Eggern

Erstellt am 26. April 2017, 05:55

von Markus Lohninger

Traumreisen mit Waldviertler Know-How. 1,2 Tonnen schweres Waschsystem für Luxuskreuzer in Eggern entwickelt. Aufträge in Millionen-Euro-Höhe sollen erster Schritt in neues Marktfeld sein.

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Einmal mehr erarbeitete sich ein Waldviertler Betrieb seinen Platz auf internationaler Bühne: Nach halbjährigem Entwicklungs-Prozess in Eggern stieß die auf Düsen- und Pumpensysteme spezialisierte Firma Aki.Tech in den Markt für die größten gängigen Kreuzfahrtschiffe mit 5.000 Passagieren inklusive Besatzung vor. Der Prototyp für eine 1,2 Tonnen schwere Anlage zur Lanzenwäsche der Außenseite von Kreuzern wurde vorige Woche in eine Werft an der Ostsee im deutschen Rostock ausgeliefert – bis ins Jahr 2027 stehen alleine für diesen Auftraggeber Lieferungen im Wert von etwa einer Million Euro in Aussicht. Weitere ähnliche Geschäfte dürften folgen, so zeichnet sich bereits ein Auftrag auch für eine englische Werft ab.

Impuls aus der Schiffserzeugung

Dabei kam der Impuls zur Entwicklung des Systems gar nicht aus Eggern, sondern aus der Schiffserzeugung selbst. Die deutsche Werft war auf der Suche nach einem neuen Partner für Sonderlösungen durch Mundpropaganda auf die Waldviertler gestoßen. Sie braucht Waschanlagen, die beim Aufbau von Kreuzern fix ins Maschinendeck verschweißt werden und durch ein dichtes Leitungsnetz alle Decks mit dem aus dem Meerwasser aufbereiteten Waschwasser versorgen können.

Die Herausforderung war für die Entwickler nicht nur die Gewährleistung eines geräuscharmen Prozesses (soll doch der tägliche Waschvorgang die Passagiere nicht belasten), sondern auch die Schaffung eines maximal flexiblen Pumpsystems. Geschäftsführer Christoph Arnhof beschreibt dieses als „bedarfsgerechte Anlage“, die immer das liefern kann, was im Moment benötigt wird: „Unser Gerät erkennt nun automatisch, wenn auf einem Deck eine Waschlanze betätigt wird, und kann mit bis zu 100 bar Druck auch mehrere Lanzen auf verschiedenen Decks zugleich bedienen.“ 10 bis 200 Liter Wasser können pro Minute mit Hochdruck durch die Leitungen geschossen werden.

Komponenten werden zugekauft

Gemeinsam mit zwei angestellten Mechatronikern und einem externen Programmierer hat Arnhof die Pumpen- und Regeltechnik für das Verteilsystem entwickelt. Die Komponenten werden zugekauft und in Eggern zu Hochdruck-Pumpen verarbeitet. Angesichts des Booms von Kreuzfahrten – der Bereich eilt in der Branche von Rekord zu Rekord – und dem dünn besetzten Markt von Anbietern ähnlicher Systeme sieht Christoph Arnhof im neu erschlossenen Marktfeld „riesiges Potenzial“.

Ziel ist es zudem, die Palette massiv zu erweitern: Aki.Tech möchte zum Hauptausrüster für die großen Schiffstypen, also Koordinator und zentraler Ansprechpartner für die komplette Wasseraufbereitung, werden.

Weltkonzerne wie Sony & Siemens als Kunden

Christoph Arnhof hat das Nischenfeld der komplexen Düsen- und Pumpensysteme wie in der NÖN berichtet über Umwege erschlossen. Im Kampf gegen Parasiten in der Fischzucht hatte er einst die Welt der „effektiven Mikroorganismen“ für sich entdeckt, war zum Verteilen dieser Bakterien mangels vorhandenen Angebotes immer tiefer in die Erzeugung von Sprühsystemen geschlittert und hatte schließlich mit Marco Kisch die Aki.Tech gegründet.

Deren Anlagen gewinnen angesichts des Klimawandels stark an Bedeutung: Der Bedarf für Kühlsysteme steigt rasant, und mit den Anlagen aus Eggern kann Wasser auch perfekt als Kondensator-Kühler für diverse Bereiche zwischen kleinen Molkereien, Heizwerken, Müllverbrennungs-Anlagen und großen Serverstationen, Öl-Raffinerien oder Atomkraftwerken verwendet werden. Selbst Weltkonzerne wie Sony oder Siemens vertrauten bereits auf das Waldviertler Know-how, ehe dieses nun auch Eingang in die Welt der Traumreisen fand.