Dampflok und Oldtimern mit fast 300 Bahngästen ein Riesenerfolg.