Erstellt am 24. März 2016, 07:04

von Markus Lohninger

Das Geld kommt mehr als doppelt zurück. Freude im Bezirk Gmünd: Wirtschafts-Uni errechnete gesellschaftlichen Wert „sozialintegrativer“ Betriebe mit 2,1 pro investiertem Euro.

Freuen sich über das Ergebnis der WU-Studie: die Projektleiter von »Sozial Aktiv« Helfried Langer und Erika Königseder sowie von »lebmit&bunttex«, Michaela Holzschuh und Sabine Neumann-Jeram (v.l.).  |  NOEN, Markus Lohninger
Die Unternehmen „lebmit& bunttex“, „Sozial Aktiv“ und „MühlenHof-RadVit“ liefern seit Jahren Beiträge zur Integration langzeitarbeitsloser oder „arbeitsmarktferner“ Menschen in den Arbeitsmarkt des Bezirkes, beschäftigen diese wieder vorübergehend und erwirtschaften gemeinsam mehr als 830.000 Euro Umsatz pro Jahr. Der darüber hinaus gehende Wert dieser und 24 weiterer „sozialintegrativer“ Einrichtungen in Niederösterreich für die Gesellschaft wurde nun erstmals in einer Studie ermittelt.

Dabei kam ein Forscherteam der Wirtschaftsuniversität Wien zu einem eindeutigen Befund: Die in sozialintegrative NÖ Unternehmen investierten 38,7 Millionen Euro ziehen den Autoren zufolge in Geld aufgerechnete Wirkungen für die Gesellschaft von 81,3 Millionen Euro nach sich. Also keine Rede von „sozialer Hängematte“ – ein investierter Euro kommt demnach mehr als doppelt zurück!

Den Gmünder AMS-Chef Gerhard Ableidinger überrascht das nicht. „Unsere sozialintegrativen Unternehmen unterstützen das AMS bei Kundengruppen, die nicht leicht am Arbeitsmarkt untergebracht werden können und teils seit Jahren arbeitslos waren“, sagt er: „Sie alle schaffen tolle Vermittlungsquoten für nachfolgende Beschäftigungsverhältnisse.“ Ableidinger hebt etwa das Stufenmodell bei „lebmit& bunttex“ hervor, das Frauen sanfte und individuelle berufliche Einstiege mit zehn Wochenstunden bietet: „Das ist eine super Sache vor allem für solche, die lange weg waren.“

„Ziel ist es, herauszufinden, was Leute gut können
und in welchen Bereichen sie sich sicher fühlen.
Dort wollen wir sie bestärken.“
Dunja Eisner, MühlenHof-RadVit

Sabine Neumann-Jeram, eine der zwei Projektleiterinnen der Einrichtung mit Lebensmittel- und Second-Hand-Shop sowie Näherei am Gmünder Schubertplatz, sieht das Studienergebnis als Bestätigung dafür, dass das großteils vom AMS ins Projekt investierte Geld gut angelegt ist. Neben fix angestellten „Schlüssel-Arbeitskräften“, Teilnehmerinnen im Stufenmodell sowie im Arbeitstraining hat „lebmit& bunttex“ aktuell 18 „Transit-Arbeitsplätze“ als Fulltime-Jobs für sechs Monate. Begleitend zu Qualifizierungs-Maßnahmen erwirtschafteten diese im Vorjahr 393.000 Euro (32 Prozent der Kosten), 48 Prozent der Teilnehmerinnen schafften den längerfristigen Einstieg in einen Job.

Bei 40 Abgängern erreichte auch „Sozial Aktiv“ in der Hans-Czettel-Straße in Gmünd 2015 eine Vermittlungsquote von etwa 50 Prozent. In den Bereichen Tischlerei, Metallwerkstatt, Grünraum, Bau & Sanieren wurden 26 Prozent (315.000 Euro) der Gesamtkosten selbst erwirtschaftet. Über ein Drittel der Transit- Arbeitskräfte fiel in die Generation 50-plus. Zusätzlich konnten im Projekt bereits mehrere Lehrlinge zu erfolgreichen Berufskarrieren geführt werden. Alle drei Lehrlinge, die derzeit übers BFI zu Metallbearbeitern ausgebildet werden, sind in der Berufsschule nach Auskunft von Projektleiterin Erika Königseder Vorzugsschüler.

Königseder ortet in Zeiten des schärfer werdenden Windes am Arbeitsmarkt steigenden Zulauf zu sozialintegrativen Einrichtungen. „Hier kommen Menschen raus aus Depression, können Hoffnung schöpfen und Mut fassen“, nennt sie Vorteile abseits der reinen Vorbereitung auf eine Rückkehr ins Erwerbsleben: „Noch nie waren Leute so gerne wie derzeit bei uns, viele bewerben sich von selbst.“
Von großer Dynamik berichtet auch Dunja Eisner, die Leiterin bei „MühlenHof-RadVit“ ist. In Kleinpertholz bei Heidenreichstein wird der „MühlenHof“ mit 5 ha Anbaufläche für Bio-Produkte bewirtschaftet, in Vitis eine Werkstatt mit Verkauf für Fahrräder betrieben.

Neben zwei Stellen für eine Vorbereitungsphase hat das Projekt 15 AMS-Plätze für Transit-Arbeitskräfte (davon 10 in Kleinpertholz). Viele davon bemühen sich intensiv um Praktika in Betrieben, zumal mehrere Erfolgserlebnisse eine Signalwirkung erzeugten und die Eigeninitiative kräftig ankurbelten. Erst vorige Woche schaffte eine Projekt-Teilnehmerin im Zuge eines Praktikums den fixen Sprung ins Erwerbsleben – sie startet ab 1. April beim neuen Arbeitgeber.

Bei „MühlenHof-RadVit“ werden Menschen unabhängig ihrer gesundheitlichen Einschränkungen aufgenommen. „Wir wollen jeden bei uns beschäftigen. Ziel ist es, herauszufinden, was Leute gut können und in welchen Bereichen sie sich sicher fühlen – und dort wollen wir sie bestärken“, sagt Eisner.
Insgesamt wurden im Vorjahr an die 125.000 Euro erwirtschaftet (16 Prozent der Kosten). Zugleich fanden mehr als ein Drittel der Transit-Arbeitskräfte längerfristig in den Arbeitsmarkt. Heuer kamen bisher trotz der Vorsaison bereits drei Menschen über das Projekt zu dauerhafter Beschäftigung.