Erstellt am 28. Juli 2016, 06:00

von Markus Lohninger und Karl Tröstl

Kindergärten: Förderungen für Kinder gestrichen. Land streicht Zuschüsse für Nachmittags-Betreuung und Förderung für Native-Speaker. Reaktionen sind zwiespältig.

Das Land NÖ strich die Förderung für Native-Speaker in Englisch an den Kindergärten. In Schrems springt die Stadtgemeinde dafür ein, in etlichen anderen Gemeinden ist noch unklar, ob das bestehende Kindergarten-Personal diese Aufgaben übernehmen kann. Am Foto in Schrems: Stadträtin Gabriele Beer und Kindergartenleiterin Eva Suchy mit den Kindern Jonas Maly, Lisa Bieringer, Kilian Grill, Stefan Mann, Elina Wagner, Alexander Vater und den Zwillingen Katharina und Alexandra Knapp.  |  Karl Tröstl

Ungewöhnlich geschäftig verläuft in vielen Gemeinden die Sommerzeit in Sachen Kindergärten: Das Land NÖ hat kurz vor den Ferien nicht nur den Eltern-Zuschuss für die Nachmittags-Betreuung, sondern auch die Förderung für „Native-Speaker“ gestrichen.

Ersteres trifft einzelne bedürftige Eltern, Zweiteres trifft aber alle Kindergärten, die dem ausdrücklichen Wunsch des Landes nach Native-Speakern zum frühen Erlernen des Englischen durch externes Personal nachkamen – und dieses künftig, wenn sie es weiter beschäftigen wollen und das nicht mit bestehendem Personal schaffen, aus der Gemeindekassa zahlen müssen. Zuvor waren Zuschüsse für Stützkräfte bereits im Winter abgestellt worden.

Karl Harrer, Bezirksobmann im SPÖ-GVV, ärgert sich über neue Belastungen für Gemeinden.  |  Archiv

„Land und Bund machen es sich leicht, wälzen alles auf die Gemeinden ab“, ärgert sich der Schremser Bürgermeister Karl Harrer, zugleich Bezirksobmann im Gemeindevertreterverband (GVV) der SPÖ: „Unter dem Strich spüren das wieder wir.“

Margit Göll ist von der Angelegenheit als karenzierte Kindergarten-Inspektorin, Harbacher Bürgermeisterin und ÖVP-GVV-Bezirksobfrau, aber auch von der anderen Seite als Abgeordnete im Landtag betroffen, wo sie für die Änderung stimmte.

„Englisch ins Tages-Geschehen einbauen“

Die Förderschiene des Landes sei einst als Anreiz gedacht gewesen, die spielerische Vermittlung der Fremdsprache überhaupt erst anzustoßen, sagt Göll.

„Jetzt haben viele Kolleginnen die notwendige Ausbildung, das wertet auch ihren Beruf auf und macht es möglich, Englisch beim Spielen, Essen oder Anziehen ins Tagesgeschehen einzubauen“, sagt Göll, die dieser Art der Sprachvermittlung im Vergleich zum stundenweisen Besuch externer Kräfte auch pädagogisch mehr abgewinnen kann. Zudem würden heuer verstärkt Weiterbildungs-Angebote bestehen.

Landtags-Abgeordnete Margit Göll (ÖVP): „Was nichts kostet, ist auch nichts wert.“  |  Archiv

Der kurzfristige Zeitpunkt vor den Ferien sei ungünstig gewählt worden, räumt Göll ein, weil in manchen Gemeinden noch Verträge mit externen Native-Speakern laufen. Das kritisiert auch Erwin Hackl, zuständiger ÖVP-Stadtrat in Weitra. Er spricht von einem „Schnellschuss vom Land, wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Etwas Vorlaufzeit wäre gut gewesen.“

Derzeit wird jede der vier Weitraer Gruppen wöchentlich für eine Stunde von einer Englisch-Kraft besucht – ob diese bleibt und künftig voll von der Gemeinde finanziert wird, oder ob das auch hausintern gelöst werden kann, das muss laut Hackl erst besprochen werden.

"Wichtig, dass Kinder mit Englisch konfrontiert werden"

In Gmünd wurden im vergangenen Kindergartenjahr für acht der neun Gruppen jeweils eine Stunde pro Woche Native-Speaker geholt. Wie damit weiter verfahren wird, das muss laut Bürgermeisterin Helga Rosenmayer (ÖVP) erst geklärt werden: „Es ist aber wichtig, dass Kinder von klein auf mit Englisch konfrontiert werden, und wir möchten eingeführte Prozesse nicht verlieren.“

Gelingt keine interne Lösung, so wird wohl die Stadtgemeinde in die Tasche greifen. Aber, so Rosenmayer: „Die Gemeinden werden zugleich auf andere Weise vom Land nun stärker unterstützt – es übernimmt zum Beispiel auch einen höheren Anteil der Mindestsicherung.“

Im Schremser Zentralkindergarten sehen sich die Pädagoginnen mit der Betreuung von etwa 170 Kleinen jetzt schon voll ausgelastet, die Native-Speakerin soll daher weiter an zwei Vormittagen für je vier Stunden kommen.

Gabriele Beer, SPÖ-Stadträtin für Soziales und Generationen, sicherte die Übernahme der Kosten für das nächste Kindergartenjahr durch die Gemeinde zu: „Eltern entstehen keine Mehrkosten.“

"Kindergartenbus in Sanierungsphase eingestellt"

Ob diese Mehrkosten die Gemeinde schlucken können wird, das wolle man sich in Heidenreichstein noch ansehen, erklärt der dortige Bürgermeister Gerhard Kirchmaier (SPÖ).

Derzeit wird neben Englisch auch Tschechisch angeboten – beides soll weitergeführt werden, im Zweifelsfall zeichnet sich auch hier eine Gemeindelösung ab. Kirchmaier: „Familien mehr zu verrechnen ist nicht einfach, zumal der Kindergartenbus in der Sanierungsphase der Gemeinde bereits eingestellt wurde.“

Die Frage einer möglichen Aushilfe für wegfallende Zuschüsse zur Nachmittags-Betreuung durch das Land NÖ ist gar nicht einfach zu beantworten.

Nachmittags-Betreuung: Viele Fragezeichen

Gmünds Stadtchefin Rosenmayer: „Die Gemeinden erfuhren bisher gar nicht, wer Zuschüsse bekam, weil das über die Mindestsicherung und die Bezirkshauptmannschaft lief.“

Die Zahl der Antragsteller sei gering gewesen und habe dennoch einen hohen bürokratischen Aufwand verursacht, erklärt Margit Göll einen Beweggrund seitens des Landes. In der Bezirkshauptstadt waren im vorigen Kindergartenjahr jedenfalls zwischen 30 und 35 Kids für die Nachmittags-Betreuung angemeldet.

Die Minimalkosten bei geringstmöglicher Stundenzahl belaufen sich auf 33 Euro pro Monat – ob in Härtefällen Unterstützung durch die Gemeinde angeboten wird, das soll noch geklärt werden.

„Ansehen“ will sich Bürgermeister Harrer, ob man Zuschüsse in Schrems leisten könne. Grundsätzlich hält er fest, dass „es uns was wert sein muss, dass Eltern arbeiten gehen können und die Kinder dennoch eine gute Betreuung haben“.

"Teils 20 Anmeldungen, teils zu wenig für eigene Gruppe"

In Weitra ist das Thema Zuschüsse nicht mehr aktuell: Nach eben erst wieder eingeführter Nachmittags-Betreuung kommt das Angebot mangels Anmeldungen voraussichtlich gar nicht mehr zustande.

Schwer kalkulierbar sei die Nachmittags-Betreuung auch in Heidenreichstein, sagt Bürgermeister Kirchmaier. „Teils haben wir 20 Anmeldungen, teils zu wenig für eigene Gruppen. Das anfänglich hohe Interesse seitens der Eltern fällt oft mit der Zeit – und wenige Kinder machen den Dienst dann teuer“, gibt er zu bedenken.

Auch deshalb hält die Abgeordnete Göll einen kleinen Beitrag für gerechtfertigt. „Was nichts kostet, ist auch nichts wert“, sagt sie: „In unseren Kindergärten wird aber von gut ausgebildetem Personal qualitativ hochwertige Arbeit verrichtet.“

In ihrer Gemeinde Harbach wird übrigens an manchen Tagen die Mindestzahl von drei Kindern unterschritten – und dennoch auf eigene Faust die Nachmittags-Betreuung angeboten.