Gmünd

Erstellt am 24. Juli 2016, 06:47

von Markus Lohninger

Imkerei wird zum Trend. Abwärts-Entwicklung gestoppt: Imker im Bezirk verzeichneten innerhalb eines Jahres Zuwachs um zehn Prozent. Trend ruft vor allem junge Imker auf den Plan.

Die Imkerei boomt im Gmünder Bezirk.  |  NOEN, shutterstock.com/grafvision

Ist es ein generell steigendes Bewusstsein für Umwelt und Natur, ist es die mediale Aufmerksamkeit rund um die Themen Pestizide und Bienensterben – oder vielleicht der Mix aus beidem: Fakt ist, dass die Imkerei im Gmünder Bezirk boomt wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

So hat sich alleine die Mitgliederzahl in der Bezirksorganisation des NÖ Imkerverbandes im Vorjahr um zwölf auf 130 erhöht, wobei der Zulauf alle Altersschichten und auch beide Geschlechter betrifft. „War die Imkerei bisher häufig ein Hobby für ältere Männer, so sind inzwischen auch sehr viele junge Menschen davon fasziniert“, sagt der soeben als Bezirksobmann (siehe eigener Beitrag!) bestätigte Karl Maurer. Vor allem: „Der Ausbildungsstand erhöht sich wesentlich. Viele neue Imker bringen sehr hohes Interesse für das Ausbildungs-Angebot der Imkerschulen mit“, sagt Maurer.

Mit der Entwicklung wird eine zuvor jahrelange Abwärtsbewegung, die zudem von einem Ansteigen des Altersdurchschnittes begleitet war, umgekehrt. Maurer: „Es gab bereits Zeiten, zu denen einzelne Gemeinden im Bezirk ohne Bienen waren. Inzwischen ist eine flächendeckende Bestäubung wieder möglich.“

Mähen: Bis zu 24.000 tote Bienen pro Hektar

Die Herausforderungen bleiben aber. Einerseits werfe das Waldviertel, wie der führende Imker des Bezirkes sagt, zu wenig Ertrag ab, um das Hobby zum Brotberuf machen zu können. Dem stehe zugleich ein sehr hoher Arbeitsaufwand gegenüber, was neuen Interessenten in der anfänglichen Euphorie mitunter noch nicht bewusst sei. Zumindest Ausfälle wegen Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft werden derzeit, wie Maurer betont, im Bezirk nicht gemeldet.

Ein anderes Problem gewinnt allerdings an Bedeutung, das auch die bäuerliche Fachzeitschrift „Landwirt“ zuletzt aufgriff: Eine veränderte Grünlandnutzung und damit verbundener Maschineneinsatz könne, wie dort gewarnt wird, einen „Rückgang der Volksstärke“ bewirken. „Mähwerke mit aufgesetzten Aufbereitern und Mulchgeräte sind für eingefangene Bienen das sichere Ende“, wird hier geschrieben. Das Problem betreffe auch Rasenmäher in privaten Gärten. Eine Schweizer Untersuchung habe gar ergeben, dass bis zu 24.000 (!) Bienen pro gemähtem Hektar getötet werden können.

„Früher wurden die Viecherl durch Balkenmähgeräte aufgescheucht und konnten fliehen, das geht durch die neue Technik nicht mehr“, bestätigt Karl Maurer: „Das Problem ist jedem bewusst, bloß gibt es keine wirkliche Lösung.“ Der „Landwirt“ rät unter anderem zum Mähen zu Tageszeiten mit kühleren Temperaturen, wo deutlich weniger Bienen ausschwirren.