Erstellt am 12. November 2015, 05:33

von Markus Lohninger

Der Bezirk Gmünd und die UNO-City. Der Architekt des Wiener Bauriesen hinterließ viele Spuren im Bezirk – auch im nun umgebauten Parkkindergarten.

Das Vienna International Center ist eine »Schwester« etlicher Gebäude im Bezirk.  |  NOEN, shutterstock.com/Gibasiewicz
Die Umgestaltung des ehemaligen Schremser Parkkindergartens durch Heini Staudinger lenkt den Blick auf ein bislang kaum beachtetes Detail regionaler Architekturgeschichte: Das Haus und eine Reihe an weiteren Gebäuden im Bezirk Gmünd haben mit Johann Staber den selben Vater wie die „UNO-City“ in Wien mit dem 28-stöckigen Vienna International Center und dem Austria Center Vienna.

Der Kärntner hat nicht nur an einem der weltweit vier Amtssitze der Vereinten Nationen (wo ein großes Wandbild des Heinrichser Malers Ernst Skricka den Eingangsbereich ziert) seine Handschrift hinterlassen, sondern zum großen Teil vor allem im Gmünder Bezirk. Laut Architekturzentrum Wien verewigte er sich in Schrems durch die Planung von Sparkassen-Gebäude, Gabmann-Bürohaus, Volks-und Hauptschule, Parkkindergarten, Ferenczy-Areal oder Rathaus (1971). 

In Gmünd legte er planerisch um 1960 an den Firmengebäuden von Bobbin und Baumann Hand an, in Waldenstein an der Volksschule. In Heidenreichstein wird er mit der Gobl-Strickerei, dem Glaswerk Eigenschink und der Weberei der Firma Framsohn (1974) in Verbindung gebracht, auch Zubauten an Volks- und Hauptschule gehen auf Staber zurück.

Das Waldviertel in der internationalen Presse

In einem kuriosen Wettbewerb um die UNO-City war der damals 42-Jährige Vierter gewesen, hatte 1970 aber im „roten“ Wien gegen heftige Widerwehr der ÖVP als top-gereihter Österreicher dennoch den Zuschlag erhalten. Danach wurde es still um ihn – unter anderem Größenwahn und überzogene Forderungen hätten ihn, wie es im „Architektenlexikon“ des Wiener Architekturzentrums unverblümt heißt, in den finanziellen Ruin und schließlich zur Delogierung getrieben. Im Jahr 2005 verstarb Staber in Wien.

Sein geistiges Erbe im Waldviertel hatte es im Zuge des Ausschreibungs-Skandals in die internationalen Schlagzeilen geschafft. „273 Architektenteams aus 36 Ländern investierten insgesamt 928.200 Arbeitsstunden und fast 13 Millionen Mark in den Ideenwettbewerb […]. Die Mühe der Architekten-Weltelite war vergebens. Den begehrten Auftrag erhielt ein unbekannter Österreicher: Johann Staber, 42, der als bisher stolzeste Leistung den Bau einer Provinzschule samt Kindergarten nennt“, hatte der deutsche „Spiegel“ geätzt.

Dass dieser Kindergarten noch steht und jetzt sogar aufgewertet wird, ist dem Zufall geschuldet: Die Stadtführung hatte das Areal hinter der „Provinzschule“ schleifen und zum Spielplatz des neuen Zentralkindergartens machen wollen. Dann kam es doch zu einer Versteigerung – und Heini Staudinger wollte als Einziger den Rufpreis (69.000 Euro) dafür hinblättern.