Erstellt am 25. Dezember 2015, 04:53

von Markus Lohninger

Breitband: Jetzt geht‘s los!. In Gmünd, Schrems & Heidenreichstein erhalten erste Kunden ab Jänner Zugang zu schnellem Internet. Hartwig Tauber lenkt Breitband-Offensive des Landes.

Hartwig Tauber (rechts) wird Geschäftsführer der NÖ Glasfaserinfrastruktur GmbH, die leistungsfähiges Breitband in unterversorgte Gebiete bringen will. Dem Waldensteiner gratuliert auch Karl Harrer (links), der als Obmann der Kleinregion Waldviertler StadtLand bereits sehnsüchtig auf erste Breitband-Anschlüsse bis zu Privathaushalte wartet.  |  NOEN, M. Lohninger

Für die Menschen in 2.000 Haushalten im Bezirk Gmünd wird der Zugang zum Internet bald wesentlich aufgewertet: Laufend bei Kanal- und Straßenbau-Projekten mit verlegte Lehrverrohrungen werden ab Jänner mit Glasfaser ausgestattet. Für Anrainer öffnet sich so das Tor in die Welt der „High-Speed“-Datenautobahn selbst in kleinste Dörfer weit abseits aller Ballungsräume.

Von den vier Pilotregionen für die Breitband-Offensive des Landes Thayarunde, Triestingtal, Ybbstal und Waldviertler StadtLand ist Letztere am weitesten fortgeschritten. Seit Jahren haben ihre Gemeinden im Großraum Gmünd-Schrems – auch dank der Nähe zum Gmünder Glasfaser-Pionier NBG – praktisch bei jeder Öffnung von Asphaltdecken auch gleich teure Lehrrohre für Breitband bis zu Grundstücksgrenzen mitverlegt. In diese werden nun Glasfasern bis zu Anschlüssen eingeblasen.

Am Pilotprojekt machen aus anderen Kleinregionen Unserfrau-Altweitra und Heidenreichstein mit, wobei die Burgstadt ab Jänner mit den ersten hundert Hausanschlüssen in der Schremser Straße (inklusive Industriegebiet Kleinpertholz) den Anfang macht. Während des Jahres sollen auch Gmünd und Schrems folgen – wobei jene Straßenzüge oder Ortschaften im Vorteil sind, die in jüngerer Vergangenheit Straßenarbeiten hatten. In Gmünd sind das Bahnhofstraße, Wasserfeld oder Aßangsiedlung, in Schrems wurden durch umfangreiche Grabungen zur Schaffung der Fernwärme im Vorjahr viele Straßenzüge fit fürs Breitband, genauso wie der 160-Seelen-Ort Gebharts.

„An die zwei Millionen Euro wurden in unserer Pilotregion bisher aus öffentlichen Geldern für die Schaffung der nötigen Infrastruktur investiert“, sagt Kleinregions-Obmann Karl Harrer, zugleich Schremser SPÖ-Bürgermeister: „In den Gemeinden und bei den Bürgermeistern wurde zum Glück früh erkannt, dass Breitband ganz einfach als Infrastruktur zu sehen ist. Nebenbei waren das Aufträge für lokale Firmen, die lokale Wertschöpfung schufen.“

2016: 4 Millionen Euro für Glasfaser im Bezirk!

Die Beteiligten dürften nun für ihren Innovationswillen belohnt werden: Die NÖ Glasfaserinfrastruktur GmbH (nöGIG) als Tochter der Wirtschaftsagentur „ecoplus“ will alleine im Jahr 2016 20 Millionen Euro für landesweit 10.000 angeschlossene Haushalte investieren, um Leitungen zu graben oder Gemeinden bereits verlegte Lehrverrohrungen abzukaufen. Ein Fünftel des Geldes ist für die Pilotregion Waldviertler StadtLand budgetiert, wie Hartwig Tauber sagt. Tauber wird zum Start der Realisierungsphase mit 1. Jänner Geschäftsführer der nöGIG.

Der 44-jährige Waldensteiner IT-Experte, der einst den Studiengang für Unternehmensführung & E-Business-Management an der Fachhochschule Krems mit aufgebaut und geleitet hatte, gab für seine neue Aufgabe nach zehn Jahren die Geschäftsführung in der Glasfaserindustrie-Vereinigung Europas (FTTH-Council) auf. Auch als Koordinator der Pilotregion Waldviertler StadtLand, der die Schnittstelle zwischen den Gemeinden und dem Land bzw. der nöGIG bildete, hörte er auf.

„Ich wechsle von der einen Seite des Schreibtisches auf die andere, freue mich auf die neue Aufgabe“, sagt Tauber: „Das in zehn Jahren erworbene internationale Wissen kann ich jetzt in meiner Heimat umsetzen.“ Autobahnen kann auch er nicht in alle Städte zaubern. Aber, so Tauber: „Die Datenautobahn in jedes Haus in Niederösterreich bringen – das schaffen wir! Das ist genauso viel wert.“

Die Waldviertler Pilotregionen haben, wie er sagt, „zwei bis drei Jahre Vorsprung“ zu den anderen. „Wir kämpften lange für den Breitband-Ausbau, wurden aber von Telekom-Konzernen immer vertröstet“, sagt Karl Harrer. Dünn besiedelte Landstriche sind für diese oft nicht einmal relevant genug für den Aufbau eines Handynetzes, Konzerne denken mitunter sogar in innerstädtischen Bereichen mitunter nicht an Breitbandausbau (die NÖN berichtete mehrmals). Daher sei der Vorstoß der Gemeinden der einzige Ausweg gewesen, sagt Harrer.

Das rasche Ende von langen Wartezeiten

Breitband endet – so im Waldviertel vorhanden – im Regelfall spätestens bei Straßenverteilern, die Haushalte werden über Kupferkabel oder Funk versorgt. Das bedeutet vor allem in den Stoßzeiten lange Wartezeiten im Internet. Dieses Problem ist, wenn die Glasfaser ab 2016 eingeblasen wird, Geschichte: Durch Anschlüsse bis zu den Haushalten können im Modell der nöGIG Daten mit fast unbeschränktem High-Speed transportiert werden – theoretisch mit bis zu 40 Millionen MBit pro Sekunde. Weltweit liegt der Schnitt aktuell gerade einmal bei 5,1 MBit/s.

Im Zuge der NÖ Breitband-Offensive gehen Straßenzüge oder Siedlungen ans Netz, wenn 40 Prozent der Haushalte das wollen. Lokale Betreiber pachten die Breitbandnetze danach und können sie Telekom-Anbietern zur Verfügung stellen – die wiederum Leistungen wie gewohnt dem Privatkunden anbieten. In unserer Pilotregion sind mit Kabelplus und WVnet bereits zwei „Provider“ an Bord.