Erstellt am 11. November 2015, 05:32

von Karin Pollak

Ende nach über 700 Jahren. „Walter“ Waschka schließt mit Jahresende das älteste Gasthaus am Weitraer Rathausplatz und setzt sich mit 64 zur Ruhe. 12 Mitarbeiter auf Jobsuche.

Karl »Walter« Waschka mit seiner Gattin Hermine freuen sich nach jahrzehntelangen intensiven Arbeiten auf ihren Ruhestand.  |  NOEN, privat
Der älteste Gasthof am Weitraer Rathausplatz wird ab 2016 Geschichte sein. Karl „Walter“ Waschka legt mit Jahres-Ende sein Gewerbe still.

„Ich bin fast 64 Jahre alt und nach 46 Dienstjahren ist es genug. Dann hab ich endlich Zeit, um Wallfahren zu gehen“, scherzt der legendäre Wirt mit bekanntem Hang zum Schmäh. Durchaus ernst ist es ihm mit der Schließung seines Gasthofes mit 13 Fremdenzimmern, 130 Sitzplätzen im Lokal sowie 60 weiteren Plätzen im Wintergarten. Seine zwölf Mitarbeiter müssen auf Jobsuche gehen.

Das Aus kam nicht unüberlegt

Das Aus beschlossen er und seine Gattin, die jahrelang die Küche geleitet hat, nicht unüberlegt. „Die kommende Registrierkassenpflicht ist kein Grund, die haben wir schon seit 35 Jahren, die fortwährenden Schikanen der Behörden und deren Ungleichbehandlung der Wirte gegenüber anderen Veranstaltern sehr wohl“, sagt er. Er habe nach einem Pächter gesucht, aber: „Als Personengesellschaft würden uns dabei Steuerzahlungen im sechsstelligen Bereich ins Haus stehen. Deshalb muss der Betrieb mehrere Jahre geschlossen bleiben.“

„Urlaub gab‘s nur im März und November.
Da sieht man nicht viel von Österreich.“
Karl Waschka will jetzt in der freien Zeit
mit seiner Frau reisen

Eigentlich wäre er ja lieber Formenbauer geworden, blickt Waschka zurück. Doch seine Mutter Maria hat den Gasthof, der um 1300 gegründet worden ist, 1957 nach der Scheidung von Karls Vater, Kurt, gekauft. Dieser blieb in der Mühle im Ledertal. „Somit war mein Weg vorgegeben und ich besuchte die Gastgewerbeschule in Wien, die schon meine Mutter und später auch meine Tochter Birgit absolvierten“, sagt Waschka.

Mehr als zehn Lehrlinge wurden ausgebildet

Vor über 35 Jahren übernahm er den Gastronomiebetrieb, das „Gasthof mit Tradition, das oftmals von Gästen als Wohnzimmer von Weitra bezeichnet wird.“ Er baute das Haus um und aus: Klimaanlage, Lift, die dritte Toilette, neu gestaltete Fremdenzimmer, Sauna und Dampfbad, Schanigarten, Wintergarten sowie eine E-Tankstelle fanden Einzug. Mehr als zehn Lehrlinge wurden ausgebildet – und stets Weitraer Bier ausgeschenkt. Für das nur hier erhältliche „Libellenbräu“ gab es auch zweimal den Titel „Innovativstes Bier Österreichs“.

Für die Rente nimmt sich Waschka einiges vor. „Vor allem steht meine Familie im Mittelpunkt. Meine Kinder Birgit und Karin sowie die drei Enkelkinder hatten bisher nicht viel von uns.“ Auch Reisen steht am Plan. „Wir hatten Betriebsurlaube immer im März und im November. Da sieht man nicht viel von Österreich.“ Auch seiner Gesundheit will er sich widmen: „Mit 64 zwickt es halt schon. Bisher schluckte ich dafür Tabletten. Jetzt werde ich diesen Beschwerden auf den Grund gehen.“ Ruhig wird es werden. Aber darauf freut sich Waschka schon.