Erstellt am 11. Mai 2016, 05:54

von Markus Lohninger

Kreativster Schuh kommt aus Gmünd. Unter europaweiter Teilnehmerschaft wurde Jennifer Cavanaugh zur „verrücktesten“ Schuhmacherin gekürt.

Ihren gehbaren Untersatz im Outfit des Batman zieht die Gmünderin Jennifer Cavanaugh nur fürs NÖN-Foto an - die Siegerschuhe des »Crazy Shoe«-Awards werden nämlich bereits im Wiener Schuhmuseum ausgestellt. Die 25-Jährige war für ihren Auftritt am Catwalk des »Studio 44« in Wien vom Kopf bis zur Sohle in die Rolle des Super Mario geschlüpft - und hatte sich damit auch gegen renommierte Mitbewerber den Siegerpokal und 1.500 Euro Prämie geholt.  |  NOEN, M. Lohninger

„Schuster bleib bei deinem Leisten“ – was als Redewendung dazu ermuntern soll, bei dem zu bleiben, wovon man eine Ahnung hat, das wollen die Organisatoren des „Crazy Shoe“-Awards zumindest für einen Abend außer Kraft setzen. Sie suchen in dem mit 1.500 Euro für den Sieger dotierten, europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb alljährlich nicht die marktfähigste Massenware, sondern die „verrückteste“ neue Schuh-Kreation.

Und diese kommt heuer erstmals aus Gmünd: Die 25-jährige Jennifer Cavanaugh überzeugte die Fach- und Promi-Jury um Innungsmeister Mirko Snajdr und Chris Lohner, indem sie vom Kopf bis zur Sohle in das weltweit erfolgreichste Videospiel „Super Mario“ eintauchte. Jetzt strahlt sie über die „positive Anerkennung dafür, dass man etwas kann“. Die gelernte Schuhmacherin, die ihrem Beruf in den Waldviertler Werkstätten nachgeht: „Im Bewerb geht es darum, aus seinem Potenzial etwas rauszuholen. Es geht um die ungewöhnliche, verrückte Idee – aber auch darum, sie umsetzen zu können.“

Optisch soll über die Stränge geschlagen werden. Doch die komplett selbst angefertigten Schuhe müssen in der Praxis auch tragbar sein.
 

x  |  NOEN, privat

Auch gegen Spitzen-Fachleute behauptet

Jennifer Cavanaugh stellte das beim Finale des europaweit für Schuh-Designer, Meisterbetriebe und Schuhmanufakturen ausgeschriebenen Bewerbes der Wiener Landesinnung im „Studio 44“ der österreichischen Lotterien selbst unter Beweis. Sie führte ihr „It‘s me, Mario!“ getauftes Werk am Catwalk vor – und zwar als einzige kostümierte Teilnehmerin unter 15 für den Galaabend nominierten Kandidaten aus Finnland, Deutschland, Griechenland und Österreich.

Handschuhe, Bart, rote Mütze, blaue Latzhose und gelbe Knöpfe, die diese zusammenhalten – die Gmünderin hatte an alles gedacht. Und weil es ja um die Schuhe ging, verpackte sie dort in mühevoller Feinarbeit allerlei Details aus der Welt des Super Mario vom Spielstart links an der Schuhsohle und dem Tunnel unterm Absatz zur anderen Seite bis zu „Mario Kart“, Lavawelt (samt batteriebetriebener Lichterkette) und dem Schloss des „Bowser“ am rechten Schuh.

Auf die Plätze verwies sie damit auch den renommierten Wiener Maßschuh-Hersteller und Orthopädie-Schuhmachermeister Günther Näumayr.

„Man steigert sich, lernt enorm viel dazu“

Vor zwei Jahren habe der Produktionsleiter der Schuhwerkstatt vom „Crazy Shoe“-Award erzählt, sagt Cavanaugh. So sei sie überhaupt erst auf die Idee gekommen, mitzumachen und sich in ihrem Handwerk abseits der gelernten Wege kreativ auszutoben. „Zuvor hatte ich sowas nie gemacht“, sagt sie: „Dann habe ich begonnen, nach Ideen zu suchen – und nach Möglichkeiten, diese umzusetzen. Man steigert sich dadurch, lernt enorm viel dazu.“ Im Vorjahr hatte sie es wie berichtet auf Rang drei geschafft, heuer gelang der große Wurf.

Nächstes Jahr will Jennifer Cavanaugh wieder mitmachen, die ersten Ideen dazu geistern bereits durch ihren Kopf. Aber der Verrücktheit sind natürlich gewisse Grenzen gesetzt: Die zweifache Mutter opfert an die 50 Stunden ihrer Freizeit für ein ausgefallenes Paar Schuhe – und drei Paar hat sie heuer hergestellt, von denen sie nur das Beste zum Bewerb einreichte.