Erstellt am 27. Januar 2016, 06:13

von Christine Deutsch

Wenn die Männer auf Glatteis gehen. Wie am Litschauer Mörterteich eine nordische Tradition hochgehalten wird und was das Angeln auf dem Eis speziell macht.

14 Angler trotzen am Samstag den frostigen Temperaturen und dem dichten Schneefall und gingen aufs Eis angeln. Auch die Kleinsten hatten jede Menge Spaß und zeigen stolz ihren Fang.  |  NOEN, Christine Deutsch

Wenn verteilt über den ganzen Mörterteich die Angler auf dem Eis sitzen und der Dinge harren, dann testen sie nicht auf sehr riskante Art die Tragfähigkeit der Eisdecke aus, sondern sie frönen der langjährigen Tradition des Eisangelns. Zuletzt passiert ist das am Samstag.

Da kam der Wetterumschwung in der vergangenen Woche gerade recht. Denn ganz so einfach ist das mit dem Angeln auf dem offenen Eis nicht. In den vergangenen sieben Jahren fiel das Eisangeln des Fischereivereins Mörterteich gleich dreimal der zu warmen Witterung zum Opfer. Heuer wars endlich wieder kalt genug.

Auf sechs Grad unter Null fiel die Quecksilbersäule am Thermometer samstags in Litschau. Bei dichtem Schneefall begaben sich 14 Angler auf das 16cm dicke Eis. Jeder Teilnehmer durfte sich seinen Angelplatz suchen und dort ein Loch mit 15cm Durchmesser mit einem speziellen Eisbohrer bohren. Um ein Zufrieren zu verhindern, wurden die sich neu bildenden Eisstücke laufend mit einem Eisschöpfer, der einem Knödelschöpfer ähnelt, aus dem Loch gefischt.

Durch dieses wurde dann die Angelschnur samt Köder (Mais, Wurm oder Made) zu Wasser gelassen. Die erforderliche Angel ist im Vergleich zur normalen Rute sehr kurz (ca. 70cm) und recht einfach gebaut.

Vom nördlichen Polarkreis nach Litschau

Wie die Katze vor dem Mausloch warteten nun die Angler auf den Fisch. Um genügend auch im Winter hungrige Fische im Teich zu haben, wurden im Herbst eigens für das Eisangeln 70kg Forellen eingesetzt. Aber auch Hechte oder Zander beißen bei frostigen Temperaturen gerne einmal zu.

Ursprünglich kommt das Eisfischen naturgemäß aus den Ländern rund um den nördlichen Polarkreis – Kanada, Finnland, Norwegen, Schweden und Russland. Skandinavische Auswanderer brachten diese Angelart auch in die USA, wo es hauptsächlich an den großen Seen praktiziert wird. Geübte Eisangler setzen sich übrigens nicht einfach aufs offene Eis, sondern haben ihre Angelplätze mit einer kleinen Holzhütte vor äußeren Einflüssen geschützt, in dem sie notfalls auch einmal übernachten können.

So schlimm wurde es am Mörterteich nicht. Nach sechs Stunden war das seltene Schauspiel, dass in unserer Region nur von einer Handvoll Fischereivereinen betrieben wird, beendet.

Damit es den Anglern bis dahin nicht zu kalt wurde, sorgten Obmann Christian und Gattin Michaela Stouy für warme Speisen, Getränke und ein Lagerfeuer, an dem sich die Teilnehmer und Zuschauer aufwärmen konnten. „Das Eisfischen war ein toller Erfolg“, freute sich Christian Stouy. Spielt das Wetter mit, dann ziehen die Litschauer Angler im Februar ein weiteres Mal aufs Eis.