Erstellt am 27. Januar 2016, 06:13

von Thomas Weikertschläger

Ein Trend zur Waffe. 2015 legten sich doppelt so viele Bürger eine Faustfeuerwaffe zu, wie 2014. Trend hält auch im neuen Jahr an.

Immer mehr Bewohner des Bezirks legten sich zuletzt Schusswaffen zu.  |  NOEN, Symbolfoto: Shutterstock

Von 37 auf 87 gestiegen ist die Zahl der Waffenbesitzkarten im Bezirk Gmünd im Vorjahr. Besonders stark war der Andrang gegen Jahresende: Im November wurden 17 und im Dezember 23 davon ausgestellt. Damit entfällt fasst die Hälfte aller Karten auf die letzten zwei Monate 2015, wie Bezirkshauptmann-Stellvertreterin Martha Haselsteiner berichtet. Einen großen Anstieg gibt es auch bei Waffenpässen, die eine Bedingung sind, um Waffen auch außerhalb des Wohnbereichs zu tragen. Wurden 2014 acht Pässe ausgestellt, so waren es 2015 mit 31 fast vier Mal so viele. 15 davon wurden im November und Dezember ausgestellt, zwei Pässe in den ersten drei Wochen des Jahres 2016.

Um Waffenbesitzkarten ausgestellt zu bekommen, muss bei der Behörde ein psychologisches Gutachten vorgelegt werden, damit leichtfertigem Umgang mit der Waffe vorgebeugt werden kann. Außerdem sind Waffenhändler dazu verpflichtet, Käufer im Umgang mit der Waffe zu unterweisen. Nach der Ausstellung einer Waffenbesitzkarte gibt es seitens der Polizei alle fünf Jahre Überprüfungen.

Geht der Anstieg der Zahlen mit einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis in der Bevölkerung einher? ÖVP-Bezirksparteiobfrau Martina Diesner-Wais würde das nicht wundern, „wenn man die große Zahl an Schreckensmeldungen bedenkt, die wir täglich in die Wohnzimmer geliefert bekommen.“ In Gesprächen mit der Bevölkerung habe sie aber nicht festgestellt, dass sich diese im Bezirk unsicherer fühlen: „Bei uns passt die Sicherheitslage, wir sind polizeilich gut ausgestattet. Gibt es Verdachtsmomente, verstärkt die Polizei auch ihre Präsenz.“

FPÖ-Bezirksobmann Peter Immervoll hofft indes, dass die Politik „die Entwicklung als Zeichen“ erkenne, zu handeln: „Als ich ein Kind war, hat niemand daran gedacht, in der Nacht die Haustüre zu verschließen. Die Entwicklung in den letzten Jahren ist besorgniserregend.“ Er selbst halte aber nichts von Waffen in privaten Händen: „Ich habe keine und lehne das ab. Man braucht nur daran denken, was passiert, wenn ein Kind an eine Waffe gelangt.“ Aus der Bevölkerung merke er aber, dass sich besonders Frauen auch immer mehr mit Pfefferspray eindecken würden.

Selbstverteidigung kommt mehr in Mode

Einen Rat, wie man sich besser als mit Waffen verteidigen kann, hat Tamara Boigenzahn, Präsidentin der Union Shitei Karate Oberes Waldviertel aus Schrems. „Karate hilft unter anderem, sein Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl zu stärken. Man hat dann eine ganz andere Ausstrahlung.“ Einen verstärkten Zustrom an Frauen gibt es bei ihrem Verein derzeit – noch – nicht, aber: „Bei Männern und Burschen spürt man schon gestiegenes Interesse.“