Erstellt am 22. Januar 2016, 06:18

von Karin Pollak

Ein Luchs erobert Gmünd. Luchs Ludek machte sich in Tschechien auf, um über Linz Richtung Gmünd zu ziehen. Da Luchse scheue Tiere sind, sind Sichtungen selten.

Luchs Ludek überrascht auf seinem Marsch. Dieser führte bisher vom tschechischen Sumava über den Kürnberger Wald bei Linz. Jetzt ist er im Waldgebiet an der Grenze Südböhmen/Mühl- und Waldviertel angelangt.  |  NOEN, AlkaWildlife

Luchs-Sichtungen sind im Bezirk Gmünd nichts Ungewöhnliches mehr (die NÖN berichtete) – nun bewegt sich aber auch ein bereits zu Ruhm gekommener Luchs durch den Nordwald auf die Bezirkshauptstadt zu.

Da Luchse sehr große Reviere brauchen, komme es oft vor, dass ein und der selbe Luchs in verschiedenen Jagdrevieren gesichtet werde, so Thomas Engleder vom Luchsprojekt Österreich Nordwest. Ein als sehr wanderfreudig bekannter Luchs ist „Ludek“, der sich zur Zeit zwischen dem Mühl- und dem Waldviertel herumtreibt. Das konnte anhand von Fotos nachgewiesen werden.

Ludek tauchte im August 2015 im Kürnberger Wald bei Linz auf – das junge Männchen war vom tschechischen Böhmerwald zugewandert. „Wir kennen seinen genauen Weg nicht, seine bekannten Aufenthaltsorte liegen aber 60 bis 70 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt“, so Engleder zur beachtlichen Strecke, die dieser Luchs zurückgelegt hat. Ludek kam man nur auf die Spur, weil Luchsbilder sowohl von Jägern als auch von Luchsforschern zur Verfügung standen und weil es zwischen den Wissenschaftern aus Tschechien und Österreich seit Jahren gute Kooperationen gibt.

60 bis 80 Tiere von Oberpfalz bis Wachau

Die böhmisch-bayerisch-österreichische Luchspopulation im Böhmerwald und den angrenzenden Gebieten erstreckt sich von der Oberpfalz bis in die Wachau und zählt 60 bis 80 Tiere. „Wie viele es im Bezirk Gmünd sind, kann nicht genau gesagt werden. Fakt ist, dass es sich hier um Luchse handelt, die auch immer wieder in Tschechien auftauchen“, so Engleder.

Für die Jägerschaft ist die Zahl der Luchse aber zu groß. Damit Klarheit geschaffen werden kann, werden Meldeprämien für Revierverantwortliche seitens des Landesjagdverbandes angedacht. „Immer wieder werden Risse dieser Katzen, die auch nicht vor in Gatter gehaltenen Damwild zurückscheuen, gemeldet“, betont Bezirksjägermeister Ernst Strasser. Auf diesen Schäden bleiben die Jäger sitzen. Daher fordert Strasser – ähnlich wie bei Bären und Wölfen – Schadenersatz bei Luchsrissen. In Oberösterreich gibt es bereits 60 Euro fürs Revier und 15 Euro für den Begutachter von Luchsrissen.

Da Luchse scheue Tiere sind, sind Sichtungen selten. Die Tiere sollen nun mit Fotofallen dokumentiert werden, doch die Bereitschaft der Jäger, Fotos und Meldungen über Luchsrisse weiter zu leiten, ist aber nicht sehr groß. „Der Luchs hat seine Berechtigung. Wir befürchten aber, dass bei derartigen Meldungen auch die Naturschützer in die Reviere kommen. Aber wir werden auch damit umgehen lernen“, schaut Strasser positiv in die Zukunft.