Erstellt am 05. Mai 2016, 07:44

von Karin Pollak

Frost: Nur „blaues Auge“. Landwirtschaft rechnet nach Frosttagen in der Vorwoche nur mit geringen Schäden. Mehr als die Kälte setzt Trockenheit der Landwirtschaft zu.

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Zittern war bei den Landwirten und Gärtnern in der Vorwoche angesagt: Die extreme Kälte mit Spitzen von -5,6 Grad auf über 900 Metern in Stadlberg, aber selbst -4,5 Grad in Haugschlag in der Nacht auf 29. April sorgte nicht nur körperlich dafür, auch die Nervenanspannung war ein Grund. „Wie wird die Frucht auf Feldern und Beeten diese Minusgrade überstehen?“, war die große Frage.

„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, resümieren Bezirksbauernkammerobmann Markus Wandl sowie Gärtnermeister Martin Artner aus Reichenau am Freiwald. In der Landwirtschaft könnten Sommergerste sowie frisch gesäte Gras- und Kleesamen in exponierten Lagen Schaden genommen haben. „Ansonsten scheint es, dass mit keinen großen Schäden zu rechnen ist. Die Kartoffeln sind noch nicht ausgetrieben und der Mais ist noch nicht angebaut“, so Wandl.

„Mit dem Rausstellen der Blumenkisterl
und dem Pflanzen ins Freie würde ich noch warten.“
Gärtnermeister Martin Artner

Etwas mehr Kopfzerbrechen macht den Landwirten die Trockenheit. Derzeit gäbe es auf den Feldern ausreichende Feuchtigkeit, die Wälder würden aber unter fehlenden Niederschlägen leiden. „Das merkt man daran, dass die Borkenkäfersaison seit dem Vorjahr noch gar nicht aufgehört hat“, betont Wandl. Die Kälte der letzten Woche hat sich aber positiv ausgewirkt: „Unter plus zwölf Grad ist der Borkenkäfer nicht aktiv“, weiß Wandl, der auch einer alten Bauernregel etwas abgewinnen kann: „Ein kühler Mai bringt viel Hei.“ Der nächtliche Frost der letzten Woche hätte sich zwar nicht positiv auf die Vegetation ausgewirkt, aber hohe Temperaturen Ende April wären noch schlimmer gewesen: „Wir sind im grünen Bereich, es bedarf derzeit überhaupt keiner Weltuntergangsstimmung.“

Dieser Ansicht ist auch Gärtnermeister Martin Artner, der auf 810 Meter Seehöhe eine Baumschule mit Gärtnerei betreibt. „Alles, was frostempfindlich ist, wird mit Vlies abgedeckt, ganz empfindliche Pflanzen kommen in die Orangerie“, so Artner. Bei den Obstbäumen ist er optimistisch, dass sie den Frost ohne Schäden überstanden haben. „Die Blüte hat zum Glück noch nicht eingesetzt. Lediglich die Nussbäume sind das große Fragezeichen. Ob die geschädigt wurden, werden die nächsten Tage zeigen“, so der Gärtnermeister.

„Mit dem Rausstellen der Blumenkisterl und dem Pflanzen von Gurken, Tomaten & Co. im Freien würde ich noch warten. Man kann nicht sagen, ob das schon die Eisheiligen waren oder nicht“, rät er Hobbygärtnern. Und dazu gibt es ja auch eine Bauernregel: Im April kommt‘s wann‘s will, im Mai kommt‘s glei“.