Gmünd

Erstellt am 19. August 2016, 03:50

von Markus Lohninger

Hüte sind kein alter Hut. In der Fußgängerzone am Stadtplatz behauptet sich seit145 Jahren ein Hut-Geschäft. Das Äußere des historischen Gebäudes wird derzeit aufgeputzt.

Der Außenauftritt des Hut-Geschäftes am Gmünder Stadtplatz, in das Elisabeth Fritz eingemietet ist, erhält eine kräftige Auffrischung.  |  noen, Lohninger

Seit Mitte der Vorwoche lenken Fassadenarbeiten in der Fußgängerzone des Stadtplatzes die Aufmerksamkeit der Passanten auf das Haus mit der Nummer 28, in dem sich neben der Kanzlei von Anwalt Robert Schwarz auch ein Geschäft mit überregionaler Alleinstellung in einer Nische behauptet: Im „Hut-Fritz“ werden, gleich neben dem Stadtwirtshaus Hopferl, seit mittlerweile 145 Jahren Hüte verkauft.

Das lohnt sich in Zeiten billigster Massenware aus Fernost immer noch, behauptet Elisabeth Fritz, die Geschäfts-Inhaberin. Ihr Geheimnis: „Bei uns geht nicht jeder Kunde mit dem selben Stück raus. Wir haben exquisitere Ware oft nur in Einzelstücken, die sich von der Masse abheben und zum größten Teil noch in Österreich, Deutschland, Italien oder Frankreich hergestellt werden.“ Dennoch kann bei Hut-Fritz auch in Serie eingekauft werden, Trachtenkapellen oder Sportvereine tun das gelegentlich zwecks gemeinsamer Ausstattung.

Angeboten werden nicht nur Hüte und Mützen aus Wolle, Filz, Stroh oder anderen Materialien, sondern auch Stirnbänder, Schals, Babyware, Taschen, Schirme, Geldbörsen oder – Maturanten wissen das – Ballhandschuhe. Ihre Kunden kommen aus allen Alters- und Gesellschaftsschichten, gekauft wird relativ saison-unabhängig. Fritz: „Oft nutzen zum Beispiel auch Sommerurlauber einen Besuch bei mir, um sich mit einer Pelzhaube für den Winter einzudecken.“ Kleine Reparaturen nimmt sie selbst vor, größere gibt sie an Partner weiter.

Elisabeth Fritz blickt auf eine Vorgeschichte zurück, die sie einerseits zufällig und andererseits doch zielgenau zum heutigen Beruf führte. Die Großeltern mütterlicherseits kamen, wie sie erzählt, als Einrad-Artisten im Circus Louis Knie kreuz und quer durch Europa.

Ihre Mutter Christina erblickte in England das Licht der Welt, wurde später in Graz sesshaft, absolvierte dort bei einem Hutmacher die Buchhalter-Lehre und heiratete dann einen Hut-Großhändler in Wien. Einmal noch wurden die Zelte abgebrochen: Noch vor der Geburt von Elisabeth Fritz tauschten ihre Eltern Mitte der 1970er Jahre das Großstadtleben in Wien gegen ein Haus im beschaulichen Eggern ein.


Großeltern im Zirkus, Eltern im Hut-Geschäft

Von dort aus betrieb der Vater von da an seinen Hut-Großhandel, die Mutter kaufte als Draufgabe das seit Jahrzehnten im Besitz der Familie Soukup gestandene Hutgeschäft am Gmünder Stadtplatz und machte sich dort selbständig. „Ich bin also praktisch im Hutgeschäft aufgewachsen. Hüte waren für mich immer ein Thema“, schmunzelt Elisabeth Fritz, die heute in Heidenreichstein lebt.

Dass auch sie sich ihren Lebensunterhalt eines Tages mit dem Verkauf von Hüten verdienen würde, das war ihr also schon in die Wiege gelegt, lange bevor sie den Traditionsbetrieb im Jahr 2007 von ihrer Mutter übernommen hatte.