Erstellt am 20. Januar 2016, 06:03

von Markus Lohninger

Einwohner: Eine historische Wende. Der seit 1951 anhaltende Sinkflug ging 2015 zu Ende: Zuzug übertraf massiv schlechter werdende Geburtenbilanz klar!

Helga Rosenmayer ist Bürgermeisterin der größten Stadt im Bezirk.  |  NOEN, zvg
Seit Jahren zeigt die NÖN den Trend zum Zuzug in den Gmünder Bezirk auf, der lange Zeit nur deshalb kein Bevölkerungs-Plus brachte, weil die Zahl der Sterbefälle jene der Geburten immer höher übersteigt. Nach einer NÖN-Umfrage in allen 21 Gemeindeämtern über die Einwohnerstände per 31. Dezember 2015 steht es nun aber fest: Der Bezirk verzeichnete im Vorjahr erstmals seit der Volkszählung von 1951 wieder einen Einwohner-Anstieg!

Obwohl es erstmals mehr als doppelt so viele Todesfälle (589) wie Geburten (266) gab, hatte der Bezirk zum Jahreswechsel mit 37.622 Hauptwohnsitzern um 193 mehr als ein Jahr davor. Die Zahl der Nebenwohnsitzer ging indes nur geringfügig auf 9.212 (-14) zurück.

Großer Gewinner war die Bezirkshauptstadt Gmünd. Sie legte nach langem Schrumpfungsprozess zum zweiten Mal in Folge kräftig zu und hat erstmals seit 2006 wieder etwas mehr Hauptwohnsitzer als die Stadt Schrems, die noch 2013 um 270 Einwohner vorne lag. Binnen zwei Jahren wuchs Gmünd um 178 auf nun 5.509 Einwohner – trotz eines deutlichen Anstieges der Todesfälle im Vorjahr. „Es geht aufwärts“, freut sich Bürgermeisterin Helga Rosenmayer (ÖVP): „Die Infrastruktur verbessert sich und das Sole-Felsen-Bad hat das Image Gmünds als lebenswerte, schöne Stadt sicher verstärkt.“ Zudem mache sich die Schaffung leistbarer Wohnungen und attraktiver Bauplätze bezahlt, „wir haben sehr viele Häuslbauer.“

Hinter Gmünd verzeichneten Heidenreichstein (+60), Großpertholz (+43), Harbach (+23) und Litschau (+22) das stärkste Plus. Alle Genannten nahmen im Vorjahr Asylwerber auf, das Plus übertraf deren Zahl aber jeweils beträchtlich. Alleine in Litschau sieht Bürgermeister Rainer Hirschmann (ÖVP) die Aufnahme Schutzsuchender als einzige Erklärung für die positive Bevölkerungs-Entwicklung: „Wir haben etwa 40 Asylwerber und 20 Asylberechtigte, die in Litschau bzw. Reitzenschlag bleiben wollen. Zuzug passiert hier durch Flüchtlinge.“

Nicht so klar, aber auch erkennbar ist der Zusammenhang in Heidenreichstein, wo im Gegensatz zu Litschau 2014 schon viele Flüchtlinge lebten. Bürgermeister Gerhard Kirchmaier (SPÖ) sieht in ihnen ein Mittel gegen die Überalterung. „Es sind auch gute Leute dabei, die am Arbeitsmarkt Fuß fassen und sich dauerhaft bei uns niederlassen könnten“, sagt er.

Bad Großpertholz, seit 2005 am stärksten geschrumpfte Gemeinde im Bezirk, hat seit dem Vorjahr etwa 30 Flüchtlinge – die Einwohnerzahl stieg aber um 43. „Einige Häuser in Einzellagen kamen zum Verkauf und waren heiß begehrt“, sagt VP-Bürgermeister Harald Vogler.

Internet starkes Zuzugs- Argument am Land

Das bestehende Glasfasernetz auch in fast allen Katastralgemeinden hält Vogler für ein starkes Zuzugs-Argument: „Ein Wiener kann in der Abgeschiedenheit von Rindlberg nun seine Arbeit dank hochwertigen Internet-Anschlusses genauso verrichten wie in Wien.“ Es laufen bereits erste Gespräche über die Schaffung zusätzlichen Wohnraums in Großpertholz.

Ein zartes Plus von fünf Weitraern freut den dortigen VP-Bürgermeister Raimund Fuchs – „es ist erst das zweite Mal in meiner Amtszeit.“ Asylwerber gibt es hier keine, das Plus aus bewusstem Zuzug in den Ort übertrifft die um 23 gestiegene Sterbezahl. Letztere führt Fuchs auf das Pflegeheim zurück: „Oft kommen Leute erst, wenn es ohne Pflege gar nicht mehr geht. Im Vorjahr starb jemand, bevor überhaupt sein Wohnsitz in Weitra angemeldet war.“

Waldenstein hatte neben einem guten Einwohner-Plus (19) das beste Verhältnis von Geburten zu Todesfällen im Bezirk: VP-Bürgermeister Alois Strondl durfte zwölf neue Erdenbürger begrüßen, sieben Gemeindebürger verstarben. „Durch den Zuzug junger Familien haben wir einen relativ geringen Altersdurchschnitt“, sagt Strondl. Er weiß bereits von sieben Einfamilienhäusern, die heuer errichtet werden, die Nachfrage nach den im Bau befindlichen acht Reihenhäusern übertrifft das Angebot. Folge der Entwicklung: Der Kindergarten erreicht allmählich seine Kapazitätsgrenze!

Hauptwohnsitzer

Entwicklung seit Ende 2010:

Die Top-Gewinner:

Moorbad Harbach   + 4,7 %
Waldenstein   +2,4 %
Großschönau   +1,1 %
Litschau   + 1,1 %
Amaliendorf/Aalfang   + 0,5 %

Die Top-Verlierer:

Eggern   - 5,3 %
Hoheneich   - 4,7 %
Brand-Nagelberg   - 3,9 %
Reingers   - 3,9 %
Schrems   - 3,0 %

Entwicklung seit Ende 2005:

Die Top-Gewinner:

Eisgarn   + 3,1 %
Großdietmanns   + 2,9 %
Moorbad Harbach   + 0,9 %
Waldenstein   + 0,2 %

Die Top-Verlierer:

Bad Großpertholz   - 11,6 %
Hoheneich   - 10,7 %
Eggern   - 9,4 %
Brand-Nagelberg   - 8,8 %
Reingers   - 7,6 %
...
Heidenreichstein   - 5,5 %
Weitra   - 4,1 %
Gmünd   - 3,8 %
Schrems   - 3,8 %
Litschau   - 2,6 %