Vitis , Heidenreichstein

Erstellt am 14. Dezember 2017, 05:05

von Thomas Weikertschläger

Obsorge-Streit: Der Kampf ums eigene Kind . Monika Grübl will Sorgerecht für ihren bei seinem Vater in Heidenreichstein lebenden Sohn zurück. Mit Selbsthilfegruppe will sie auch anderen Eltern helfen.

Ein Bild aus besseren Zeiten: Monika Grübl möchte auch in Zukunft wieder ungestört – und ohne beaufsichtigt zu werden –mit ihrem Sohn kuscheln.  |  privat

Mit der Gründung einer Selbsthilfegruppe für Menschen, denen ein Kind entzogen wurde, möchte die derzeit in Vitis wohnende Monika Grübl Personen in dieser Situation helfen. Ihr ist es ein Anliegen, aufzuzeigen, dass von dieser Problematik „nicht nur Familien, in denen Gewalt oder Armut herrscht“ betroffen seien, sondern dass es auch Familien, „bei denen nach der Scheidung einer den anderen fertig machen will“, treffen kann.

Auch sie selbst kämpft seit einigen Monaten um die Obsorge für ihren Sohn. Nach der Trennung von ihrem Lebensgefährten im Jahr 2015 lebte ihr Sohn bei ihr und ihrem neuen Partner, der wie ein „Papa-Ersatz“ für ihren Sohn gewesen sei. Dann habe ihr Ex-Lebensgefährte, der ihrer Ansicht nach in seinem Sohn den potenziellen Nachfolger für seinen Hof in der Nähe von Heidenreichstein sieht, begonnen, beim Jugendamt Lügen über sie zu verbreiten.

„Ich kämpfe nicht nur für meinen Sohn, sondern für alle von dieser Situation betroffenen Kinder.“ Monika Grübl

Zu Ostern 2017 sei ihr der Sohn dann abgenommen worden, seither lebt er bei seinem Vater und dessen neuer Lebensgefährtin. Der vom Sohn geäußerte Wunsch, lieber bei seiner Mama zu leben, werde von den Behörden ignoriert. „Vor der Abnahme hat es bei Kontrollen durch das Jugendamt nie Probleme gegeben“, erzählt Grübl. Als Grund für die Abnahme habe das Jugendamt angegeben, dass sie „psychisch krank“ sei, so Grübl. Ein von ihr selbst eingeholtes zweites Gutachten widerspreche dieser Erkenntnis, dieses werde von den Behörden aber nicht anerkannt. Auch Bemühungen, weitere Sachverständige, Anwälte oder die Volksanwaltschaft einzuschalten, hätten keinen Erfolg gebracht.

Grübl vermutet hinter den Vorgängen eine bewusste Masche, die „Institutionen stecken unter einer Decke“. Das Kindeswohl sei für Jugendamt und Gerichte Nebensache, auch Versuche, sie mit der Drohung, ihren Sohn in ein Waisenhaus zu stecken, wenn sie keine Ruhe gebe, seien erfolgt. Es sei ein „Geschäftszweig“ geworden, Waisenhäuser zu füllen. „Dabei steht in den Statuten des Jugendamtes, Eltern im Sinne der Kinder zusammen zu bringen. In der Realität hetzen sie uns gegeneinander auf“, so Grübl.

Grusch: „Fall wurde genauestens geprüft“

Mit diesen Vorwürfen konfrontiert, erklärte Bezirkshauptmann Stefan Grusch, dass der Fall von mehreren Instanzen genauestens geprüft worden sei. Auch er selbst habe in einem persönlichen Gespräch mit Grübl und deren Eltern versucht, die Situation zu klären. Da alle Instanzen (Bezirksgericht, Landesgericht, Volksanwaltschaft,…) zu dem selben Schluss gekommen seien, sei für ihn allerdings klar, dass in dem Fall die richtige Entscheidung getroffen worden sei.

Grübl plädiert indes im Sinne der Kinder darauf, das in Deutschland bereits übliche System zu übernehmen. Dort müssen zerstrittene Eltern gerichtlich angeordnete Mediationen absolvieren, um wieder eine Gesprächsbasis zu schaffen. „Damit sind außergerichtliche Einigungen möglich, teure Kosten für Anwälte fallen weg“, so Grübl. Das würde verhindern, dass Betroffene, die ihr Geld in Anwälte oder Gutachten investieren müssen, in Privatkonkurs gehen müssten – was am Ende wieder negativ für eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung sei.

Der nächste Schritt sei jetzt aber die Gründung der Selbsthilfegruppe. Über Facebook habe sie bereits erste Kontakte zu anderen Betroffenen geknüpft, auch einer Mütterrunde in Hollabrunn hat sich Grübl angeschlossen. In erster Linie wolle sie sich aber mit anderen Eltern aus dem Waldviertel zusammentun, um gemeinsam aufzuzeigen, dass bei der Vorgehensweise seitens der Jugendämter „immer nach Schema F vorgegangen wird. Wenn mehrere Eltern gemeinsam dagegen vorgehen, dann können wir dieses System vielleicht – im Sinne der Kinder – ändern. Ich kämpfe nicht nur für meinen Sohn, sondern für alle von dieser Situation betroffenen Kinder“, so Grübl. Sie selbst darf ihren Sohn derzeit – unter Auflagen – alle 14 Tage für zwei Stunden unter Aufsicht sehen, das letzte dieser Treffen liegt allerdings bereits drei Monate zurück.