Heidenreichstein , Gmünd

Erstellt am 29. Dezember 2017, 11:11

von Franz Dangl und Markus Lohninger

Waldhäusl zu FP-Serienaustritten: „Weihnachtsgeschenke“. Gesamter Norden des Bezirkes seit 22. Dezember ohne FPÖ-Gruppe: Team um Obmann trat fast vollzählig aus, gründete „FLH“. Klubchef Waldhäusl: „Weihnachtsgeschenk!“

FPÖ-Klubobmann Gottfried Waldhäusl  |  FPÖ NÖ

Keine fünf Jahre, nachdem der gesamte FPÖ-Bezirksvorstand der Partei den Rücken gekehrt und ein Kernteam aus der Heidenreichsteiner Ortsgruppe um Peter Immervoll das Kommando übernommen hatte, sind auch Immervoll & Co weg: Zwei Tage vor Weihnachten kehrten der Obmann und elf weitere Mitglieder der 2016 auf die Gemeinden Litschau, Haugschlag, Eggern, Eisgarn, Reingers und Amaliendorf-Aalfang ausgedehnten Ortsgruppe der Partei den Rücken.

Mit Peter Immervoll sen. verließen unter anderem auch Peter Hemmer, Peter Immervoll jun., Gabriele Gratzl, Michelle Nowak und Mario Gratzl (von rechts) die FPÖ Heidenreichstein zur neuen „Freien Liste Heidenreichstein“.  |  Franz Dangl

Die Ortsgruppe existiert nicht mehr, weil sie Immervoll als Zustellungs-Bevollmächtigter zur „Freien Liste Heidenreichstein“ (FLH) umtaufte. In diese wanderten auch die zwei Gemeinderats-Mandate, die nach dem historischen Wahlerfolg von 2015 erstmals in der Burgstadt errungen worden waren. Die FLH stellt seit voriger Woche die Gemeinderäte Peter Immervoll und seinen gleichnamigen Sohn (35), der das von Mario Gratzl zurückgelegte Mandat annahm.

„Der Entschluss ist mir nicht leicht gefallen, war aber letztendlich die Konsequenz andauernder Querelen seitens der Bezirksleitung“, sagt Immervoll, der sich dabei auch von der Landesführung im Stich gelassen fühlt: „Ich bedaure, dass die jahrelange Arbeit für die FPÖ so enden muss.“

Die Liste der Vorwürfe von Peter Immervoll ist lange: Der aktuelle Bezirkspartei-Vorstand um Obmann Walter Hoffmann – der als Spitzenkandidat für den Bezirk mit gar nicht so schlechten Chancen auf ein Mandat in die Landtags-Wahl startet – sei „vermutlich Opfer eines unbegrenzten Größenwahns“, stelle Eigeninteressen vor Parteiinteressen.

FP-Vizebürgermeister in Gmünd unter SP-Führung

In zwei Jahren unter Hoffmann habe es, so Immervoll, unter anderem keine einzige Bezirkssitzung mit allen Mitgliedern gegeben, im Vorfeld des Bezirksparteitages sei man übergangen worden, der Vorstand sei dann auch von einem Drittel der Mitglieder „abgelehnt“ worden.

Von der Bezirksführung sei Hilfe im Präsidentschafts-Wahlkampf abgelehnt worden, erst auf mehrmaliges Drängen – bis zur Beschwerde bei Bundesgeschäftsführer Kickl – sei minimale Unterstützung durch einzelne Werbegeschenke vor der Nationalratswahl gekommen.

Nach den Serienaustritten 2013 habe Peter Immervoll die Bezirkspartei als neuer Obmann, wie er sagt, „in mühevoller Kleinarbeit wieder aufgebaut“. Bei der Gemeinderatswahl 2015 wurde der Mandatsstand im Bezirk von zwei auf zehn verfünffacht, in Gmünd habe es sogar die Chance auf einen FPÖ-Vizebürgermeister unter SPÖ-Führung gegeben: „Das wurde von höherer Stelle verhindert. Seither ist mein Vertrauen in die Landesführung geschwunden.“ Im selben Jahr legte Immervoll seine Obmannschaft auf Bezirksebene zurück.

Einen Tag vor dem Parteiaustritt wurde Peter Immervoll jun. von Bürgermeister als Heidenreichsteiner Gemeinderat angelobt.  |  Franz Dangl

Sein Nachfolger als FP-Bezirkschef, der Schremser Gemeinderat Hoffmann, war für die NÖN um die Feiertage nicht erreichbar. Klubchef Gottfried Waldhäusl widerspricht den Darstellungen Immervolls gar nicht. „Selbstverständlich haben wir die nicht mehr unterstützt. Vor allem Immervoll ist durch sehr stark rechtsradikale Äußerungen auf seiner Facebook-Seite aufgefallen – ich distanziere mich davon, will damit nichts am Hut haben“, sagt Waldhäusl: „Ich bin froh, dass sie weg sind. Das war ein Weihnachtsgeschenk!“

Jetzt sei der Weg frei für „Leute im Hintergrund, die Politik für die Gemeinde machen wollen“, während Immervoll und Gratzl im Gemeinderat ohnehin nicht aufgefallen seien. Eine neue Ortsgruppe befinde sich bereits im Aufbau.

Peter Immervoll selbst appelliert an die Bundespartei, der er die Treue halten will, sich den Bezirk einmal anzusehen. Wenn eine Partei in einem Bezirk binnen 14 Jahren neun Obleute verbrauche, dann bleibe die Frage, ob „die Fehler bei den Bezirks- oder den Landespartei-Verantwortlichen zu suchen sind“, schließt er das Kapitel ab.