Erstellt am 16. März 2016, 05:54

von Thomas Weikertschläger

„Es muss doch noch was anderes geben“. Der Schremser Thomas Süß erfuhr bei Hilfs-Projekt in Ghana, was es heißt, selbst „anders“ zu sein.

Herzlich aufgenommen: Anfangs noch »Der Weiße«, der bestaunt wurde, eroberte Thomas Süß besonders das Herz der ghanaischen Kinder.  |  NOEN, privat

„Da muss es doch noch was anderes geben“, dachte sich der Schremser Thomas Süß, nachdem er als Diplomierter Krankenpfleger eine Spezialausbildung im Intensiv- und Anästhesiebereich absolviert und einige Krankenhäuser in Österreich kennengelernt hatte.

Und dieses „Andere“ fand er im Rahmen eines sechswöchigen Aufenthalts im Ort Onwe in der Ashanti Region im westafrikanischen Land Ghana. Dort arbeitete er mit der Hornerin Stefanie Gruber als Krankenpfleger in einer Klinik. Weder die Hygiene-Standards, der Umgang etwa mit schwangeren Patientinnen noch die Leistungen der Krankenkasse seien mit Verhältnissen aus Mitteleuropa vergleichbar, sagt Süß.

Wissen der Ärzte ist enorm

„Es gibt kein EKG, kein Röntgen oder Ultraschall. Dafür haben die Ärzte unglaubliche diagnostische Fähigkeiten. Das Wissen der Ärzte ist enorm“, so Süß. Im Spital, das über 30 Betten verfügt, war in der Regelarbeitszeit immer ein Arzt anwesend, in der Nacht gab es Bereitschaftsdienst. Gearbeitet wurde im Drei-Schichtbetrieb. Den Pflegern kommen dort mehr medizinische Kompetenzen zu als in Österreich. Dafür werden Arbeiten, die in Österreich von Pflegern übernommen werden, von Angehörigen der Patienten erledigt. Süß: „Sie bringen Essen oder frisches Gewand und waschen die Patienten. Die Angehörigen sind stark gefordert.“

„Weiße“ sorgten 14 Tage für Gesprächsstoff

Gefordert war auch Süß bei der Verständigung mit den Patienten. Neben der Amtssprache Englisch sprechen die meisten Patienten Ashanti-Dialekte, genannt „Twi“. Daneben merkte Süß aber auch, was es bedeutet, selbst „anders“ zu sein. „Wenn zwei Afrikaner durch meinen Heimatort Langschwarza gehen würden, würden alle schauen. Meiner Kollegin und mir ist es genau so gegangen. Wir haben 14 Tage für Gesprächsstoff gesorgt“, erzählt Süß. Weiße seien in der abgelegenen Gegend selten gesehene Gäste. Neben der hellen Haut, die alle berühren wollten, sorgten etwa auch behaarte Beine bei den Bewohnern für Aufsehen.

Strom nicht täglich verfügbar

Organisiert wurde der Aufenthalt, den Süß aus eigener Tasche bezahlen musste, von der Organisation Weltsicht gemeinsam mit einer Partnerorganisation vor Ort. Das Quartier (Hütte mit Bettgestell, ohne sonstigen Möbeln) wurde zur Verfügung gestellt. Fließendes Wasser gab es nur am Morgen und jeden zweiten Tag am Abend, Strom war nicht täglich verfügbar.

„Anders“ sei in diesem Land, in dem Korruption an der Tagesordnung steht, auch der Messbesuch gewesen. Dort wurde getanzt und gesungen, eine Sonntagsmesse konnte auch schon mal an die drei Stunden dauern. Süß: „Die Menschen in Ghana sind sehr gläubig. Wir wurden beim Messbesuch herzlich begrüßt. Ab da waren wir voll integriert.“