Erstellt am 04. März 2016, 05:04

von Markus Lohninger

Blumenwerkstatt Florian: Insolvent durch Krankheit. Umsatzrückgang trotz zusätzlicher Kosten: Langwierige Krankheit trieb Florian Dienstl in Insolvenz. Jetzt nimmt er mit neuem Konzept zweiten Anlauf.

Florian Dienstl mit seiner Mitarbeiterin Christa Dangl.  |  NOEN, Markus Lohninger

Mehrmals schon hatte Florian Dienstl Kämpferherz zeigen müssen – etwa im Jahr 2001, als er nach einem Feuer im Eisenberger-Wohnhaus in der Litschauer Straße über Nacht mit leeren Händen auf der Straße stand, oder am 8. August 2002, als er just am „Hochwasser-Tag“ zur Eröffnung seiner Blumenwerkstatt Florian nach Klein-Eibenstein einlud. Oder 2015, als ihn eine böse Erkrankung fast vollständig außer Gefecht setzte.
Das Kämpferherz wird Dienstl jetzt wieder brauchen: Er musste die Zahlungsunfähigkeit seiner Blumenwerkstatt eingestehen, reichte dazu am Landesgericht Krems ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung ein.

"Geschäft mit Blumenschmuck boomt"

Die, denen er Geld schuldet, will er bis zur Abstimmung über den Sanierungsplan im April davon überzeugen, dass sein Geschäftsmodell mit reduzierter Kostenstruktur und neuem Konzept eine Zukunft haben kann. Einer dieser Gläubiger ist Leopold Kaufmann von der Steuer- und Unternehmensberatungs-Kanzlei WWV – der Dienstl daher nicht nur aus beruflichem Interesse im Verfahren begleitet.

Kaufmann sieht gute Chancen für seinen Klienten. Das Geschäft mit Blumenschmuck für Anlässe aller Art boome sowieso, sagt Leopold Kaufmann. So sei Dienstl, der sich einst neben einem Hilfsjob selbst die Lehrlings-Ausbildung finanziert und 2004 die Weiterbildung zum Meisterfloristen abgeschlossen hatte, heuer bereits für etliche Hochzeiten gebucht. Aber Kaufmann weiß aus eigener Erfahrung, dass auch der Markt für Gartengestaltung nicht gesättigt ist: „Als Dienstl wegen seiner Erkrankung das vorige Jahr über fast nichts arbeiten konnte, fiel er mir auch als Gartenpfleger aus. Zwei von drei weiteren Anbietern konnten keine Aufträge mehr annehmen!“

Daher will sich Dienstl künftig der Gartengestaltung während der Woche – wenn das Geschäft auch mit geringfügigen Mitarbeitern läuft – verstärkt annehmen. Zu Anlässen wie Ostern oder Muttertag will er zudem einen Stand vorm Hotel Goldener Stern am Stadtplatz betreiben.

„Gibt für Fälle wie diese keine Unterstützung“

Ganz gesund ist Dienstl nach seiner Krankheit, die mehrere Spitalsaufenthalte nach sich gezogen hatte, noch nicht. „Zwei, drei Operationen werde ich noch benötigen“, sagt er: „Aber ich habe mich immerhin in den Betrieb zurück kämpfen können und will jetzt mit Priorität schauen, dass die Firma wieder auf die Beine kommt.“

Die Krankheit habe ihn in die Insolvenz gezogen, das bestätigt auch Leopold Kaufmann. Kleine Selbstständige bedrohen Krankheitsfälle gleich doppelt, so Kaufmann: „Die Kosten stiegen durch die nötige Aufnahme einer weiteren Arbeitskraft, zugleich sank der Umsatz ohne den Meisterfloristen auf die Hälfte. Es gibt für Fälle wie diese nicht wirklich Unterstützung.“