Erstellt am 08. September 2015, 09:08

von Markus Lohninger

Einsätze an der Grenze. 16.000 Flüchtlinge nach kilometerlangen Märschen am Grenzübergang Nickelsdorf: 21 Rettungskräfte aus dem Bezirk Gmünd halfen ehrenamtlich mit.

Unter den Rot-Kreuz-Helfern aus dem Bezirk Gmünd am Grenzübergang Nickelsdorf waren auch Erwin Lindtner, Reinhard Grubeck, Christina Bock, Klaus Rosenmayer, Carina Stoiffel, Margit Decker, Ingrid Müllner und Heike Gruber (von links).  |  NOEN, Claus Schindler
Die Bilder der Fußmärsche von Flüchtlingen, die via Ungarn den Weg nach Österreich bewältigten, gingen um die Welt. An die 16.000 Menschen passierten so binnen weniger Tage den Grenzübergang Nickelsdorf, wo sie aus einer zunehmend schärfer werdenden Situation in Ungarn einigermaßen zur Ruhe kamen und versorgt wurden – auch dank des Einsatzes etlicher ehrenamtlicher Rot-Kreuz-Kräfte aus dem Bezirk Gmünd.

Nachtschicht direkt am Grenzübergang

Ein erstes Team mit Christoph Meisel, Franz Weber (beide Weitra) und Janet Gruber (Schrems) machte sich bereits am Samstag gegen 6 Uhr auf den Weg, abends fuhr eine große Hilfseinheit mit 34 Einsatzkräften aus allen Teilen des Waldviertels zur 8-Stunden-Nachtschicht in der Sanitätshilfsstelle direkt am Grenzübergang.

Mit dabei waren aus dem Bezirk neben Ingrid Müllner, Klaus Rosenmayer, Carina Stoiffel (Gmünd), Margit Decker, Heike Gruber und Erwin Lintner (Schrems) auch die Gmünder Christina Bock und Reinhard Grubeck.

Enormer Überlebenswillen der Flüchtlinge

Sie berichten von „berührenden Momenten“ – durch die Menschlichkeit unzähliger privater Helfer, andererseits durch einen enormen Überlebenswillen der Flüchtlinge, die nach kilometerlangen Märschen teils mit abgetragenen Flipflops und Sandalen und dementsprechenden Blasen an den Füßen kamen. „Sie waren mit den kleinsten Dingen zufrieden: essen, trinken, eine Decke – und Frieden“, sagt Bock, die immer wieder Zeit für Gespräche fand: „Das sind Menschen wie du und ich bis zum Arzt und Rechtsanwalt, die total aus dem Leben gerissen wurden. Auch ich wäre froh, würde ich in ihrer Situation empfangen und mit dem Nötigsten versorgt werden.“

Ein großer Teil der Hilfesuchenden benötigte Medikamente gegen Verkühlungen, total erschöpfte Kinder auf Schultern ihrer Mütter mussten medizinisch versorgt und oft in Spitäler gebracht werden.

Laufende Schulungen zeigen ihre Wirkung

Er habe wie viele andere Kollegen durch das Nova-Rock-Festival bereits mehrere Rot-Kreuz-Dienste in Nickelsdorf geleistet, sagt indes Reinhard Grubeck: „Daher war es ein ruhiger Ablauf wie bei einem Großschaden – es zeigte sich, dass die laufenden Schulungen etwas bringen.“ Die ruhigere Schicht von 6. auf 7. September übernahmen Maximilian Lair, Monika Lederer, Ralf Wimmer, Johannes Zemansky (alle Gmünd), Severin Fichtenbauer (Heidenreichstein) Martin Gruber (Schrems), Monika Floh, Josef Kahl, Franz Leutner, Karl Wandl (alle Weitra).

Trotz des Einsatzes so vieler Kräfte blieb die „rettungsdienstliche Versorgung der Bevölkerung“ in gewohnter Form aufrecht, betonte das Rote Kreuz. Für 9. und 12. September sind weitere Grenzdienste geplant.