Erstellt am 04. Mai 2016, 05:54

von Markus Lohninger, Thomas Weikertschläger und Karin Pollak

Viel geschehen, abe rnoch viel zu tun. Seit vier Monaten sollten alle öffentlich zugänglichen Einrichtungen ohne Barrieren erreichbar sein. Die NÖN prüfte nach: Wo wird noch behindert?

Das moderne Gemeindeamt in der Bezirkshauptstadt Gmünd spielt bezüglich Barrierefreiheit alle Stückerl. Beim Lokalaugenschein testete Silke Kropacek den Treppenlift.  |  NOEN, Eva Brandeis

Die zehnjährige Übergangsfrist, nach der alle öffentlich zugänglichen Gebäude laut Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sein müssen, endete mit Jahresbeginn. Doch die Umsetzung wird nicht kontrolliert, Benachteiligte können nur in Schlichtungs-Verfahren Schadensersatz fordern – wobei Lösungen, wie die Wirtschaftskammer mitteilt, nur für den Einzelfall gelten. Jeder Geschädigte muss sein eigenes Verfahren ausfechten. – Eine harte Prüfung für 300.000 körperlich beeinträchtigte Niederösterreicher, von denen der ORF-NÖ schreibt.

Wie die öffentliche Hand mit dem Thema umgeht, das hat die Kirchbergerin Silke Kropacek (Selbsthilfe-Verein „Anders“) im Vorjahr erhoben. Gemeinsam mit der Gmünder Fotografin Eva Brandeis tingelte sie alle Gemeindeämter des Bezirkes ab, beurteilte die Lage und gab Empfehlungen ab. Ihr Fazit nach der Tour in teils bis dahin unbekannte Gegenden: „Die Erfahrungen waren total gemischt – von sehr hoher Bereitschaft, sich mit dem Thema zu beschäftigen, bis zu wenig Interesse oder Ablehnung.“ Oft seien es bereits Kleinigkeiten, die Großes bewirken könnten.

Was ist seither passiert? Was ist der Status in den Gemeindestuben? Die NÖN hörte sich um.

Gmünd. In der Bezirkshauptstadt ist das Rathaus barrierefrei. Einziger Kritikpunkt war der zu schmale und kurze Behinderten-Parkplatz neben dem Rathaus – und ist es immer noch. „Wir bemühen uns aber, haben im Stadtgebiet schon mehrere der Anregungen umgesetzt und wollen in nächster Zeit die Situation der Behinderten-Parkplätze testen“, sagt Bürgermeisterin Helga Rosenmayer (ÖVP).

Schrems. In der Granitstadt rechnet SP-Bürgermeister Karl Harrer mit Kosten in Millionen-Höhe, die ohne Förderungen nicht von heute auf morgen finanzierbar seien. „Es geht weit über den Einbau eines Aufzuges hinaus um die Frage nach der generellen Struktur des Gebäudes“, sagt er. Ziel ist die barrierefreie Erreichbarkeit aller Räume, angedacht ist zudem die Schaffung eines großen Kundenbereichs im Erdgeschoß. Derzeit wird als Basis der weiteren Planung der Ist-Zustand erhoben. Harrer: „Spätestens im Herbst soll ein Baubeirat mit Vertretern aller Parteien, aber auch Rollstuhlfahrern und Eltern mit Kinderwägen gebildet werden.“ Start des Umbaus solle Anfang kommendes Jahr sein.

Heidenreichstein. Das Gemeindeamt der Burgstadt hält Kropacek für kaum barrierefrei gestaltbar. Vom Stadtplatz ist das Gästeservice mit barrierefreiem Rollstuhl-WC erreichbar, jedoch nur in den Amtszeiten. Hinweise auf beides – die im Gleichstellungsgesetz genauso verankert sind – fehlen, sind aber nach Auskunft von SP-Bürgermeister Gerhard Kirchmaier, der nach einem Beinbruch selbst ausgiebig Erfahrung mit körperlicher Beeinträchtigung sammelte, „im Entstehen“. Und: Eventuell steht schon für nächstes Jahr die Kanalerneuerung im Stadtzentrum an. „Dabei möchten wir auch das unebene Pflaster am Platz neu verlegen und das öffentliche WC – wo bis zu zwei Stufen zu bewältigen sind – barrierefrei machen.“ Ebenfalls im Zuge der Pflasterung soll die Stufe zum Trauungssaal durch eine Rampe ersetzt werden, sodass auch er barrierefrei erreichbar wird. Mittels Glocke kann beim Rathaus Hilfe gerufen werden.

Weitra. Rund 20.000 Euro wurden für den vor seit zwei Monaten installierten Plattformlift am Seiteneingang des Rathauses investiert. Via Klingel können Rollstuhlfahrer hier Hilfe holen, Mitarbeiter aktivieren dann auch den Lift. Die zwei Stufen sollen hier demnächst durch eine Rampe ersetzt werden. Im Zuge dessen kommen auch neue Behindertenparkplätze direkt beim Seiteneingang. „Damit sind dann auch die derzeit wenig behindertenfreundlichen Behindertenparkplätze beim öffentlichen WC am Rathausplatz Geschichte“, so VP-Vizebürgermeisterin Petra Zimmermann-Moser.

Litschau. In der Schrammelstadt existiert für Rollstuhlfahrer beim Eingang zum Gemeindeamt eine mobile Rampe, ein Lift führt zum öffentlichen WC. Außerdem gibt es eine Glocke ins Bürgerservice, erklärt Bürgermeister Rainer Hirschmann (ÖVP). Für die weitere barrierefreie Gestaltung erarbeitete Architekt Gerhard Macho bereits ein Konzept, das derzeit noch evaluiert werde, so Hirschmann. Bereits barrierefrei sind hingegen der Zugang zur Kirche und der neugestaltete Stadtplatz.



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