Erstellt am 04. Februar 2016, 06:18

von Markus Lohninger

Wirbel um Urlaubs-Gäste. Werden Gmünd-Gäste nach Weitra abgezogen? Incoming dementiert scharf.

Streit um die Tourismus-Städte Weitra und Gmünd: »Die belegen immer Weitra zuerst«, rügt »Goldener Stern«-Chefin Siller die Incoming in Weitra.  |  NOEN, zVg

Missbraucht die in Weitra angesiedelte „Waldviertel-Incoming“ ihre Rolle als zentrale Buchungsstelle der Destination Waldviertel, um Gäste aus Gmünd in die Braustadt abzuziehen? Der Vorwurf, den Maria Theresia Siller, Geschäftsführerin im „Goldenen Stern“ in Gmünd, der Versammlung der Gmünder Kaufleute brachte, löste bei Incoming und Waldviertel-Tourismus Empörung aus.

Siller zufolge seien Kunden von der Incoming falsch informiert worden, „ihnen wurde gesagt, dass Gmünd ausgebucht ist. Die belegen immer Weitra zuerst.“ Sie forderte Bürgermeisterin Helga Rosenmayer (ÖVP) auch gleich dazu auf, das Incoming „von Weitra nach Gmünd zu holen“, und erhielt dabei Unterstützung von Steuerberater Harald Buchhöcker. Rosenmayer sagte zu, sich „dahinterklemmen“ zu wollen.

Schwarzinger: Vorwurf „völliger Blödsinn“

Dass dieses Unterfangen wenig aussichtsreich sei, deutet Andreas Schwarzinger, Geschäftsführer der Tourismus-Destination Waldviertel, an. Den Vorwurf des Gästeklaus schmettert er als „völligen Blödsinn, der mir überhaupt noch nie zu Ohren gekommen wäre“ ab.

„Die Incoming ist eine eigenständige GmbH, an der wir gar nicht beteiligt sind. Wir arbeiten aber seit Anbeginn sehr eng auch in der Produktentwicklung zusammen“, betont er: „Für eine derart professionelle Abwicklung gibt es nur sie.“ Abgesehen davon sei der konkrete Büro-Standort unerheblich.

Da die Waldviertel-Incoming im Privatbesitz ist, könne man diese – wie deren Geschäftsführer Johann Wimmer zu bedenken gibt – nicht einfach so abziehen. Sie erfüllt eine Informationsrolle und erfasst zugleich über das Buchungssystem der Destination Waldviertel mehr als 20.000 Nächtigungen pro Jahr für das gesamte Waldviertel.

„Dabei erhalten wir sehr positives Feedback für eine gleichmäßige Bewerbung über alle Gemeinden hinweg“, sagt Wimmer. Beschwerden habe er dazu noch nie vernommen: „Aber wenn ein Betrieb im Buchungssystem aus bestimmten Gründen nicht alle freien Zimmer angibt, dann kann es natürlich vorkommen, dass Unterkünfte nicht in der Abfrage aufscheinen, obwohl noch Platz wäre.“

Gmünder Tourismusbüro lobt Zusammenarbeit

Selbst in einem solchen Fall vergewissere man sich, so Incoming-Leiterin Elisabeth Ederndorfer zur NÖN, „in 99 Prozent der Fälle“ noch bei Betrieben, ob wirklich nichts frei sei. Ederndorfer wundert auch der Zeitpunkt des Vorwurfs von Maria Theresia Siller: „Ich hatte mit ihr eben erst eine Diskussion wegen anderer Anliegen. Von abgeworbenen Gästen war dabei nicht die Rede, mir ist das neu“, beteuert sie, „ich habe erst vorige Woche zwei Gäste im Goldenen Stern gebucht und wäre nicht auf die Idee gekommen, sie in Weitra unterzubringen.“

Auch Gerold Guttmann vom Tourismusbüro der Stadt Gmünd weiß nichts von Klagen über abgeworbene Urlauber. Im Gegenteil: Er spricht von einer „guten Beziehung zu Weitra und zur Waldviertel-Incoming, die unter anderem auch laufend Führungen für Gmünd bucht.“