Erstellt am 04. November 2015, 05:02

von Markus Lohninger

Braucht Gmünd neue Halle?. Es wird eng für Events in revitalisierter „Eisenberger-Fabrik“. Aber: Potenzial für neue Location.

Wie geht es weiter mit der denkmalgeschützten »Eisenberger-Fabrik«?  |  NOEN, M. Lohninger
Braucht Gmünd eine neue Veranstaltungs-Halle? „Ja“, hat die ÖVP 2004 vor der Gemeinderatswahl gesagt, und als Ort dafür die 1992 stillgelegte „Eisenberger-Fabrik“ in der Litschauer Straße genannt. Man wolle, so der damalige Fraktionschef Gottfried Libowitzky, mit dem Eigentümer reden, einen Grobentwurf für Adaptierungen vorantreiben – und hoffe dabei auf Unterstützung der SPÖ.

Sechs Jahre und zwei Wahlen später kauften Verleger Richard Pils und Buchdrucker Herbert Schlesinger 2010 das Areal in Innenstadt-Lage mit 8.000 m2 Fläche und dem dreistöckigen Haupthaus, das die Gmünder Baufirma Heinzel & Mokesch 1924 fertiggestellt hatte. Das ungleiche Duo hat inzwischen eine Stange Geld in die Revitalisierung gepulvert, hat Fassaden, Toiletten, Elektroanlage, Böden oder Decken im Erd- und Obergeschoß erneuert. Über 400 Glasscheiben wurden ersetzt – eine massive Investition im denkmalgeschützten Haus.

Zugleich wurde das Haus tatsächlich zum Schauplatz von Geburtstags- und Hochzeitsfeiern, Lesungen oder Sommerbällen der ÖVP – die hellen Hallen mit den markanten Zeichen der großen regionalen Industriegeschichte wurden euphorisch angenommen. Selbst eine Anfrage für einen Schulball gab es. Bloß: Auf politischer Ebene hat sich seit 2004 nicht mehr viel getan.

Letzte Investitionen nicht mehr alleine

Also wurde der erste Stock zum Lager für den Verlag „Bibliothek der Provinz“ von Richard Pils. Im Erdgeschoß ließ Schlesinger wie berichtet ein Museum des Buchdrucks wuchern, das zurück bis zu den Anfängen reicht und – einzigartig in Europa! – ausnahmslos funktionsfähige Geräte birgt. Der Platz für öffentliche Veranstaltungen schwindet neben dem historischen Maschinenpark.

Der zweite Stock mit 1.000 m2 Fläche und tollem Blick auf die Stadt wäre, so Pils, bereits praktisch bezugsfertig. Zum Veranstaltungsort für die Allgemeinheit wird er aber aus eigenem Antrieb nicht werden, betont er im NÖN-Gespräch: „Unsere Zwecke erfüllt das Gebäude bereits, wenn es so bleibt, dann bleibt es so. Nur hat dann die Allgemeinheit nichts davon.“

Das oberste Geschoß müsste erst für Veranstaltungen genehmigt werden, bräuchte dazu einen neuen Fluchtweg. Ohne Kooperation der Region und deren Bekenntnis zum Objekt sieht Pils nach Erfahrungen auf Schloss Raabs kaum Chancen: Dieses habe er teuer zum Veranstaltungs-Ort aufgerüstet, bewirtschafte es nun und sorge ohne Unterstützung der Region für volle Quartiere in der Umgebung. Pils: „Ich will nicht auch Gmünd zum Veranstaltungs-Ort machen und alle Risiken alleine tragen.“

x  |  NOEN, Markus Lohninger


Daher müsse nun der nächste Schritt aus der Region kommen. Denkbar ist für Pils alles von der Nutzbarmachung nur des obersten Stockes (über dem sich eine Terrasse mit atemberaubendem Ausblick befindet) bis zur Ausweitung auf die ehemaligen Büroräume im Nebentrakt oder der Bildung eines Kulturzentrums mit einer neuen Veranstaltungs-Halle. Zwei Entwürfe dazu hat er wie berichtet auf eigene Faust anfertigen lassen.

Auf die Frage der Finanzierbarkeit hatte 2014 SPÖ-Bürgermeister Andreas Beer verwiesen, das Areal aber an sich als „architektonisches Juwel für die Stadt“ gepriesen. Weiter ist die Gemeinde auch heute nicht. Im Gegenteil: Beers Nachfolgerin Helga Rosenmayer (ÖVP) spricht noch gar nicht über die Finanzierung. Sie sagt zur NÖN, dass zuerst die Möglichkeiten und der Bedarf geklärt werden müssten: „Es sind viele Vorfragen offen, wir haben noch nicht einmal einen gemeinsamen Termin gefunden.“

Wie kostenschonend ein Kulturzentrum realisiert werden könnte, das sahen wir im Frühjahr ein paar Meter hinter der Grenze. Als im Kino von Ceské Velenice ein Kommunikations-Zentrum eingerichtet wurde, trugen EU, Bund und Land 85 Prozent der 664.000-Euro-Investition. Das Kulturdenkmal auf der anderen Seite der Grenze hält Richard Pils für mindestens genauso förderungswürdig.