Erstellt am 10. März 2016, 05:54

von Markus Lohninger

Eggern erhält Fisch-Farm. Pläne am Marktplatz / Über die Fischzucht wurde Christoph Arnhof Entwickler von Sprüh- Anlagen – und gelangte so zur Zucht von Welsen. In Eggern will er nun Indoor-Anlage bauen.

Dieses Sprühsystem verlässt Eggern zu einer deutschen Putenzucht. Christoph Arnhof stieß über die Fischzucht in den Systembau zur Verbreitung effektiver Mikroorganismen vor - und kehrt mit den selbst entwickelten Aggregaten in die Fischzucht zurück: In Eggern sollen zum Start 200.000 Welse pro Jahr schlüpfen. Foto: Markus Lohninger  |  NOEN, Markus Lohninger
Wohin die Fischzucht jemanden führen kann, das zeigt Christoph Arnhof aus Reinolz in der Gemeinde Dobersberg vor. Gleich mit mehreren Geschäftsideen bringt er neues Leben in die frühere Schulmöbel-Produktionsstätte am Marktplatz von Eggern, die er vorigen August gekauft hat.

Über Pumpensysteme zurück zum Fisch...

Die Suche nach Mitteln gegen Parasiten führte den damaligen Labormitarbeiter der Firma Waldland einst in die Welt der effektiven Mikroorganismen.

Bereits als Selbstständigen machte ihn die erfolglose Suche nach Sprühanlagen zum Auftragen der Bakterien zum Produzenten komplexer Düsen- und Pumpensysteme, mit denen er nun auch Weltkonzerne wie Siemens und Sony beliefert.

Über diesen Bereich fand er zurück zur Fischzucht: Nach der Schaffung einer geschlossenen Kreislauf-Anlage zur Indoor-Welszucht bei St. Pölten, für die er als Angestellter tätig ist, will Arnhof in Eggern eine Indoor-Anlage zur Vermehrung von Welsen errichten.

200.000 Welse sollen in Eggern schlüpfen

Werden die Behördenwege erfolgreich bestritten, dann will Christoph Arnhof zwei Räume im ersten Stock des Hauptgebäudes für die neue Nutzung adaptieren und mit einer Reihe an notwendigen Becken ausstatten. Noch heuer sollen im „Schlüpfbecken“ erste Welse serienmäßig das Licht der Welt erblicken.

Etwa 200.000 Afrikanische Welse will er zum Start jährlich züchten und – sobald sie zehn Gramm Gewicht erreichen – in die Kreislauf-Anlage bei St. Pölten überstellen. Dort sollen, sobald in Kürze der Vollbetrieb erreicht wird, 250 Tonnen pro Jahr für Handelsketten wie Billa, Merkur und Spar aufgezogen und schonend verarbeitet werden.

„Das Angebot ist in Österreich noch sehr viel geringer als die Nachfrage. Die großen Vermehrer für Jungfische sind in Holland und Frankreich“, erklärt Arnhof die Motivation für seine Investition. Dazu kommt, dass das Land NÖ derzeit die Fischproduktion massiv unterstützt.

Im Fischteich ist der Besatz stärker bedroht

Eine Steigerung in größerem Ausmaß ist aber schwer: Der Platz in vorhandenen natürlichen Gewässern ist begrenzt, für neue Teiche müssten Grünland oder Wälder geopfert werden. Außerdem kann in der kühlen Jahreszeit monatelang nicht produziert werden.

Die Produktion in Innenanlagen mit geschlossenen Wasserkreisläufen, wo der Großteil des Wassers mit effektiven Mikroorganismen gereinigt und in die Becken rückgeführt wird, schafft beiden Problemen Abhilfe. Der Afrikanische Raubwels, der sich in Österreich stark steigender Nachfrage erfreut, mag es dunkel und warm – auch das spricht für ein Leben in vier Wänden.

Und: Im Fischteich kann der Besatz, wie der Teichwirt aus eigener Erfahrung sagen kann, von mehreren Krankheitsbildern bedroht – und wie durch den Koi-Herpesvirus – auch im großen Stil dahin gerafft werden. „Fische, die im Becken schlüpfen und aufwachsen, sind aber von keinen bekannten Krankheiten bedroht“, sagt Arnhof. Demnach können sie auch medikamentenfrei aufgezogen werden.

Eggerner Sprühanlagen für den Weltmarkt

Ein Nebengebäude des Areals dient als Produktionsstandort der Firma Aki.Tech, die Christoph Arnhof mit dem deutschen Geschäftspartner Marco Kisch betreibt. Auch mit den Pumpen- und Düsenanlagen, in deren Fertigung er sich einst für Behandlungen mit effektiven Mikroorganismen eingearbeitet hatte, besetzt er eine Marktnische.

„Es gibt viele Erzeuger einzelner Komponenten, aber kaum Anbieter ganzer Systeme“, sagt er: „Wir kaufen viele Komponenten, erstellen manche selbst und bilden fertig montierte Systeme bis zur Programmierung.“

Der Klimawandel kurbelt aber die Nachfrage nach Aggregaten, die die Verdunstungskraft des Wassers zur Kühlung nutzen, an. Kleine Bauern brauchen sie als Einweicher oder Befeuchter genauso wie Elektronik-Riesen. In Kaffeehäusern und Gastgärten boomt der feuchte Lufterfrischer.

Die Teile werden auch als Hochdruckreiniger genutzt und für Kanalroboter, die so reinigen und gleichzeitig filmen können. Aktuell bahnt sich zudem ein großes Projekt in Deutschland an, wo aus vier Aggregaten über tausend Düsen zur Kühlung bei Öl-Raffinationsprozessen eingesetzt werden sollen.

„Natürlich wollen wir die Produktionskosten mit standardisierten Abläufen gering halten. Priorität hat aber, dass wir auch weiter ganz flexibel auf spezielle Anforderungen reagieren und für jeden Kunden Sonderanfertigungen schaffen können“, beschreibt Arnhof das Konzept – mit dem sich aus dem tiefsten Waldviertel Produkte für einen Weltmarkt erstellen lassen.